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Internetzensur in Deutschland

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Urgs schrieb:
Hab gestern einen der Artikel aus der Zeit gelesen und ich denke, den werden sie über kurz oder lang auch ins Netz stellen. Geht um die Gebahren der Internet-Community, die stets reflexartig davon ausgeht, im Netz gelten keine Regeln und Gesetze von Außerhalb und die stets den Untergang der Demokratie und chinesische Verhältnisse wittern, wenn versucht wird, ihre virtuelle Welt an die Gesetze anzupassen, die draussen auch gelten. Also all das, was man auch hier erleben kann. Fand ich mal ganz wohltuend. ;)

Wenn sie die virtuelle Welt an die Gesetze draußen anpassen würden, hätte ich damit ja kein Problem. Aber genau das haben sie ja nicht vor. Außer das BKA ist in der echten Welt dazu befugt, irgendwelche Läden zu schließen, ohne dass ein Richter das kontrollieren kann ;)
 
Die Zeit stellt verschiedene Standpunkte gegenüber auf, damit man sich selbst ein Bild davon machen kann. So ist auch dieser Artikel zu verstehen und nicht als letzte Wahrheit zum Thema. Wenn er online ist, werd ich ihn verlinken, dann könnt ihr ihn selbst lesen.
 
Aber die Ideologie der Freiheit immunisiert nicht nur gegen Kritik und Kontrolle. Sie wirkt auch nach innen, ins Netz selbst. Sie verstärkt die antibürgerliche Gravitation des Internets. Sie hat dort die zivilisatorischen Schwellen gesenkt, die im alltäglichen Miteinander der realen Welt selbstverständlich sind. Sie befeuert den rauen Umgangston, die Regellosigkeit der Sprache, die Wurschtigkeit des Denkens. Und sie fördert die anarchische Grundstimmung des Cyberspace, die verbreitete Neigung zur Gesetzlosigkeit.

Wat für Pilze hat der den gefressen? :lol:
 
Urgs schrieb:
Ah, das ist der Kommentar, den ich meinte. Schön, das er euch so gefällt! :D

Die Quintessenz des Kommentars:

Jahrelang hat man sich einen Dreck darum geschehrt, deswegen müssen wir jetzt mit unverhältnismäßigen Mitteln dreinfahren.


In 30 Jahren werden uns unsere Kinder fragen: "Warum habt ihr nichts dagegen gemacht? Ihr habt das doch kommen sehen müssen...?"

Denn dann haben wir ein kontrolliertes, meinungsbefreites Netz. :kaffee:
 
Das dürfte deine selektive Wahrnehmung sein, die diese Quintessenz daraus entnimmt.
Ich lese in dem Kommentar in erster Linie eine Analyse der hysterischen Reaktion der Internetgemeinde, auf den Gesetzentwurf. Der Entwurf an sich wird nicht oder kaum thematisiert, das wurde an anderer Stelle ausgiebig getan.
 
Besonders der Vergleich mit der Finanzwelt die die Erde jetzt ins Chaos gestürzt hat...
Was soll das? Hat absolut nicht miteinander zu tun. Da soll Angst geschürt werden, dass ein freies Internet ebenfalls eine derart große Krise auslösen könnte.

Und was man gegen die illegalen Seiten machen könnte wird doch von vielen Experten schon seit Beginn der Diskussion gesagt: Vom Server nehmen. Es stehen doch fast alle Server in Ländern wo der Mist verboten ist.
Warum tut der Autor dann so als würden alle sagen: Netzsperren nein aber ne andere Lösung haben wir auch nicht.
 
Urgs schrieb:
Das dürfte deine selektive Wahrnehmung sein, die diese Quintessenz daraus entnimmt.
Ich lese in dem Kommentar in erster Linie eine Analyse der hysterischen Reaktion der Internetgemeinde, auf den Gesetzentwurf. Der Entwurf an sich wird nicht oder kaum thematisiert, das wurde an anderer Stelle ausgiebig getan.

Ich denke mal, der Grund für die Reaktion im Internet liegt nicht daran, dass versucht wird, irgendwas gegen KiPo zu machen. Mal abgesehen von den Konsumenten wird wohl der Großteil aller User darin übereinstimmen, dass dieses Zeugs gelöscht gehört. Nur ist leider der Ansatz erwiesenermaßen völlig untauglich. Darüber hinaus ist die Argumentation der Regierung in keinem einzigen Punkt standfest. Es ist ein Konglomerat aus Unwissen und Populismus und obendrein haben sich schon dei Anzeichen gemehrt, dass die Sperre längst nicht nur bei der Bekämpfung von KiPo von Interesse ist. Erste Verbände haben schon den Wunsch nach der Sperrung von ausländischen Glücksspielseiten und Seiten der Marke Pirate Bay gefordert. Es wird nicht lange dauern, bis in dieser Wunschliste der Begriff "Killerspiele" auftaucht. Die deutsche Pornoindustrie hat auch schon versucht, Provider zur Sperrung ausländischer Seiten zu zwingen. Das ist ebenfalls eine Lobby, die dann früher oder später mit Extrawünschen anrücken dürfte. Irgendwann werden dann auch politische Einstellungen zur Sprache gebracht. Und wann genau haben wir dann chinesische Zustände?

Und natürlich sollte man nicht vergessen, wie das Ganze umgesetzt werden soll. Das Laienhaft hier tatsächlich eine Zensurbehörde ohne jegliche rechtsstaatliche Überwachung installieren will/wollte, grenzt schon an ziemlichen Hohn. Generalverdacht für Leute, die solche Seiten anklicken usw.

Nee ,ich denke, der Aufschrei der Internet-Community ist nicht annähernd laut genug gewesen. Wenn hier von Hysterie die Rede sein kann, dann nur auf Seiten der Offiziellen, die in ihrem Wahn, alles zu kontrollieren, mal wieder maßlos übers Ziel hinausschießen.
 
So dumm ist der Tagesspiegel Artikel nicht, wenn auch nicht ohne eine gewisse Übertreibung - aber dieses Stilmittel benutze ich ja angeblich auch hin und wieder mal. Es ist einiges Faul im WWW Land, ganz ohne Frage. Was dieser Artikel nicht berücksichtigt - und daran krankt imho der ganze Artikel letztendlich - ist das Zensursulas Stoppschild Kreuzzug in Rambo Manier eben nicht das passende Mittel ist, diese real existierenden Mißstände in Netz zu beheben.

Der Artikel kann nur bestehen, weil eben diese eine Debatte gerade so vehement geführt wird. Oder anders gesagt da heisst es: "Schaut mal, wie sich alle aufregen" - aber gleichzeitig verschweigt er, dass die Kritik an der Stopp Schild Polemik durchaus berechtigt ist, weil eben die Stopp Schilder komplett falsch aufgezogen sind und neues Übel bzw. den Mißbrauch der Stoppschilder auf mehreren Ebenen ringsum geradezu herausfordert. Der Artikel verleumdet damit in gewisser Weise auch die Motivation vieler, die sich gegen die Stopp Schilder in der jetzigen Ausgestaltung wehren.

Durch diese Nähe zur Stoppschild Debatte empfinde ich den Artikel wie eine Art Versuch, der Zensursula einen Persilschein auszustellen. Ja, der Tagesspiegel hat ja recht mit dem, was er da sagt - also müssen die Stopp Schilder auch gut sein?!

Die Anarchos und Pseudo-Kommerzkritiker, die meinen, im Internet muß alles erlaubt bleiben und jeder alles gratis bekommen, die gibt es und denen muss auch gezeigt werden, dass es auch im Internet Regeln gibt, die einzuhalten sind und man nicht straffrei mit Diebstahl, Sachbeschädigung, virtuellen "tätlichen" Angriffen, Verleumdung, Mobbing, Ehrverletzung, Hetze und Betrug davon kommen darf, nur weils eben "online" gemacht wurde. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum und das einfordern eines solchen rechtsfreien Raumes ist auch nichts weiter als Ignoranz, Egoismus, Verblendung oder maßlose Überheblichkeit.

Das Anspruchsdenken einiger Internet User, deren soziale Inkompetenz und fehlendes Unrechtsbewußtsein auf der einen Seite ist leider genauso schlimm wie die Ingnoranz, die veraltete Denke und Zensurlust der anderen Seite.

Insgesamt ein Thema, das es Wert wäre, diskutiert zu werden, aber so bei Zensursula aufm Trittbrett mitzufahren halte ich für unsachlich/falsch vom Tagesspiegel.
 
Der Artikel ist ursprünglich aus der Zeit und nicht aus dem Tagesspiegel. Und in der Zeit findest du ständig Artikel, die sich Pro oder Kontra zum Thema befinden. Z.B. findest du in der aktuellen Ausgabe, gleich neben diesem Artikel, den folgenden:

http://www.zeit.de/2009/23/Internet-Freiheit

Dort findet quasi eine Dabatte statt, über Wochen und Ausgaben und das ist halt ein Beitrag dazu. Es ist nicht so, daß in der Zeit nicht auch Artikel veröffentlicht wurden, in denen der Gesetzesvorstoß Zensursulars nicht auch als falsch und fehlerhaft gegeißelt wurde.
 
Ah.. ok, ich sehs.. Muss gestehen, dass ich Zeit bislang nur wenig gelesen habe.. Als Teil(aspekt) einer breiteren Diskussion ändert sich auch die Wirkung des Ganzen.

Aber an der These, nur weils im Netz zuweilen auch mächtig stinkt, sind Stoppschildern keine Lösung bleib ich trotzdem :-)
 
Was mich an dem Kommentar so stört, daß immer von "der" Internetgemeinde die Rede ist. Dabei gibts doch soviele unterschiedliche Meinungen selbst im kleinstem Forum. Ja selbst Befürworter der Stoppschilder tummeln sich im Internet.
Die Petitionserstellerin wird auch nicht als neue Jeanne d'Arc angesehen, wie er es so gerne darstellen möchte. Genausowenig wie dieses "Manifest". Noch nie davon was gehört.

Sicherlich sind einige Punkte richtig, wie die Gratismentalität oder der teilweise raue Umgangston, der auch mal in Beleidungen mündet. Aber man kann nicht mit einem großen Hammer auf eine angebliche einheitliche Internetgemeinde einschlagen und sagen, daß sie der Feind der Zivilisation ist.
 
Gravierende Einwände im Bundesrat gegen Kinderporno-Sperren

Im Bundesrat braut sich Widerstand gegen den umkämpften Gesetzesentwurf "zur Bekämpfung der Kinderpornografie in Kommunikationsnetzen" zusammen. So hat der federführende Wirtschaftsausschuss Ende vergangener Woche eine heise online vorliegende Empfehlung für eine Stellungnahme der Länderkammer beschlossen, wonach der Vorstoß noch "zahlreiche rechtliche und technische Fragen aufwirft". Die Bemühungen der Bundesregierung, der Verbreitung von kinderpornografischem Material im Internet "flankierend zur konsequenten Ermittlung und strafrechtlichen Verfolgung der Täter" entgegenzuwirken, seien zwar zu begrüßen. An der Durchführbarkeit des konkret vorgeschlagenen Wegs haben die Wirtschaftspolitiker aber genauso wie viele andere Experten massive Zweifel.

Vollständiger Artikel (heise.de)
 
Endlich wacht auch der Spiegel auf - hoffe die bringen das auch mal im Druckteil

Die Generation c64 schlägt zurück


Auch ein netter Vergleich daraus:
Und man stelle sich vor, eine Regierung versuchte heute, kurz vor einer Bundestagswahl, noch schnell ein Gesetz durchzupeitschen, das Folgendes vorsieht: Jedes Druckwerk, das in Deutschland erscheint, jede Zeitung, jedes Buch und jedes Flugblatt, muss künftig dem BKA zur Beurteilung vorgelegt werden. Das erstellt dann Listen mit Druckwerken, die zu übel sind, um publiziert zu werden. Geheime Listen.

Das Land wäre in Aufruhr.
 
SPD-Experte Wiefelspütz für Ausweitung von Internetsperren

Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz hat sich dafür ausgesprochen, die im Gesetzentwurf gegen Kinderpornografie vorgesehene Sperrung des Zugangs auf Internetseiten auch auf andere kriminelle Seiten auszuweiten. "Natürlich werden wir mittel- und längerfristig auch über andere kriminelle Vorgänge reden", sagte Wiefelspütz der "Berliner Zeitung". "Es kann doch nicht sein, dass es im Internet eine Welt ohne Recht und Gesetz gibt".

Er könne sich vorstellen, auch Seiten mit verfassungsfeindlichen oder islamistischen Inhalten zu blocken, sagte der SPD-Politiker: "Eine Zeitung darf ja auch keinen Mordaufruf veröffentlichen." Bislang plant die Regierung nur eine Blockade des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten im weltweiten Datennetz.

Bei der Union stießen die Äußerungen von Wiefelspütz auf Widerstand. "Ich halte es für richtig, sich erstmal nur mit dem Thema Kinderpornografie zu befassen, damit die öffentliche Debatte nicht in eine Schieflage gerät", sagte Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) der "Berliner Zeitung". Sein Fraktionskollege Laurenz Meyer (CDU) betonte: "Es geht uns ausschließlich um Kinderpornografie."

Quelle

Ja ja, der Wiefelspütz ... :vogel: Aber das es gerade bei der Union auf "Widerstand" stößt. :skep:
 
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