Ich glaube, er ist kurz aufgetreten, oder?
Bin mir nicht sicher.
Hier mein kleines Review:
Die Rache der Juden
Als treu sorgender Familienvater in der Elternzeit braucht man gelegentlich auch mal eine kleine Auszeit. Diese nahm ich mir heute Nachmittag, um mal schnell in die 16 Uhr-Vorstellung von Inglourious Basterds zu springen. Man gönnt sich ja sonst nix! Die darauf folgenden 2,5 Stunden gepflegte Nazijagd in der wunderbaren Kinowelt des Quentin Tarantino waren für mich Erholung pur.
Besorgt war ich ja schon ein wenig, nachdem ich als Berliner regelmässig über das Treiben am Set, des in Babelsberg und der Sächsischen Schweiz gedrehten Films, durch die Boulevardpresse informiert wurde. Til Schweiger und Daniel Brühl in einem Tarantinofilm? Das klingt bedrohlich nach 'nem cineastischen Supergau. Und welche deutschen Hackfressen sich da noch alles tummelten ...
Gemessen an meiner Euphorie, mit der ich das Kino wieder verließ, waren meine Befürchtungen defintiv unbegründet. Auf Tarantino ist halt doch Verlaß! Til Schweiger halte ich dennoch für ne Fehlbesetzung, allerdings für eine erträgliche, da er in seinen kurzen Auftritten überwiegend die Schnauze hält. Daniel Brühls kindlich-morbides Gesicht ordnet sich dagegen recht gut in den schmierigen Nazi- Charakterreigen ein, den Tarantino im Laufe des Films antreten lässt. Im ganzen läßt sich sagen, daß der Film nicht zufällig in Deutschland gedreht wurde, eventuell, weils hier billiger ist. Nein, Tarantino hat mit den Basterds auch einen Film über den deutschen Film gedreht und ihn vollgespickt mit Zitaten und Hinweisen, die auch viele Deutsche nicht immer verstehen werden, weil sie dafür einfach zu jung sind. So gesehen, ist es mehr als eine Geste gewesen, so viele deutsche Gesichter in den Film zu integrieren.
Die Geschichte an sich ist relativ dünn und vorhersehbar. Die Inglourious Basterds, eine amerikanische Spezialeinheit, die im besetzten Frankreich leidenschaftlich Jagd auf Nazis macht, kommen dabei fast schon etwas zu kurz. Dreh- und Angelpunkt des Films ist ein Kino, in dem Goebbels seinen Propagandafilm "Stolz der Nation" einer erlesenen Auswahl der Nazi-Elite präsentieren möchte. Ein Anlaß den nicht nur die Basterds nutzen möchten, um möglichst viele verhasste Judenmörder gleichzeitig in die Luft zu jagen. Auch eine getarnte Jüdin, deren Familie vor drei Jahren ermordert wurde, sinnt nach Rache.
Tarantino reicht das als Rahmen für einen Film, mit dem er auf märchenhafte wie kluge Weise einfach die Geschichte des 2. Weltkriegs umdichtet. Das Kino als Ort, der die Realität in ein schöneres und besseres Licht zu rücken vermag. Die explosive Rache der Juden an die Nazibande bildet in Inglourious Basterds deswegen ein exorzistisches Finale, das mir ein gnadenlos fettes Grinsen ins Gesicht knetete und mich am Ende begeistert applaudieren ließ.
Zwischendurch gibt es auch ein paar Längen zu bewältigen, so zum Beispiel das komplette Kapitel 4, das in einer Kellerkneipe angelegt ist und vor langen Dialogen nur so strotzt. Es ist offensichtlich, dass Tarantino hier ganz bewusst mit der Erwartungshaltung der Zuschauer spielt. Man sehnt den Showdown dringend herbei, Tarantino hält ihn auf absurde Weise zurück, schiebt einen wahnwitzigen Dialog nach dem anderen nach, bis schliesslich und endlich die Revolver gezückt werden und ein Gemetzel mit überraschenden Ausgang anrichten. Bei genauerer Betrachtung ist diese Herangehensweise jedoch charakteristisch für Inglourious Basterds.
Glourious, das ist lediglich der Held des Propagandafilms "Stolz der Nation". Er (Daniel Brühl) steht oben auf dem Turm und killt zur Freude Hitlers 300 Feinde im Alleingang. Von den Helden des eigentlichen Films kommt niemand auf diese Weise zum Höhepunkt. Lediglich die stummen Protagonisten aus der zweiten Reihe der Basterds haben das stille Vergnügen, ihre Schnellfeuerwaffen in den im Kino gefangenen Nazimob reinzuhalten. Tarantino verzichtet bewusst auf eine kinotypische Heldenverehrung. Die Jüdin zelebriert ihre erotische Vorfreude auf den Racheakt und wird kurz davor zur Strecke gebracht. Brad Pitt ist zum Höhepunkt des Films zur Handlungsunfähigkeit verdammt und muß den Ort sogar verlassen. Sie alle haben nur die gemeinsame Vorarbeit geleistet, ausführender Produzent der Rache der Juden ist das Kino selbst. Und wie diese Rache vollzogen wird, ist einfach wunderbar. Die ganze Nazi-Elite stirbt als dreckiger Mob, der keine Chance hat. Genau wie die Juden in den Konzentrationslagern. Das hat man so noch nicht gesehen auf der Leindwand und wirkt regelrecht erleichternd und befreiend. Befreiend von der ganzen Nazi-Dämonisierung, die auch das deutsche Kino mitzuverantworten hat. Es ist Tarantinos Genie, das selbst Hitler und Goebbels eiskalt und nebensächlich im Kugelhagel zerfetzen lässt. Kein großer Abgang, es sind die gleichen kranken Dreckskerle wie alle anderen auch und sie haben auch im Tod nicht mehr Aufmerksamkeit verdient.
Das Tarantino der deutschen Filmwirtschaft diesen Blickwinkel geschenkt hat, ist ihm hoch anzurechnen. Seine Liebe zum deutschen Film wird ja an vielen Stellen des Films deutlich sichtbar. Bleibt zu hoffen, dass unseren Filmschaffenden etwas daraus lernen.
Fazit:
Inglourious Basterds ist ein grandioser Gute-Laune-Film, mit herrlich befreiend in Szene gesetzter Gewalt gegen Nazis. Brad Pitt als antifaschistischer Skalpjäger ist schon jetzt legendär, genauso wie Christoph Walz, in der Rolle des durchtriebenen SS-Judenjägers, als nationalsozialistischer Filmbösewicht Maßstäbe setzt.
Ein Film, den man sich unbedingt auf großer Leinwand geben sollte!