Die Wege des Herren sind unergründlich. Vor noch nicht allzu langer Zeit schlug ich mir die Abende mit meinem Schwager um die Ohren, wir spielten mit Begeisterung Need for Speed, dazu literweise billigen Energy-Fusel aus dem Discounter und faule Sprüche, mehr als nervige Mücken an einem lauen Sommerabend. Wir entdeckten zusammen Gran Turismo und wo er der Vollgas-oder-gar-kein-Gas-Fraktion fröhnte, hatte ich das unglaubliche Glück hier ein paar tapfere Mannen um mich scharen zu können, was im seligen Hitwoch mündete und welcher ein Spassgarant für jedes Bergfest darstellte. An dieser Stelle ein grosses, grosses Dankeschön an die Hitwoch-Jungs.
In der Zwischenzeit habe ich mich, unschwer zu erkennen, immer mehr für die entsprechende Hardware zu interessieren begonnen und mit dem Wissen, dass mit einem Blick über den Konsolen-Tellerrand noch so vieles mehr möglich ist, habe ich mich in einer kalten Winternacht dazu entschieden, die lange, steinige und anstrengende Reise Richtung PC anzutreten.
Auf dem Weg dahin habe ich mehr übers Fluchen als übers Fahren gelernt, aber getroffen habe ich die Pilsbierbude, von der ich mindestens der weltgrösste Fan bin, wie auch RRRE, welches mir ein paar Taler aus der Tasche gezogen hat (die möchte ich bei Gelegenheit wieder zurück!) und Assetto Corsa, welches in Kurven mehr am Lenkrad rüttelt als die Teile, welche in der hinteren Ecke bei Müller mit einem Tuch abgedeckt sind!
Mit Marco, wil und kelle habe ich Freundschaften geschlossen, die weit mehr Auflösung als 1080dpi darstellen, bei virtualracing.org habe ich gelernt, dass es praktisch nichts gibt, was sich technisch nicht umsetzen lässt, wenn man nur die Fähigkeiten dazu hat. Ich habe gelernt, dass dies ein Hobby ist, welches nicht jedermann/-frau (!) ohne Stirnrunzeln goutiert und ich wurde darin bestätigt, dass es immer mindestens (1485)1 Fahrer gibt, der schneller ist als man selber!
Das Wichtigste aber; ich habe nach wie vor einen Heidenspass an dem ganzen Zirkus und kann Sam für sein Bestreben mir die virtuelle Racing-Welt näher zu bringen nicht genug danken. Danke, alter Mann!
Nun … da mittlerweile (fast) alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, welche sich mit meiner Ehe und dem Dispo vertragen, heisst es nun, sich aufs Essentielle zu beschränken. Das Fahren. Als weltgrösster Fan der Pilsbierbude waren die vergangenen Rennen das mitunter intensivste, was ich in der Symbiose von Hardware und Software erleben durfte. Nichtsdestotrotz gibt es selbst hier technische und fahrerische Einschränkungen, die mich iRacing nochmals haben genauer unter die Lupe nehmen lassen.
Kurz; iRacing hat bei mir eingeschlagen wie eine Bombe!
Die Idee und Umsetzung, sich vom Rookie alleine durch die Fähigkeiten auf dem Track nach oben arbeiten zu können/müssen, in der Konzentration und dem Auseinandersetzen mit ganz wenigen, spezifischen Wagen ist absolut fantastisch! iRating und das safety Rating sorgen dafür, dass nicht versucht wird, das Rennen in der ersten Kurve zu gewinnen, sondern hier wird in Hinblick auf den eigenen Leistungsausweis Mann gegen Mann gekämpft, nicht eben zimperlich, aber so fair, wie es ohne das mathematisch ausgeklügelte System nicht möglich wäre.
iRacing lässt immer Fahrer gegeneinander antreten, die ungefähr den gleichen Leistungsstand aufweisen. Hier gibt es kein Vorpreschen der alten Bekannten und das Gängeln um die goldene Ananas. Jeder im Grid hat die Chance auf eine gute Platzierung. Und jedem wird durch das Safety Rating die Pflicht auferlegt fair, besonnen und konzentriert zu fahren, will man sich nicht die Punkte versauen und so einen möglichen Aufstieg in die nächsthöhrer Klasse zu versemmeln.
Practice, Quali, Rennen sind zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich! Kein Arrangieren des Familienlebens um eine bestimmte Uhrzeit, damit der Alte Pixel über die Fahrbahn schieben kann.
Qualität hat seinen Preis. Mit 11 Dollar pro Karre und 99 Dollar Jahresbeitrag ist das eben nicht wenig. Und trotzdem ist es mir nach wie vor ein Rätsel wie eine so unglaublich ausgeklügelte Infrastruktur eines Nischenproduktes so immens viele Anhänger hat. Irgendetwas macht iRacing also richtig. Und mittlerweile weiss ich auch was!
Vollgas war gestern! Der Energy-Fusel ist noch derselbe. Aber der Fahrspass ist ein anderer. Böse Zungen behaupten, er wäre trocken, puristisch, langweilig … Ich meine; it's Sim-Racing!
Ergebendst
indierocker