GameAndWatch schrieb:
Kannst du ruhig für eine Ausrede halten. Spielspaß bleibt dennoch eine subjektive Sache. Simple as that.
Jup. Und rein subjektive Geschichten werden u.a. auch von der Tageslaune beeinflusst. Ein Spiel, was dir an Tag X Spaß macht, macht dir an Tag Y keinen Spaß, weil dir da gerade irgendwas die Laune verhagelt hat. Hat das was in einem professionellen Review zu suchen? Imo nicht. Und gerade deswegen sollte man als beruflicher Tester schon dafür sorgen, dass das eigene Review auf argumentativ festen (=objektiven) Füßen steht.
Auch das funktioniert nicht immer objektiv. Der eine mag die Kamera bemängeln bei einem Shadow of the Colossus weil sie zu unübersichtlich ist, der andere mag sie besonders weil sie besonders filmreife Winkel sucht. Genauso wie die einen sagen das Pferd lässt sich scheiße kontrollieren und andere sagen endlich mal ein Pferd das natürlich reagiert. Sorry, aber so einfach wie das aufrechnen verschiedener Parameter ist das nun mal nicht.
Diese Dinge schließen sich ja nicht gegenseitig aus. Eine Kamera, die um cineastische Bilder bemüht ist, dabei aber Unübersichtlichkeit im Gameplay fabriziert, ist objektiv zunächst mal ein negativer Punkt, denn es wird das Kernelement des Spieles negativ beeinflusst (man sieht nicht, wo es langgeht, man wird von Gegnern aus dem Off attackiert etc.). Subjektiv kann man das Gezeigte natürlich toll finden. Aber das ändert nix an dem Fakt, dass das Gameplay unter der Kamera leidet. Fragt sich dann nur, wie sehr es leidet. Sind das nur gelegentliche Aussetzer oder kriegt man es permanent von der Kamera besorgt? Kann der User evtl. gegensteuern? Lässt sich alles sachlich prüfen und festhalten.
Mit dem Pferd ist es das Gleiche. Natürlich kann man subjektiv auf ein "echtes Feeling" stehen oder eben wollen, dass das Pferd wie ein Auto reagiert. Objektiv lässt sich aber ziemlich genau festhalten, ob man wegen dem Verhalten alle naselang am Baum abgestreift wird, oder ob das Pferd eben gut spielbar ist.
Fakten und Infos zum Spiel haben aber nichts mit der Bewertung am Ende zu tun.
Fakten und Infos sind die einzige Möglichkeit, ein Spiel im Vergleich zu anderen Titeln so einzuordnen, dass eine große Zahl an Lesern was damit anfangen kann. Und das sollte doch irgendwo der Sinn einer Games-Seite sein, oder? Wenn ein Leser den Test zu Spiel X liest, dann will er u.U. auch wissen, was die Seite über Spiel Y zu sagen hatte, da ihm das sehr gefiel und es dem Spiel X sehr ähnlich ist. Auf die Art kann er Spiel X besser einordnen. So ein Vergleich nützt aber nur dann was, wenn die Reviews möglichst viele Fakten aufweisen. Wenn sie dagegen nur nach Tageslaune verfasst werden, nützt das einem Leser nicht das Geringste. Dann sieht er nämlich nicht, wie Spiel X im Vergleich zu Spiel Y steht. Er sieht nur, wie der Tester an zwei verschiedenen Tagen drauf war.
Man kann es stilistisch anders machen. Komischerweise hat selbst Sega bei einem Besuch den Vergleich zu Lost Planet herangezogen. Aber was wissen die schon über ihr Spiel.
Natürlich kamen die roten Schwachstellen schon woanders vor. Und wenn es LP war - auch gut. Nur definiert dieses Feature Vanquish eben nicht und schon gar nicht nimmt es ihm die Eigenständigkeit. Diese erlangt es über ganz andere Dinge.
Genau das willst du ja nicht einsehen, dass jemand das eventuell nicht so gut findet.
Das sehe ich sogar voll und ganz ein. Nur hat das eben in einem guten Review vordergründig nix zu suchen. Das kann man dann liebend gern in den persönlichen Meinungskasten ans Ende packen. Was direkt ins Review gehört, ist eine Analyse der Gameplayfeatures, ihr Zusammenspiel und ihre Ausführung. Und da brilliert Vanquish - subjektive Vorlieben hin oder her.
Der erste große Schritt hin zu wirklich brauchbaren Reviews ist die persönliche Distanzierung von "Was finde ICH geil?" und das Aufwerfen der Frage "Was will das Spiel und wie setzt es das um?" Sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe, die trotzdem von einem Tester gut berücksichtigt werden können.
Es wird bei einem Test aber nicht gemessen wie schwer etwas programmiertechnisch umzusetzen ist sondern wieviel Spaß es macht. Bei einem Film interessiert mich auch nicht wieviele Leute im Hintergrund beschäftigt waren wenn das Ergebnis einfach langweilig war. Das wissen darüber wie schwer etwas realisierbar war oder nicht hat keinen Einfluss auf das Endprodukt.
Es geht nicht um den Aufwand, den irgendwer irgendwo reingesteckt hat. Das ist tatsächlich völlig irrelevant, denn es wurde schon mit einem Mörderbudget der größte Käse fabriziert. Es geht schlicht um den Fakt, dass das Gameplay bei Vanquish nahezu fehlerfrei ist, was heutzutage höchstselten vorkommt.
Frage: Was empfindest du als besser?
1) Mit Kaffeesatz, zwei Würfeln und einer halben Stunde Meditation festlegen, ob ein Spiel 81%, 82% oder 83% bekommt.
2) Schlicht und ergreifend in einem Review faktisch festhalten, dass Spiel X ein ausgefeiltes und nahezu makelloses Gameplay bietet und dann in einer persönlichen Randnotiz anmerken, dass du TROTZ dieses Umstandes nicht deine beste Zeit mit dem Titel hattest, weil dir das Konzept nicht unbedingt liegt?
Das ist imo das, was User wollen, die Reviews auf Gameswelt oder anderswo anklicken. Sie wollen wissen, was das Spiel zu bieten hat und nicht, was EIN Mensch davon hält. Ich meine, du (und nicht nur du - andere wie 4players haben die Subjektivität ja gleich mal zum Nonplusultra erkoren und suhlen sich in ihrem subjektiven Gottkomplex) erhebst hier ausgerechnet DIE EINE Sache, die nun wirklich jeder Mensch anders empfindet zum ultimativen Testkriterium.
Ihr habt viele viele Leser, denen ihr quasi mit euren Reviews Kaufentscheidungen liefert (und längst nicht alle davon lesen auf etlichen anderen Seiten auch Reviews, spielen Demos etc.). Und dann nimmst du deinen persönlichen Spielspaß vom Dienstag Nachmittag, packst eine Wertung drunter und sagst "Hier bitte - unser TEST". Das kann's doch nun wirklich nicht sein, oder? Wenn Stiftung Warentest auf die Art verfahren würde, dann hätten die schon längst dichtmachen können.