Ist euch allen dieses Blutgespritze und Köpfeplatzen echt so wichtig?
"Geschmackssache"... mir persönlich geht`s bei einem RPG um andere Dinge. Deshalb bin ich gestern einfach in den MM marschiert und hab mir die dt. Version gekauft.
Hab jetzt ca. 3 Stunden hinter mir. Man merkt schon an der Anleitung und an der Charaktergenerierung, dass da die Oblivion-Entwickler am Werk waren. Jeder vergebene Attributs- und Skillpunkt will wohl überlegt sein und überfordert jeden Neuling mit Sicherheit. Schwieriger wird das Ganze auch noch dadurch, dass es keine vorgefertigten Klassen wie Dieb oder Nahkämpfer gibt. Man muss sich also alles selber zusammenbasteln.
Der größte Vorteil, das unverbrauchte Setting und die Abkehr vom Fantasy-Einheitsbrei, war für mich am Anfang auch zugleich ein großer Nachteil. Durch all die neuen Fähigkeiten wusste ich gar nicht so recht, was später im Spiel wirklich wichtig sein wird und was nicht. Es gibt ja jetzt nicht mehr die übliche Fokusierung auf Krieger, Bogenschütze und Magier. Ich hatte erst die Befürchtung, dass man gezwungen ist, hauptsächlich seine Waffenskills zu leveln, und dass schleichen, Nahkampf, Schlösser knacken usw. nur noch unnötiges Beiwerk sein wird.
Aber gleich das Tutorial hat dann gezeigt, dass diese Befürchtung unbegründet ist. Zwar wurde man da auf einem fest vorgegeben Pfad entlang geführt, aber auch hier waren schon verschiedene Herangehensweisen möglich. Aus der Pistole, die ich am Anfang in die Hand gedrückt bekommen habe, habe ich wärend des Tutorials keinen einzigen Schuss abgegeben.
Am ersten Wachposten habe ich mich komplett vorbeigeschlichen. Beim zweiten war ich dann schon mutiger und habe ich mich von hinten herangeschlichen und mich davon überzeugt, dass man tatsächlich mit einem einzigen unerwarteten und "aufgeladenen" Schlag ausschalten kann (Gibt sogar noch die Unterscheidung zwischen komplett waffenlosen Kampf und Nahkampfwaffen).
Auch wenn man vom Gegner entdeckt wird, macht es aber Sinn, manchmal mit den Fäusten oder dem Knüppel zu agieren, statt gleich mit der 10mm (z.B. um Mun. zu sparen, oder um keine weiteren Gegner anzulocken). Ist man nah genug dran und benutzt das (wie ich finde genial taktische) V.A.T.S., kann man mit 2 oder 3 schnellen Schlägen sogar einen Gegner mit Schusswaffe lautlos ausschalten. Also zumindest das Kampfsystem fand ich während des Tutorials schon mal sehr ausgeglichen.
Wie gut später mal Skills wie Sprengstoff, Computer hacken oder Schlösser knacken in das Spiel eingebaut wurden, muss sich noch zeigen.
Am Ende des Tutorials kann man übrigens zum Glück nochmal alles an seinem Charakter ändern, was einem im bisher gestört hat.
Meine ersten Schritte vor dem Bunker waren dann sofort wieder vom typischen Oblivion-Feeling geprägt: Gehe ich erst in die Ruinen der Kleinstadt zu meiner Linken, die sofort den Erkundnungsdrang anspricht, oder gehe ich in die Ödnis, in die das Questtagebuch mich schicken will, da dort irgendwo Hinweise auf den Vater warten?
Ich hab mich für die Kleinstadt entschieden. Was in den zerstörten Straßenzügen optisch und athmosphärisch auf einen wartet, sucht seines Gleichen! Ich fang jetzt gar nicht an, die Details beschreiben zu wollen. Gegner warteten dort allerdings noch keine auf mich. Das änderte sich aber schlagartig, als ich mich entschlossen habe, die alte Grundschule der Stadt zu betreten und zu durchsuchen. Dort hatte sich nämlich eine Bande Endzeitpunks (Raiders) eingenistet, die ich einen nach dem anderen ausgerottet habe.
Bereits diese Schule hat mich, abseits jeder Hauptquest, über eine Stunde beschäftigt. Belohnt wurde ich mit einer kräftigen Aufstockung meines Munitions- und Medikamentenvorrates, dem Erhalt meines ersten vollautomatischen Sturmgewehrs und mit jeder Menge taktischer Kämpfe. Greift einen ein starker Gegner, oder mehrere Gegner gleichzeitig an, sollte man sich wohl überlegen, wie man vorgeht. Die Actionpoints zum Agieren mittels V.A.T.S. sind rar. 3 bis 4 Schuss kann man so anfangs abfeuern, dann muss man einige Sekunden warten, bis sich die Punkte regeneriert haben. Sekunden, die man nicht hat.
Bislang habe ich nur an der Oberfläche des Spiels geskratzt. Deshalb spare ich mir erstmal jegliches Urteil. Aber was Bethesda da zu Stande bekommen hat, wirkt für mich auf die eine Art so angenehm vertraut und auf die andere Art so erfrischend neu, dass mir gar nichts anderes übrig bleibt, als nach den ersten Stunden total euphorisiert zu sein. Kaufen! Egal welche Version!!