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Eine Rezi aus meinem alten Blog, die es meines Erachtens nach extrem gut trifft:GPLegend schrieb:Was hatte ich mich damals auf Miami Vice gefreut und dann kommt da so eine langweilige Grütze bei raus.
Grellfarbene Pastellanzüge, coole Sprüche und schnelle Autos. Eine Kombination, die in den 80er Jahren ihre Wurzeln findet und vor gut 20 Jahren voll im Trend lag. Ausschlaggebend für diesen eher eigenwilligen und kreativ bescheidenen, aber weitaus gewagten und coolen Auftritt ist "die" Fernsehserie dieser Zeit, die bei den TV- Zuschauern einen großen Anklang fand und vielen heute kultiger erscheint denn je- Miami Vice. Don Johnson und Philip Michael Thomas, Darsteller der Protagonisten Sonny Crockett und Ricardo Tubbs der Originalserie, durften unter Leitung Thomas Carter und Neil Gordon, die als Regisseure fungierten und unter der Fuchtel des ausführenden Produzenten Michael Manns, als verdeckte Ermittler auf Verbecherjagd gegen Waffenschmuggler, Drogenhändler und Geldwäscher gehen.
In Hollywood ist die Welle der Filmrecycling schon lange ausgebrochen. Ob man asiatische Filmproduktionen neu verfilmt und amerikanisiert ("Departed- Unter Feinden") oder man eine TV- Serie für die große Leinwand adaptiert ("Verliebt in eine Hexe"), ist mittlerweile salonfähig geworden, auch wenn das Endresultat meist zu Wünschen übrig lässt. Demnach war es nur eine Frage der Zeit bis man sich entschließt "Miami Vice" für die angesagten Lichtspielhäuser zu inszenieren. Um den Charme der Serie wieder einfangen zu können, nahm sich ein Filmemacher "Miami Vice" zur Herausforderung, der schon vor 20 Jahren als ausführender Produzent für die Serie gedient hat. Der in Chicago geborene Regisseur Michael Mann, der mit "Heat" und "Collateral" Blockbuster für die Ewigkeit inszenierte und sich schon vor langer Zeit ein Namen als renommierter Filmemacher machte, schaffte es "Miami Vice" ins 21. Jahrhundert zu transportieren.
Auch im Kinofilm gehen die Undercoverpolizisten in Miami auf Verbrecherjagd und lassen keine Chance aus den Drogen- und Waffenschmuggelsyndikaten Einheit zu gebieten. Im Miami ist ein großes Geschäft zwischen dem Drogenbaron Arcángel de Jesús Montoya und einer Gruppe nationalsozialistischer Brüder im Gange. Nachdem das FBI sich in diesen Deal einschleusen wollte, um Insiderinformationen zu erhalten und dem Drogengeschäft auf die Schliche zu kommen, kamen dadurch drei verdeckte Ermittler ums Leben. Um diese Morde aufzuklären und dem Drogengeschäft einen Strich durch die Rechnung zu machen, geben sich die Cops Sonny Crockett und Ricardo Tubbs als Drogenschmuggler unter den Spitznamen Sonny Burnett und Rico Cooper aus und versuchen so tief wie möglich in die Nähe des kolumbianischen Drogenbarons Montoya zu kommen. Ein Deal mit besagtem scheint perfekt, doch das Vertrauen beider Parteien leidet unter Skepsis. Vor allem Yero, Mittelsmann Montoyas, ist sich sicher, dass Sonny falsch spielt und versucht seine Behauptung spätestens als Sonny und Montoyas Geschäftspartnerin Isabella eine Affäre anfangen, seinem Chef zu verdeutlichen.
Das Drehbuch ist nicht der tragende Punkt des Films. Eine Geschichte, die so auch in der Serie in verkürzter Form oder über mehrere Folgen, hätte passieren können, und nebenbei dem Ende der dritten Staffel der TV Serie angepasst wurde. Es ist dabei, was dabei sein soll. Die Charaktere haben ihren Charme von damals nicht verloren, wenn sie auch nicht mehr ihre Pastellfarbenen Armanianzüge tragen, bleibt die Coolness, die sie vermitteln, dieselbe. Es ist der Stil, der im Film transportiert wird. Das Drehbuch ist kein Meisterwerk, sondern beinhaltet spritzige Dialoge, gut dosierte Action und eine Liebesgeschichte, die die Charaktere menschlicher erscheinen lässt. Der Fokus liegt klar auf den Charakteren Sonny Crockets und Ricardo Tubbs´ als auch auf die von Michael Mann gewohnt hervorragende Inszenierung und der tollen Atmosphäre, die durch die Visualisierung zustande kommt. Wie auch schon in "Collateral" kommt hier eine Kombination aus Digitalkameras und herkömmlichen Panavision Kameras mit 35 mm Filmmaterial. Der Zuschauer fühlt sich dank dieser Filmtechnik und durch die verwackelte Kameraführung von Oscarpreisträger Dion Beebes mitten im Geschehen. Die intensive Visualisierung funktionierte so auch schon in "Collateral" und unterstützt die Atmosphäre ungemein. Drehorte waren neben südamerikanischen Ländern auch Südflorida und das meist bei Nacht. Michael Manns Faible für Metropolen bei Nacht zeigt sich auch in "Miami Vice". Seine beiden Protagonisten erscheinen am Anfang des Films unter dem Licht, der in ihren Rücken liegenden Skyline Miamis. Ein Gefühl von Bildgewaltigkeit lässt sich bei Manns Inszenierung nicht leugnen. Was die Action anbelangt, ist Mann seiner Linie treu geblieben. "Miami Vice" ist ein waschechter Thriller mit Actionsequenzen, die man als Zuschauer so real nur bei Mann sieht. Die Schießerei zwischen Al Pacino und Robert DeNiro in "Heat" ist kaum zu überbieten, doch auch in seinem aktuellsten Projekt ist es ihm gelungen, eine sehenswerte Schießerei zu erleben. "Miami Vice" nimmt sich möglicherweise ernster als gewollt, was dem Film jedoch nicht zu Schaden kommt. Die Kombination aus ernster Action, fetzigen Dialogen, coolen Charakteren und einer gewollt intensiven Visualisierung transportiert "Miami Vice" ins neue Jahrtausend. Der Vergleich ist schwer herzustellen, da der Stil der Serie und somit dieser Zeit nicht mit heute vergleichen lässt. Der Charme und die Atmosphäre wurden so eingefangen wie sich das als Cineast wünscht.
Michael Mann leistet sich auch bei der Wahl seiner Besetzung keine Blöße, auch wenn diese Aufgabe eine große Herausforderung darstellte. Denn Don Johnson und Philip Michael Thomas machten die Serie zu dem was sie heute ist. Anhängern einer Serie fällt es immer schwer, wenn die Darsteller der Protagonisten sich ändern, zumal ja nicht der Cast innerhalb der Serie geändert wird, sondern im Film eine neue Besetzung stattfindet. Die Erwartungen auf Michael Manns Entscheidungen lagen immens hoch. Seine Wahl für die Besetzung des Draufgängers James Sonny Crockett fiel auf Hollywoodbeau und -rebell Colin Farrell. Verblüffend sind dabei nicht nur die Ähnlichkeiten der beiden, sondern auch deren Mimik. Farrell schafft es ideal seiner Rolle ein Gesicht zu geben und den coolen, nicht lang fackelnden Cop zu mimen. Er und sein Filmpartner und Oscarpreisträger Jamie Foxx ergänzen sich prima. Rico Tubbs ist, was die Charaktereigenschaften angeht, das ganze Gegenteil von Crockett. Er ist der Familienmensch, eher ruhig und denkt bevor er handelt. Jamie Foxx, der schon in "Collateral" für Michael Mann ins Rennen gegangen ist, spielt gekonnt gut, verblasst aber etwas neben Farrell, was aber auch an der Rollenverteilung liegt, da ihm seine Rolle nicht die Möglichkeit gibt, groß aufzutrumpfen. Gong Li ("Die Geisha") spielt die Rolle der undurchschaubaren Geschäftspartnerin Montoyas unerwartet gut.
Man darf "Miami Vice" nicht als TV- Serie in Spielfilmlänge sehen, sondern als eigenen Thriller, der den Charme und den Stil der Serie auffängt und ins neue Jahrtausend transportiert. Michael Mann schaffte es einen ernsten Film mit coolen Dialogen und ebenso coolen Charakteren, einem durchschnittlichen Drehbuch, dass jedoch das bietet was man als Zuschauer erwartet und einer Atmosphäre, die dank der sehenswerten Visualisierung, den Zuschauer fesselt.
Wertung: 9/10



