2004 Matura (für die Deutschen: "Abitur") mit "ausgezeichnetem Erfolg" (= Notenschnitt unter 1.5)
2004/2005 Bundesheer (für die Deutschen: "Bundeswehr")
2005 bis 2012 Studium der Rechtswissenschaften ("Jus", für die Deutschen: "Jura")
Da das Studium ein zentraler Baustein meines Werdegangs war, ein paar Gedanken dazu. Dieses Studium wollte ich schon während der Schulzeit immer machen. Der Berufswunsch Jurist war bei mir konsistent immer gleich, was m.E. schon extrem viel wert ist, wenn man sich nicht unsicher ist, was man einmal beruflich machen will. Nachdem auch festgestellt worden ist, dass das sprachlogische Denken genau der Intelligenzbereich ist, der bei mir deutlich überdurchschnittlich stark ausgeprägt ist, war ein Studium bei dem Sprachlogik extrem wichtig ist, wohl auch aus dieser Perspektive eine sehr gute Wahl.
Nun zur Studiendauer: Ich hab 14 Semester studiert und mit 26 das Studium abgeschlossen. Die sogenannte Mindeststudiendauer war 8 Semester, also deutlich weniger. Nun ist es aber so, dass nur eine minimale Anzahl von Leuten das Studium wirklich innerhalb dieser 8 Semester abschließt. Zum Zeitpunkt zu dem ich abgeschlossen hab, war die durchschnittliche Studiendauer ca. 14 Semester, also ziemlich genau so lang, wie ich gebraucht hab. Hätte ich schneller abschließen können? Absolut. In manchen Semestern hab ich kaum Prüfungen gemacht, sondern nur gezockt: Halo, Elder Scrolls Oblivion und einige andere große Titel der Jahre 2005 bis 2012. Ich bin tatsächlich dieser eine Typ der während der Strafrechtsvorlesung im Hörsaal Phoenix Wright: Ace Attorney gezockt hat.
Bereue ich, nicht schneller studiert zu haben, obwohl ich es locker gekonnt hätte? Kein Stück. Mir tun eher die Leute leid, die von 18 bis 22 in Mindestzeit studiert haben und dann die 5 Jahre Ausbildungszeit zum Rechtsanwalt bis 27 runterreißen um dann mit 27 oder 28 Rechtsanwalt zu sein. Die verschwenden m.E. Jahre die richtig cool sein können großteils im Büro. Klar erhöhen diese Leute damit die Chance auf ein insgesamt höheres Lebenseinkommen, aber ich bin halt zum Glück auch durch einen finanziell guten familiären Hintergrund abgesichert, deswegen war mir das halt nie wichtig, so schnell wie möglich so viel wie möglich zu verdienen. Dass das eine privilegierte Position ist, ist mir bewusst.
Damals mit 26 hab ich mir gedacht, dass ich zu lange gebraucht hab, jetzt mehr als 10 Jahre später lache ich über meine damalige Einstellung.
2012 bis 2016:
Ich hab dann ein paar Jahre als Assistent auf der Uni (in Lehre und Forschung) gearbeitet nach meinem Abschluss (wieder wenig Geld, aber viel Freizeit) und bin dann 2015/2016 mit einem Fulbright Stipendium an eine sehr gute law school in die USA gegangen und hab dort einen LL.M. ("Master of Laws") gemacht (und hab in meiner Freizeit Halo 5 gezockt, wenn ich nicht grad New York City erkundet hab).
2016: Anwaltsprüfung in New York, einfach weil ich die Chance dazu hatte.
2017: Zulassung als Attorney in New York State, USA
Ich wollte mir die Chance offen halten, vielleicht bei einer großen law firm in New York City als Anwalt zu arbeiten.
2017 bis 2020:
Bin dann im Prinzip wieder auf meinen alten Posten zurück als Assistent auf der Uni, hab in den Jahren auf der Uni noch nebenher zwei weitere Qualifikationen gemacht.
2018: Anwaltsprüfung im UK und dadurch Zulassung zum Solicitor im UK
2019: Eignungsprüfung zum Rechtsanwalt in Österreich bestanden
2020 bis 2022:
Ich war weiterhin auf meinem mittelmäßig bezahlten Assistentenposten auf der Uni, hatte aber mehrere Probleme: Meine Frau und ich wollten ein Kind und deswegen wollte ich mehr verdienen, abgesehen davon war ich inzwischen schwer unterfordert und das hat mir auch nicht gut getan, auch weil ich das Gefühl gehabt habe, dass ich irgendwie schon mein Potenzial verschwende in diesem Job. Obwohl mir die Lehre (also die Abhaltung von Kursen und Seminaren in denen ich Studierende unterrichtet hab) immer sehr gut gefallen hat.
Als dann 2020 eine Ausschreibung war für ein Auswahlverfahren für Beamte der Europäischen Union hab ich mich halt beworben und mir vorgenommen, mich auf jede Runde des Verfahrens sehr gut vorzubereiten. Genau das hab ich auch gemacht und war schlussendlich erfolgreich. Allerdings hat das Auswahlverfahren wegen der Pandemie von 2020 bis 2022 gedauert, mit insgesamt drei Runden (Intelligenztest, Fachtest, Assessment Center - dieses Assessment Center beinhaltete nochmal z.B. Präsentationen vor einer Auswahlkommission, einen zweistündigen schriftlichen Test etc.).
2022 hab ich einen Job als Jurist im Wirtschaftsministerium (unbefristet, Vertragsbediensteter) in Wien bekommen. Da hatte ich mich beworben, weil mein befristeter Vertrag an der Uni dem Ende zuging und ich einen Job gebraucht hatte. Dort war ich allerdings nicht lange, weil dann eben mehr oder weniger genau zeitgleich die Ergebnisse vom EU-Auswahlverfahren da waren und ich es geschafft hatte, auf die Liste der erfolgreichen BewerberInnen zu kommen.
Dezember 2022 bis heute:
Beamter der Europäischen Union (Jurist bei der Europäischen Kommission). Könnte beruflich kaum glücklicher sein: Interessantes Gebiet, fachlich spannend, super Team, kompetitives Gehalt, gute Work/Life Balance, bombensicherer Job ("Beamter auf Lebenszeit") und großartige Möglichkeiten mich weiter zu entwickeln (ich darf mich in jede andere Generaldirektion bewerben, das wird sogar gefördert, oder sogar zum diplomatischen Dienst etc.). Meine Frau und ich überlegen uns z.B. ob wir in ein paar Jahren versuchen sollen, zur diplomatischen Delegation in Bangkok zu kommen, weil wir Thailand sehr cool finden und vielleicht gerne noch ein paar Jahre im Nicht-EU-Ausland leben würden. Ein lieber Kollege von mir arbeitet momentan in der EU Delegation in Kiew, Ukraine (dorthin darf ich mich aber nicht bewerben, sagt meine Frau.

) Damit will ich nur sagen, dass es ein Aspekt von meinem Job ist, den ich echt toll finde, dass ich halt weiß, dass ich nicht fast 30 Jahre bis zur Pension (für die Deutschen: "Rente") genau die selbe inhaltliche Arbeit machen muss, wenn ich das nicht will, sondern eben sehr wohl zu ganz anderen Gebieten wechseln kann. Alleine zu wissen, dass man diese Option hat, ist m.E. extrem viel wert.
Was lernen wir daraus? Ich persönlich würde sagen, dass wenn man was lernt bzw. studiert das einem wirklich liegt und das einen wirklich interessiert, dann kann es zwar sein, dass man nach dem Studium noch nicht genau weiß was genau man beruflich eigentlich machen will, aber wenn man zumindest ab und zu bereit ist phasenweise hart zu arbeiten, kann man am Ende durchaus wo ankommen, wo man sehr glücklich ist.
Ich hab ja auch bis Mitte/Ende 30 nichts gehabt, was man als "Karriere" bezeichnen könnte, weil ich quasi für 10 Jahre nach dem Abschluss mehr oder weniger auf der selben Stelle / Stufe gearbeitet hab. Aber ich hab mich halt nebenher immer weiter qualifiziert (vermutlich auch weil ich in dem Job an der Uni unterfordert war) und bin schlussendlich wo gelandet, wo ich das Gefühl habe, dass meine Fähigkeiten wirklich notwendig sind und genutzt werden.
Daher: Solange man ein/e Lehre/Ausbildung/Studium macht, die/das einen wirklich interessiert und man auch bereit ist, zu arbeiten und sich weiter zu entwickeln, ist m.E. die Chance ziemlich gut, dass man mittelfristig beruflich ziemlich gut dasteht.