Gamezone Fazit:
Bevor ich mich dem Resümee ergebe, möchte ich anmerken, dass ich ein absoluter Fan von Horror-Filmen jeglicher Art bin. Von sozusagen gesellschaftlich kritisierend (‚Night of the Living Dead‘ gilt als ein solcher Film) bis hin zum Super-Trash (z.B. ‚Großangriff der Zombies‘ oder auch ‚Zombies unter Kannibalen‘) gibt es fast nichts in dem Segment, dass ich nicht irgendwie schon gesehen habe. Muss und soll ich mich auf ein Thema festlegen, dann bin ich – unschwer zu erkennen und auch sehr passend – bei den Zombies zu Hause. Diese fiktiven Kreaturen, die geschichtlich belegt schon so manches Volk beeinflusst haben, die im Voodoo-Kult zu Hause sind und in diversen Filmen und Serien bessere Hauptdarsteller waren als die eigentlichen Titelfiguren, haben es mir einfach angetan. Eine Menge Bücher und noch mehr Filme, habe ich mir bisher in meinem Leben zu Gemüte geführt, so dass ich sagen kann Dead Island ist ein Zombie-Spiel, welches in dieser Art schon lange von der Bildfläche im Game-Bereich verschwunden war. Dead Island wandelt recht gekonnt auf den Pfaden der Zombie-Filme und Games und ist dabei ein wenig wie ‚Resident Evil‘ Teil Eins und auch Zwei, da Zombies gurgelnd, brummend und langsam schlurfend den Lebenden nach deren Fleisch getrachtet haben. Es ist wie bei ‚Dawn of the Dead‘, da eine ganze Welt ins Chaos gestürzt ist, man ums Überleben kämpft, sich selbst am nächsten ist und dennoch nicht vergisst Mensch zu sein, da man anderen versucht zu helfen, nur um dann tragischer Weise mitzuerleben, dass man einen Freund zurück lassen muss, weil er gebissen wurde. Es ist wie bei ‚Day of the Dead‘, da Zombies nicht einfach stumpfsinnig versuchen lebendes Fleisch in sich zu stopfen, sondern sie sondieren die Lage, gehen gewieft vor und hauen einen in die Pfanne. Nicht alle Zombies agieren so, aber es gibt genug, die noch so viel Hirn übrig haben sich zu erinnern, dass Stillstand den sicheren Untergang bedeutet.
Es ist auch ein wenig wie ‚The Elder Scrolls: Oblivion‘, da man seinen Charakter aufbauen muss als auch mit neuen Fähigkeiten versehen kann, die allerdings auch erst gelernt werden müssen. Und gleichzeitig ist Dead Island Gott sei Dank weit weg davon mit ‚Dead Rising‘ in einen Topf geworfen zu werden. ‚Dead Rising‘ Eins als auch Zwei sind ohne jede Frage blutige Metzel- und Meuchel-Spiele mit herben Gewaltfaktor und einem sehr hohen Splatter-Anteil – und wem es taugt, dem macht es auch Spaß - aber gesamt karikiert sich ‚Dead Rising‘ doch selbst und nimmt sich in keinster Weise ernst; Eben ein virtueller Horror-Comic mit deutlich mehr Witz als Horror. Genau dieser Aspekt aber bleibt bei Dead Island außen vor! Ein Fakt, den ich sehr zu begrüßen weiß, vor allem dann, da sich das Spielgeschehen atmosphärisch und in einem tollen Ambiente wiederspiegelt. Die Urlaubsinsel mit all ihren Schönheiten und vor allem mit hellem Tages- bzw. Sonnenlicht ist in der Lage mich zu erschrecken, wenn ich durch die vielen Gassen der Stadt gehe, die Flure der Hotelanlagen nach Überlebenden inspiziere oder mich im Dschungel bei der Erfüllung eines Auftrages verlaufen habe. Überall höre ich sie lauern, sie verzehren sich nach mir, wollen mir sprichwörtlich ans Leder und treiben mir bei dem Versuch eine brauchbare Waffe in die Finger zu bekommen meinen Adrenalin-Spiegel gescheit nach oben. Aber ich kann auch nicht einfach weitergehen ohne hinter die nächste Tür zu spicken, ob da nicht doch ein Bauplan für eine Waffe liegt oder ich einen Menschen finde, den ich retten kann. Und während ich mich vorsichtig von Abschnitt zu Abschnitt pirsche, immer auf der Hut nicht angeknabbert zu werden, ertappe ich mich dabei wie ich denke „endlich mal ein ordentliches Zombie-Game, dass mich wie ein gut gemachter Romero-Film mitten ins Geschehen holt“. Mit dem einen kleinen aber feinen Unterschied: Im Film bleibe ich auch bei einem solchen Effekt der Beobachter, auf Dead Island bin ich, nicht zuletzt dank der Ego-Perspektive, mittendrin und muss handeln, andernfalls bin ich schneller tot als ich *piep* sagen kann.
Dead Island braucht ein wenig Zeit um zu zünden, wer sich ein Urteil bildet da er nur das Resort am Anfang gespielt hat und bei Erreichen von Level 10 von Einfachheit spricht, der sollte besser erst einmal weiterspielen, denn erst danach startet das Game eigentlich richtig durch. Unabhängig davon, man braucht eine gewisse Affinität für Zombies bzw. Zombies in Filmen und Spielen, damit man nicht nur Dead Island als solches genießen kann – trotz der bisweilen technischen Unzulänglichkeiten – sondern auch die vielen, vielen Gimmicks und Anleihen aus Filmen und Spielen honoriert. Und wer sich die Mühe macht, zu erkunden wie bei Oblivion, sich den Spannungen ergibt, die rein schon durch die gut gemachte Akustik entstehen und sich nicht stur auf die Hauptquests konzentriert, wird allein mit einer Spielfigur auf Solopfaden wandelnd locker 30 Stunden plus verbringen. So, und ich geh jetzt wieder metzeln, hab noch einiges vor und das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht …