"Singularity" ist ein gelungener Ego-Shooter, der sich im Grunde genommen wie eine Mischung aus Half Life 2 (keine wirklichen Zwischensequenzen, kleinere Physik-Rätsel, Gravity-Gun) und Bioshock (50er Jahre Setting, Aufleveln von Waffen und TMD(so der Name des Zeitmanipulationshandschuhs)-Fähigkeiten) spielt. Außerdem kommt er angenehm old schoolig daher. Mir hat es außerordentlich gut gefallen, durch geradlinige Level zu rennen, Gegner mit spaßigen Waffen auseinanderzunehmen, Endgegner zu plätten und auf seine Lebensenergie achten zu müssen. Wer braucht irgendwelche Deckungsfeatures, sich selbst regenerierende Energie oder sonstigen neumodischen Schnick-Schnack, wenn man Endgegner und Medipacks hat? Ich jedenfalls nicht.
Die Level sind hübsch und voller Details, die Umgebungen überraschend abwechslungsreich (auch wenn sie natürlich alle einen ähnlichen, düsteren Stil haben), der Sound ist gelungen, die Atmosphäre hervorragend, das Waffenarsenal groß und es gibt viele verschiedener Gegnertypen. Zudem geht die Steuerung, trotz einiger TMD-Spielereien, überaus locker von der Hand. Grandios finde ich ebenfalls die Story. Sie ist zwar nicht wirklich außergewöhnlich, spitzt sich in den letzten Spielstunden (habe auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad vielleicht 10 Stunden gebraucht) aber ordentlich zu und wird am Ende sogar richtig spannend. Die ganze Geschichte mit den verschiedenen Zeitebenen hat einfach genau meinen Geschmack getroffen.

Ach ja, blutig ist es natürlich auch (jedenfalls in der Uncut-Version). Was anderes als abtrennbare Gliedmaßen (bei den Mutanten sogar in bester Dead Space Manier) habe ich von einem Raven Soft-Titel auch nicht erwartet.
Kritikpunkte habe ich nicht viele gefunden. Die Grafik hinterlässt zwar ein stimmiges Gesamtbild, lässt bei genauerer Betrachtung aber veraltete Animationen und matschige Texturen erkennen. Auch die Rätsel, Zeitmanipulationen und Physikspielereien hätten durchaus spektakulärer ausfallen können bzw. müssen. So war der TMD "nur" ein nettes Gimmick, aber (bis auf einige schön inszenierte Momente, wie beispielsweise dem Frachter) nie etwas wirklich besonderes. Schade finde ich auch, dass man erst in den letzten 60 Minuten des Spiels genügend "Geld" zusammen hat, um sich die besten Verbesserungen für Waffen und TMD kaufen zu können. So steigert man sich im Verlauf zwar kontinuierlich, wodurch eine gelungene Bad-Ass-Kurve erzeugt wird, darf die wirklich coolen Sachen dann aber nur ein paar Minuten nutzen. Ein Level mehr oder die Möglichkeit mit seinem aufgelevelten Charakter nochmal von Vorne zu beginnen und ich wäre rundum glücklich.
"Singularity" erfindet das Ego-Shooter-Rad nicht neu, klaut sich aber die besten Features aus anderen Genrevertretern zusammen und verfeinert das ganze mit einer spannenden Story, sowie einem herrlich "altertümlichen" Gameplay. An der audiovisuellen Präsentation hätte man noch etwas feilen können und auch in spielerischer Hinsicht ist es nicht ganz perfekt. Trotzdem ist "Singularity" für mich eindeutig einer der besten Shooter, seit Monaten. Jeder Genreliebhaber sollte diesen Überraschungshit mal angezockt haben.
8/10 gemeine, nach der Weltherrschaft strebende Russen