Habe letztens
Heaven's Vault beendet. Für mich eines der besten Spiele des Jahres und eines der besten Adventures aller Zeiten.
In dem Spiel übernimmt man die Rolle der Archäologin Aliya. Aliya lebt in einer fantastischen Welt, in der die Menschen Monde bevölkern und zwischen diesen über Flüsse auf Schiffen durchs All segeln. Das World Building ist eine der großen Stärken des Spiels. Die Welt übt durch ihre charmante Mischung aus kleinen fantastischen Idden und einer geerdeten inneren Logik eine besondere Faszination auf mich aus. Erinnerte mich an Meisterwerke wie Beyond Good & Evil, das es durch eine glaubwürdige Welt ja auch geschafft hat, dass man sprechende Schweine als gegeben hinnimmt. Heaven's Vault spannt ebenfalls diesen Bogen zwischen Vertrautheit und Neugier für das Fremde.
An Aliyas Universität ist ein wissenschaftlicher Mitarbeiter unter mysteriösen Umständen verschwunden. Und so entspannt sich zunächst eine Thrillerhandlung, die nach und nach in den Hintergrund tritt und Platz macht für eine epische, Jahrhunderte überspannende Geschichte über eine untergegangene Zivilisation, die man als Archäologin in einzelnen Puzzlestücken zusammen setzt.
Aliya führt das Verschwinden des Kollegen an verschiedene, immer abgeschiedenere Orte. Die Karte der offenen Spielwelt weitet sich immer weiter aus. Mit dem Segelschiff Nightingale geht es zu den einzelnen Schauplätzen, die jeweils in der Größe überschaubar sind und an denen man sich mal 30 Minuten, mal eine Stunde aufhält.
Das Gameplay hat zwei wesentliche Komponenten: Die Story wird in sehr vielen Dialogen voran getrieben. Diese sind leider nur in englischer Sprache und nicht komplett vertont. Sprachausgabe gibt es nur in zentralen Mobologen der Hauptfigur. Klassische Adventurepuzzles gibt es nur wenige und diese sind eher simpel. Aber die Dialoge tragen das Spielgeschehen wunderbar, was vor allem an dem herausragenden Writing liegt. Das Spiel nimmt sich generell viel Zeit für die Charakterzeichnung. Mein persönlicher Favorit ist der Roboter Six, ständiger Begleiter von Aliya. Das gemächliche Spieltempo trägt aber auch ungemein zum World Building bei. Die Entwickler der Inkle Studios (80 Days) achten auf viele Details, die zwar nicht zentral für den Plot sind, aber dafür einem das Gefühl geben wirklich in einer lebendigen Welt zu leben und einer tausende Jahre alten Zivilisation auf der Spur zu sein.
Zweites zentrales Gameplayelement ist ein archäologisches Metapuzzle. Im Verlauf des Spiels begegnen einem immer wieder historische Schriften in einer untergegangen Sprache. Diese gilt es nach und nach, Wort für Wort zu entziffern. Wobei man immer wieder auch zu alten Schriften zurückkehrt, um diese mit neuen Erkenntnisse zu entschlüsseln. Das Ganze erinnert mich an andere Spiele mit übergeordneten Rätseln wie The Witness und Obra Dinn. Wobei Heaven's Vault beim Schwierigkeitsgrad viel verzeiht und auch hilfreiche Hinweise gibt, so dass man eigentlich nicht stecken bleibt.
Man kann nicht hoch genug loben mit welcher Detailversessenheit die Inkle Studios diese fantastische Reise orchestriert haben. Wer mal wieder richtig in eine Welt eintauchen will und dazu bereit ist, sich eine Auszeit zu nehmen und einem Spiel voll hinzugeben, der sollte Heaven's Vault auf keinen Fall verpassen. Solche Ausnahmetitel gibt es viel zu selten.