Mit dem Tom-Clancy-Universum habe ich erstaunlich wenig am Hut, wenn nicht gerade Sam Fisher der Held des Abenteurers ist. Es musste erst das überraschende Wildlands angekündigt werden, damit die Marke nach dem nie beendeten Advanced Warfighter ins Blickfeld zurückkehrt. Ghost Recon: Future Soldier scheint der ideale Weg zu sein, um das Konzept auszuloten. Und dieser Gedanke war goldrichtig.
Mit Globetrotter-Attitüde und etwas anderem Stealth-Gameplay schafft die Kampagne fast durchgehend ein stimmiges Gesamtpaket. Im obercoolen Phantomanzug schleiche ich durch atmosphärische Landschaften, Wüsten, Dörfer und Städte, spähe die Umgebung mit der Drohne aus und erledige die Feinde anschließend simultan mit meinen Kameraden. Ein sehr befriedigend umgesetztes Element, das von Action-Passagen flankiert wird. Einige Missionen enden in puren Chaos oder Zeitdruck und verfehlen damit ein gutes Mischverhältnis, doch mit Zielperson im Anschlag oder Warhound auf Befehl generiert die bombastische Facette gern gesehene Abwechslung.
Große Bedenken hatte ich bezüglich des 4er-Teamplays und ob dieses überhaupt eine Immersion für Solisten aufbauen kann. Doch so selbstsicher die eigenständige KI in Future Soldier agiert und in allen erdenklichen Lagen eine zuverlässige Hilfe darstellt, war dieses Thema schnell vom Tisch. Diese Hightech-Spezialeinheit operiert nur als Gruppe, und dieser Spirit funktioniert auch alleine ziemlich gut. Möchte ich der einsame Wolf sein, kann ich auf das verwandte Blacklist zurückgreifen.
Ich habe kein Bedürfnis nach besonders viel Taktik, aber auch nicht auf das Ego-Krachboom bekannter Kriegsshooter. Future Soldier bietet mir ein Hybrid-Fundament, das mich an eine Mischung aus den modernen Splinter Cells, Call of Duty und Metal Gear Solid 4 erinnert. Auf seine ganz eigene Art und Weise extrahiert es viele geschätzte Designentscheidungen dieser Serien und verpackt es in ein schnittiges 3rd-Person-Konstrukt. Eine kompetente Umsetzung von Steuerung, Animationen, Inszenierung und Schauplätzen sorgt für den nötigen Background.
Mir hat das Ganze sogar so viel Freude bereitet, dass ich mir das im Vergleich mit dem Angebotspreis unverhältnismäßige Kampagnen-Add-On gegönnt habe und insgesamt 22 Stunden mit dem Spiel verbracht habe. Kurzum: vom smoothen Feeling einer übermächtigen und vielseitigen Special-Ops-Einheit wurde ich durch die Bank überzeugt. Ähnliche Spiele finde ich in jeder Wertungsregion, doch eine runde 4.0 hat sich dieser spaßige Marsch redlich verdient. Wildlands wird aufblühen, wenn sie das Offline-Gerüst nicht versauen und ich all dies innerhalb einer Bolivien-Open-World erleben darf.