Borderlands the Pre-Sequel (Nisha, Mainstory)
PC, Ultra Grafik
Lange war ich auf ein Spiel nicht mehr so heiß wie auf Borderlands the Pre-Sequel (i.F. tPS). Die Vorgänger gehören zu meinen absoluten all-time Favorites, werden von mir immer und immer wieder angefasst und ich habe zwischenzeitlich wohl mehrere 100h mit diesen Spielen zugebracht.
Ich werde in diesem kurzreview immer wieder kleine Zitate aus Spieletests und aus dem KT bringen, die ich sehr treffend fand - also entschuldigt das, und nehmt das nicht als Faulheit meinerseits
tPS spielt sich wie ein echtes Borderlands. Ja, es ist "mehr vom gleichen" und zwar so, dass es sich häufig wie ein DLC anfühlt. Das ist für mich aber als Borderlands Fan eher positiv als negativ, denn die Einstellung "Never change a running System" gefällt mir deutlich besser, als auf Teufel komm raus etwas völlig neues zu bringen, was u.U. dann schlechter funktioniert als die grandiose Spielmechanik, die mir so viele schöne Stunde beschert hat am ende verschlimmbessrt. Nach wie vor bewegt man sich durch eine witzige, völlig überzogene Comicwelt und ballert und lootet was das Zeug hält - thats pretty much it.
Auch an der Grafik hat sich nicht viel zu den Vorgängern getan. Hier und da wirkt mal eine Textur etwas detailverliebter und schärfer und hier und da sind die Beleuchtungseffekte vielleicht etwas moderner und bombastischer und wilder - das wars aber schon. Dadurch bleibt aber sichergestellt, dass das Spiel kein wilder next gen Resourcenfresser ist und man fühlt sich als Borderlandsspieler sofort wie zuhause. Die Grafik ist also für mich kein Kritikpunkt - im Gegenteil: auch hier bekommt der Spieler eine toll gemachte Fortsetzung, die nicht aus der Rolle fällt. Ansich war ich sehr begeistert, was die Entwickler aus dem eigentlich recht langweiligen Setting - nämlich einer kargen, fast leblosen Mondlandschaft herausgeholt haben und wie liebevoll viele Levels gestaltet wurden, auch wenn die grafische Gestaltung nicht immer an den Vorgänger (vorallem an die DLCs) heran reicht.
Kleine, zur Umgebung passende Neuerungen in der Spielmechanik, wie z.B. das haushalten mit dem Sauerstoff, und die geringere Anziehungskraft bringen tatsächlich auch hier und da etwas frischen Wind in das Spiel. Im Gegensatz zu eingen anderen Meinungen finde ich die Spring/Fallgeschwindigkeit nicht zu langsam und nur selten ist das rennen durch die Levels aufgrund der Anziehungskraft zu träge. Ich meine auch gefühlt zu haben, dass sich die Levels in Anziehungskraft und Bewegungsgeschwindigkeit merklich voneinander unterscheiden - und zwar mehr als nur das digitale on/off, sondern tatsächlich in Abstufungen, was für mich zu einem sehr interessanten Spielgefühl geführt hat. Lediglich die Jump Pads fand ich etwas stark in die Welt gekünstelt, die wenigen Jump&Run Einlagen waren zum teil etwas nervig und ansich hat mich das an Mechaniken aus den 90ern erinnert (QuakeIII z.B.), die heute etwas angestaubt wirken.
Die Mainstory fügt sich Nahtlos in zwischen Borderlands und Borderlands 2 ein. Man trifft alte Bekannte und erlebt den Aufstieg von Handsome Jack. tPS füllt somit die große Lücke in der Borderlands Geschichte und gibt dem Spieler viele Antworten auf Fragen die aus BL2 entstanden sind, ohne für mich merkliche Storyschnitzer zu bringen. Mit knapp 20h Spielzeit für die Mainstory ist man mit tPS auch zunächst mal so gut versorgt wie man das aus den Vorgängern kennt. Die Kritik nur ein großer DLC zu sein, ist für mich damit auch endgültig vom Tisch, denn man bekommt Tatsächlich ein Vollpreisspiel mit Vollpreisstory fürs Geld.
Trotz allem habe ich noch deutlich mehr Kritik an tPS als nur die Quake III Jump Pads:
Den Witz und die coolen Charactere aus den Vorgängern habe ich bei tPS weitestgehend vermisst. Zwar sind die Sprüche von Jack und vereinzelt auch den anderen NPCs wirklich wiedermal der typische Borderlands Humor, den wir alle so lieben, aber so umfassend cool, unerwartet und witzig wie in den Vorgängern ist es leider nicht mehr. Dasselbe gilt für die anderen NPCs/Questgeber. Ein Merrif, eine Spring oder ein CustomTrap kommen einfach nicht an Charactere wie Elli, Tiny Tina, Marcus, Dr. Zed oder ganz einfach dem einen bekannten ClapTrap aus den Vorgängern heran. Selbst die Gegner wirken größtenteils deutlich ernster und liebloser als die Gegner der Vorgänger. Klar, das ist z.T. der Story geschuldet (ein trainierter SpaceMarine ist nunmal was anderes als ein geistesgestörter Bandintenpsychopath), aber naja... ...ist eben dann auch nicht so gut. Das reißt dann auch ein Wissenschaftler nicht mehr raus, der ohne seinen Teddybär nicht leben kann - das machts für mich eher einfach flach und Ideenlos.
Selbst der Final Boss ist für mich eher eine Enttäuschung im Vergleich zu The Warrior aus dem Vorgänger. Erst ne Stunde durch von Halo geklaute Alienlevel rennen, um auf nen mehrstufigen Bulletsponge zu treffen, der mich im Verhältnis zu seinem Vorgänger in BL2 (oder Nachfolger???) in keinster Weise beeindruckt hat.
Die angekündigte verbesserte KI der Gegner habe ich nur selten bemerkt. Eigentlich nur wirklich wenn sie richtig frustrierend wurde, nämlich dann, wenn man im Cliffhanger Modus am Boden lag und sich die Gegner dann plötzlich und im Gegensatz zur vorher mit voller Absicht und ganz gezielt Deckung gesucht haben, dass man auch ja vollends um geht.
Alles in Allem ist tPS trotzdem bisher mein heissester Kandidat auf mein persönliches Game of the Year und ich werde noch viele viele Stunden mit Ballern und Looten darin zubringen, auch wenn ich es zum jetzigen zeitpunkt etwas schlechter als die Vorgänger finde. Auch wenn einige Kritikpunkte zunächst schwerwiegend wirken Mögen, so ist das gesagte wirklich Jammern auf sehr hohem Niveau. tPS macht unglaublich Spass, und fesselt wie man es von einem Borderlands erwartet. Für jeden Gamer, der mit dieser Art Spiel etwas anfangen kann ist tPS auf jeden Fall einer der Pflichtkäufe dieses Jahr!
8/10 Punkten!