Das ist doch nicht zwangsläufig ein Widerspruch, wenn man sich explizit auf die Geschichte bezieht. Die ist zweifellos mies, aber ein ähnliches Lied kann ich auch singen. Da ging es um meinen Sohn, herablassende Behandlungen vom ärztlichen Personal und endete in einer Not-OP um 3 Uhr morgens.
Jop, die Story aus dem Twitter-Thread würd ich auch der allgemein oft schlechten Umgangsform im Krankenhäusern zuschreiben, wenn man als vermeintlicher Notfall reinkommt, keinem Sexismus. Plus eben Kommunikationsfehler im Krankenhaus.
Wenn eben die Symptomatik gehäuft bei Schwangeren auftritt, muss die AUfnahme natürlich erst mal die wahrscheinlichsten Ursachen abfragen, daher die Frage nach der Schwangerschaft. Da jeder Mitarbeiter in der Notaufnahme wohl auch regelmßig Frauen sieht, die ungewollt schwanger sind und es noch nicht wissen, kann man da auch mal vehementer fragen.
Und natürlich werden nur Frauen nach einer Schwangerschaft gefragt, das ist aber nur logisch.
Der Ausschluss dieser Diagnose sollte natürlich bei Weitergabe an andere Abteilungen oder Ärzte in der Anamnese stehen, aber das mal bei einem Notfall zu vergessen, kann ebenfalls passieren.
Dass der Radiologe beim CT auch fragt, wenn er das nicht weiß, ist ebenfalls logisch und erwünscht. Denn die Strahlenbelastung beim CT ist groß (mehr als eine komplette Jahresdosis natürliche Umgebungsradioaktivität, wenn ich das richtig im Kopf hab) und die Gefahr, dass ein Fötus schwere Schäden davon trägt oder stirbt, real. Wenn das passiert, hat der Radiologe ein ethisches Problem und wohl auch ein juristisches Problem, wenn er sich nicht vergewissert hat.
Dass er dann einen bescheuerten Schwangerschaftstest einfordert ist höchst dumm (man muss kein Arzt sein um die Hormonspirale und deren Wirksamkeit zu kennen), zeugt von Misskommunikation mit der Kollegin, die das ja als dringenden Notfall eingestuft (und die Schwangerschaft ausgeschlossen) hat. Aber auch das ist nicht sexistisch. Das "von oben herab" ebenfalls, denn das ist bei weitem nichts geschlechtsspezifisches, wie fast jeder bezeugen kann, der mal eine Notaufnahme besucht hat. Da wirklich ernst genommen zu werden, hat fast schon Seltenheitswert.
Was aber auch noch irgendwo verständlich ist, wenn man in der Notaufnahme arbeitet und die ständig reinkommenden Leute mit Lappalien wieder heim schickt oder sich mal wieder anpöbeln lässt, wenn der Mensch mit simpler Grippe es nicht einsieht, wieso er jetzt länger warten muss als das halbtote Unfallopfer, das gerade zur Tür reinkam.
We gesagt, natürlich wird es genug Fälle geben, bei denen man als Frau erst mal nicht ernst genommen wird. Aber dieses Exempel ist kein gutes Beispiel dafür.