Akte X - Jenseits der Wahrheit:
Den Kinogang habe ich mir damals gespart, da ich durch die verhältnismäßig doch sehr schlechten Kritiken abgeschreckt wurde. Nun habe ich mir den zweiten Ausflug von Mulder und Scully in die Spielfilmlänge auf auf Blu-ray angesehen und bin begeistert. Hier muss ich den meisten Kritikern leider beziehungsweise glücklicherweise widersprechen: "Akte X -Jenseits der Wahrheit" ist ein wenig anders, als die Serie, aber das ändert nichts daran, dass man hier einen hervorragenden, wenn auch inhaltlich etwas schwachen, Mystery-Thriller präsentiert bekommt. Was mich zu meiner überraschend hohen Wertung treibt, versuche ich in den Folgenden Zeilen herauszustellen:
Eine FBI-Agentin verschwindet spurlos im verschneiten Virginia. Dakota Whitney (Amanda Peet) und ihr Partner Mosley Drummy (Alvin „Xzibit“ Joiner), ebenfalls Agenten des FBI, sollen den mysteriösen Fall aufklären. Als die Spur zum pädophilen Pater Joseph Crissman (Billy Connolly) führt, wissen die zwei Ermittler nicht weiter, denn der alte Mann hat geheimnisvolle Visionen, die anscheinend bei der Aufklärung des Falls helfen könnten. Ratlos wendet sich das FBI daher an die beiden Ex-Agenten Dana Scully (Gillian Anderson), die inzwischen als Ärztin in einem katholischen Krankenhaus arbeitet und Fox Mulder (David Duchovny). Dieser möchte, 6 Jahre nach seinem nicht gerade blumigen Ausstieg aus dem FBI-Beruf, zuerst nicht in den Fall einsteigen, lässt sich dann aber doch von seiner alten Kollegin überreden. Zusammen verfolgen sie die mysteriöse und von Visionen geleitete Spur des Paters...
Auf den ersten Blick klingt die Story nach einer guten, alten Akte X-Folge: geheimnisvoll, düster, mysteriös. Im Großen und Ganzen werden diese Merkmale der Serie auch im Film beibehalten, jedoch bemerkt man schnell, dass die Geschichte sehr viel handelsüblicher daherkommt, als von der Serie gewohnt.
Spätestens nach den ersten 40 Minuten wird deutlich, dass die zu Beginn durchaus übersinnlich anmutende Story, auf ein minder paranormales, thrillertypisches Ende hinausläuft. Manch einem Fan wird gerade diese Tatsache sauer aufstoßen und wenn ich ehrlich bin, kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen, warum Erfinder der Serie, Regisseur und Drehbuchautor Chris Carter nicht das Erfolgskonzept der X-Akten beibehält und stattdessen einen "normalen" Thriller abliefert. Ja, das ist gewöhnungsbedürftig und wenn man es hart ausdrückt ist "Jenseits der Wahrheit" ein stinknormaler Thriller, in dem ganz zufällig Mulder und Scully mitspielen. Ich muss jedoch sagen, dass mir der ganze Film trotzdem überaus gut gefallen hat - und ich bin auch ein Fan der Serie. Man bekommt zwar keine Aliens oder Monster, dafür aber reichlich Spannung, Flair und das wohl sympathischste Ermittlerpärchen der TV-Geschichte.
David Duchovny und Gillian Anderson spielen ihre Rollen nämlich so, als gäbe es die 6 Jährige Pause, zwischen der letzten Serienfolge und diesem Film, garnicht. Die Chemie zwischen den Beiden stimmt einfach. Scully zweifelt mal wieder an Mulders Herangehensweise und dieser scheißt, wie immer, auf Alles und geht seiner eigenen Spur nach. Seine zynischen Sprüche sind auch im Film vertreten und haben mich mehr als einmal herzhaft lachen lassen.
Auch die anderen Schauspieler machen ihre Sache gut, kommen aber natürlich nicht an die Qualitäten eines Duchovny oder einer Anderson heran.
Positiv zu erwähnen ist auch die wirklich grandiose Regiearbeit von Chris Carter. Sein Drehbuch enttäuscht in gewisser Weise zwar etwas, aber den ruhigen, kühlen und geheimnisvollen Look der Serie hat er 1:1 übernommen. Das verschneite Virginia ist die perfekte Location für diesen Film. Die angenehm ruhige Kamera und das Zusammenspiel aus gut getimeten Schnitten und dem "unheimlichen" Soundtrack erzeugen in jeder Szene eine gehörige Portion Spannung und den X-Akten würdige Atmosphäre. Handwerklich ist dieser Film wirklich top - von Anfang bis Ende.
Die Story von "Akte X - Jenseits der Wahrheit" ist vielleicht nicht gerade das, was Fans erwartet haben. Übersinnliche Phänomene gibt es, bis auf einige Szenen in der ersten Filmhäfte, einfach nicht und der Film beschränkt sich auf eine handfeste Thriller-Geschichte. Diese ist inhaltlich vielleicht etwas schwach auf der Brust und weist keinerlei großartiger Wendungen vor, kann dafür aber immerhin mit kleinen Überraschungen und einem guten Spannungsbogen überzeugen. Der Plot ist für "Akte X" ungewöhnlich, funktioniert als normaler Thriller aber durchaus. Dazu kommt die einfach grandiose Regiearbeit von Carter, der den Stil der Serie gekonnt auf Filmlänge gestreckt hat und für eine mitreißende Atmosphäre sorgt. Kleine Anspielungen auf ältere Folgen, sowie neue Teile im Partnerpuzzle von Scully und Mulder und einige freche Sprüche und Gags machen den Film noch unterhaltsamer.
Er ist "anders" und das wird dem ein oder anderen Fan ganz sicher nicht gefallen, aber ich finde diesen Film die ganzen 104 Minuten lang spannend und unterhaltsam. Wenn nicht schon im Kino gesehen, sollte man, meiner Meinung nach, wenigstens jetzt auf DVD/Blu-ray einen Blick riskieren - Scully und Mulder nochmal zusammen zu erleben rechtfertigt diesen Blick eigentlich schon.
Von mir gibt es überraschend gute und dem Großteil der Kritiker widersprechende:
8/10 Punkte
Man sollte übrigens bis nach dem Abspann warten, da kommt nämlich noch eine kleine, nette Szene.
