Das war es also: Mein (ungelogen) erstes Zusammentreffen mit einem Jean-Claude Van Damme Film und ein weiterer Versuch einen anscheinenden Actionklassiker gut zu finden. Und wieder muss ich feststellen, dass ich 80er bzw. frühe 90er Jahre Actionfilme heute nicht (oder nur sehr selten) ernst nehmen kann.
Schon die Eröffnungsszene war an Lächerlichkeit kaum zu überbieten: Hirntote Bösewichte (Was mache ich, wenn mir mein Gegenüber ein Explosivfass entgegenrollt? Genau: Drauf schießen, wenn es in meiner unmittelbaren Nähe angekommen ist! Oh Mann...), Anschlussfehler am Laufenden Band (Gangster schießt ein Loch in eine Holzwand, welches daraufhin fröhlich erscheint und wieder verschwindet.) und inflationär eingesetzte Zeitlupen (Bspw. bei jedem stinknormalen Faustschlag - das ist schlicht ermüdend.).
Nach diesem Einstieg dachte ich mir schon: Puh, was tust du dir da an? The Muscles from Brussels erstes Auftreten war dann auch noch peinlich, was vor allem an der bereits erwähnten Dauerzeitlupe und seinen lächerlichen Roundhousekicks, die sichtbar ins Leere gehen, liegt. Mal ehrlich: Weswegen ist JCVD noch mal berühmt? Roundhousekicks, lässiges Zuzwinkern und bescheuerte Flick-Flacks, die er in den unpassendsten Momenten abzieht? Jaa, ich weiß, jetzt kommen wieder die 80er/90er-Actionfanboys und wollen mir das Gegenteil verklickern, aber sowohl Van Damme als auch die seichte Story und die meisten Sprüche in
Hard Target sind einfach nur dämlich. Vor 20 Jahren war das vielleicht noch "cool", heute kann ich das echt nicht mehr ernst nehmen. Die Szene mit der Schlange hat dann den Vogel (hier: die Taube) abgeschossen.
Glücklicherweise zieht der Film im weiteren Verlauf noch etwas an und besticht durch John Woos gewohnt grandiose, wenn auch maßlos übertriebenen Actionchoreographien und ein bleihaltiges Finale. Wobei ich mich ja frage, wieso damals jeder einzelne Schuss zu einer kleinen Explosion führen musste. Hier explodiert sogar der Waldboden und Pappmaché, wenn mit einer kleinkalibrigen Waffe drauf geschossen wird.

Klar, macht(e) optisch natürlich was her, ist jetzt aber nicht gerade realistisch. Aber ok, das gehörte in den 90ern anscheinend zwingend dazu, genau so wie die buschigen Augenbrauen der weiblichen Hauptdarstellerinnen.
Ne, ich war noch nie und werde wahrscheinlich auch nie ein Fan von 80er und frühen 90er Jahre Actionfilmen. Ich bemühe mich wirklich und hole immer mal wieder einen der großen Genreklassiker nach, konnte bis jetzt aber nur sehr, sehr selten einen finden, der mich auch überzeugte. Das Grundrezept (hangemachte Action, lässige Sprüche, simple, aber effektive Stories) der 80er-Action finde ich klasse, nur hapert es meistens an der Umsetzung.
Hard Target reiht sich daher ebenfalls in meine Liste der explosiven, ganz netten, aber auch flott wieder vergessenen Einwegactionern ein. Eben einer von vielen. Da gebe ich mir lieber noch mal John Woos
Face/Off, der meiner Meinung nach deutlich über diesem putzigen Actionreißer steht.