In seiner ersten und letzten 3D-Produktion enführt uns Werner Herzog in die Chauvet Höhle. Eine vor 20.000 Jahren, durch einen Felssturz, verschlossene Höhle, die 1994 erstmals von Forschern entdeckt wurde und bis heute abgeriegelt war. Herzog und sein Filmteam erhielten nun als erste Normalsterbliche die Genehmigung in der rund 400 m langen Höhle zu filmen und dem Zuschauer so eine längst vergessene Zeit ein wenig näher zu bringen.
Werner Herzog, eine Dokumentation über die Chauvet Höhle und moderne 3D-Technik. Diese Konstellation dürfte der feuchte Traum jedes Dokumentar-Liebhabers sein. Leider bin ich vom fertigen Produkt überraschend enttäuscht. Herzog's Vorhaben ist gut gemeint, scheitert jedoch an der Umsetzung. Und damit meine ich nichtmal die Inszenierung an sich. Diese ist nämlich typisch Herzog. Das heißt sehr ruhig, fast schon gemächlich, mit vielen langen, unkommentierten Einstellungen, welche die beeindruckenden Wandmalereien zeigen. Dazu gewohnt philosophisch und nachdenklich kommentiert.
Gegen diese Erzählweise ist absolut nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil.
Die Höhle der vergessenen Träume ist keine reißerische N24-Doku, sondern eine gefühlvolle Zeitreise. Das große Problem ist ein anderes: Der Inhalt. Die Chauvet Höhle ist ein interessantes und beeindruckendes Stück Zeitgeschichte, keine Frage, jedoch bietet sie einfach nicht genug Stoff für eine Abendfüllende Dokumentation. Vor allem, da Herzog sich nur auf schmalen Stegen fortbewegen durfte, wodurch ihm keine differenzierten Aufnahmen und Perspektiven möglich waren. So bekommt man ein und dieselbe Einstellung gefühlte hundertmal vorgesetzt, was nicht gerade für Begeisterungsstürme sorgt, sondern eher ermüdend wirkt. Auch sonst wird die Höhle überraschend oberflächlich betrachtet. Herzog philosophiert zwar, wie man von ihm gewohnt ist, über Gott und die Welt, das Leben und die Träume der einst dort lebenden Menschen, wirklich Wissenswertes sucht man hingegen vergebens. Bis auf ein paar Fakten, die man genau so gut auf Wikipedia nachlesen kann, gibt es nur herzog'sche Gedankenergüsse. Ulkig finde ich übrigens immer, was Künstler so alles in diese Höhlenmalereien hineininterpretieren. Ich weiß ja nicht. Vielleicht hat da einfach nur ein paläontologisches Vorschulkind aus Langeweile ein paar Tiere an die Höhlenwand gekritzelt?
Insgesamt hätte ich mir hier einfach eine wissenschaftlichere Herangehensweise gewünscht. Aber ok, es ist und bleibt ein Herzog und da gibt es nunmal keine Wissenschaft, sondern spirituelle, tugendhafte und nachdenklich stimmende Gedankengänge.
Auch 3D-technisch habe ich weitaus mehr erwartet. Höhlen sind, wegen ihrer klaren Linien und harten Schatten, schließlich prädestiniert für gute 3D-Effekte. Leider musste das Filmteam, wie Herzog zu Beginn anmerkt, mit semiprofessionellen Kameras und wenig Licht auskommen. Zwei KO-Kriterien für 3D. So wirken die meisten Aufnahmen sehr unsauber, unruhig und unter- bzw. überbelichtet. Stellenweise gibt es auch sehr ansehnliche und räumliche 3D-Bilder, die meiste Zeit erscheinen sie jedoch mittelmäßig. In Anbetracht der erschwerten Umstände und eingeschränkten Bewegungsfreiheit, überraschend gut, aber natürlich nicht vergleichbar mit großen 3D-Blockbustern.
Eine Bewertung fällt mir gerade sehr schwer.
Die Höhle der vergessenen Träume ist eine waschechte Werner Herzog-Produktion. Fans des deutschen Ausnahmeregisseurs werden daher sicherlich entzückt vor dem Fernseher sitzen. Dokumentarfreunde, die eher einen wissenschaftlichen Ansatz erwarten, wie ich es einer bin, werden von Herzog's philosophisch-geschwollener Erzählweise wahrscheinlich ein wenig gelangweilt und Hollywood-Blockbuster-Fetischisten wohlmöglich sogar angewidert sein. So vergebe ich vorsichtige 6/10. Herzog-Anhänger legen noch 2 Punkte drauf und Doku-Hater lassen die Blu-ray natürlich von vornherein im Amazon-Lager liegen.