Okay, hier mal meine Beurteilung zu Thirst/Durst:
Aschenputtel und der katholische Blutsauger
Die Idee klingt vielversprechend. Ein junger katholischer Priester aus Korea wird versehentlich zum Vampir, als er sich in Afrika einer Versuchsreihe zur Verfügung stellt, die ein Heilmittel gegen ein bislang tödliches Virus herzustellen versucht. Auch der Priester stirbt dabei, doch das kurz zuvor verabreichte Blut erweckt ihn sogleich wieder von den Toten.
Nun kehrt er zurück in seine Heimat und wird dort zu einer Legende für die Kranken. Er, der Mann der das Virus als einziger überlebt hat, soll für sie beten. Er fühlt sich nicht besonders wohl in dieser Rolle, denn er ist mit ganzem Herzen Priester und der Bescheidenheit verpflichtet. In seinen leidenschaftlichen Gebeten, ruft er Gott an, ihn von allen irdischen Freuden zu entziehen, auf das er ihn aussätzig mache, wie einen Leprakranken. Seinen ab und an aufkeimenden Geschlechtstrieb unterdrückt er, indem er sich mit seiner Holzflöte die Schenkel grün und blau schlägt.
Mit seiner Wiedergurt zum Vampir scheinen seine Gebete auf makabere Weise erhört worden zu sein - und doch nicht. Schnell wird ihm klar, was mit ihm geschehen ist. Animalische Kräfte, eine Abneigung gegen Sonnenlicht, sowie eine Vorliebe für Blut lassen aus ihm eine mächtige Kreatur der Nacht werden. Dem gegenüber steht aber immer noch der hochmoralische Priester in ihm, der fürchtet für seine Untaten in die Hölle zu kommen. Die Folge daraus ist, daß er (mitunter komische) Wege sucht, um an Blut zu gelangen, ohne andere Menschen umbringen zu müssen. Ein klassischer Gewissenskonflikt, wenn man so will und dadurch leider ein etwas langweiliger Vampir.
Tatsächlich ist Thirst/Durst aber nicht in erster Linie ein Vampir- sondern eher ein Liebesfilm. Denn dieser Dracula im Priesterkostüm verliebt sich nun in die Frau eines alten Schulfreundes. Die junge Frau ist in dessen Familie einmal als Waise aufgenommen worden und fristet dort nun ein fast sklavisches Leben als unterstes Glied der Familie. Nachts rennt sie manchmal barfuß die Straße entlang, kehrt aber letztlich immer wieder zurück. Hier kommt es auch zur ersten Begegnung zwischen den beiden Liebenden. Er fängt sie auf und stellt sie in seine (zu großen) Schuhe. Sie verlieben sich und zwischen beiden entflammt eine recht gierige, stark sexuell betonte Affäre. Die Sexszenen nehmen deswegen auch einen besonderen Teil des Films ein. Es wird viel geschmatzt und rumgeleckt, glücklicherweise ohne das es billig, dafür aber manchmal etwas komisch, rüberkommt. Die beiden verschlingen sich regelrecht nacheinander, wenn auch auf etwas eigentümliche Art und Weise.
Das er ein Vampir ist, das kann und will er ihr nicht lange verheimlichen, was ebenfalls für einige komische Szenen sorgt. Doch als es erstmal raus ist, läutet es zwangsläufig auch eine Entwicklung ein, die dafür sorgen wird, daß die gesamte Familie der jungen Frau aus den Fugen gerät ...
Soweit zur Story, die sich über mehr als zwei Stunden zieht und einige Längen aufzuweisen hat. Auf mich wirkten vor allem die familären Szenen, bzw. die Konstellationen darin, ein wenig fremdartig. Ich weiß nicht genau, wie realistisch es ist, daß in koreanischen Familien solche Verhältnisse herrschen. Eine junge Frau wird als Waise aufgenommen und wie ein Aschenbrödel gehalten, muß sogar den völlig vertrottelten Sohn der Familie heiraten und ihm jeden Scheiß hinterher räumen, darf sonst aber nicht an den Vergnüglichkeiten des Familienlebens teilnehmen. Das wirkte auf mich schon recht seltsam. Das ganze wird dann auch noch etwas gekünstelt in Szene gesetzt. Der Frau steht ihre Resignation regelrecht ins Gesicht geschrieben, so als wäre sie eigentlich für alle anderen unsichtbar und wie ein schlecht gelauntes Gespenst lediglich reinretouschiert in die ansonsten betont realistisch anmutenden Räumlichkeiten. Nachts, während er schläft, sitzt sie vor ihrem Ehemann und tut so, als ob sie ihn mit einer merkwürdigen Schere ins Gesicht sticht.
Es sind schon zwei interessante und sehr extreme Charaktere, die da am Rande der Gesellaft wie Ausgestoßene leidenschaftlich zusammen kommen. Ich denke, ich verrate nicht zuviel wenn ich erzähle, daß natürlich auch sie im weiteren Verlauf in den Genuß kommt, ein Vampir zu werden. Was dem Film dann auch wieder mehr Drive gibt, denn aus diesem nach Rache dürstenden Menschen, wird ganz und gar kein langweiliger Vampir, im Gegenteil. Erst jetzt zeigt sich, wie unterschiedlich beide doch sind!
Kleines Fazit:
Irgendwie war der Film schon ganz unterhaltsam. Zumindest hat er mir deutlich besser gefallen als Park Chan Wooks letzter Film "I'm a cyborg, but thats okay". An seine beiden Meisterwerke "Oldboy" und "Lady Vengance" kann er aber für meinen Geschmack nicht anknüpfen. Grundsätzlich scheint sich Park wohl immer öfter eher verschrobeneren Themen zu widmen, dessen tiefere Bedeutung mir zumindest nicht vollständig aufgehen mag. Für einen einfachen Unterhaltungsfilm umgeht er ganz bewusst zu viele treffsichere Stereotypen, die einen Vampirfilm auszeichnen können. Das macht ihn ein wenig enttäuschend, weil dadurch viel Spannung rausgenommen wird, gleichzeitig aber auch unterhaltsam, weil das alles eben noch recht neu und frisch ist. Nocheinmal werde ich ihn mir aber wohl nicht anschauen. Dafür passiert in der recht langen Zeit dann doch zu wenig. Ein bisschen enttäuscht war ich übrigens auch von den oft simplen Kulissen, die man aus seinen anderen Filmen nicht gerade gewohnt ist. Leere Treppenhäuser, koreanische Otto-Normal-Verbraucher-Wohnungen und sterile Krankenhauszimmer bilden den überraschend realistischen Hintergrund des Films. Da hatte ich mir gerade für die Leinwand mehr erhofft.
7/10