Komme gerade ebenfalls aus
2012:
Eins muss man Roland Emmerich ja lassen: Kein anderer Regisseur kann die Welt so imposant in Schutt und Asche legen.
Dafür kann der gute Mann aber leider keine Geschichten erzählen. Hier wurde anscheinend jedes in Hollywood bekannte Klischee verarbeitet. Das heißt: sinnbefreite Dialoge, dämliche Witzchen, eindimensionale Charaktere, eine Dramaturgie, die jede mittelmäßige GZSZ Folge besser hinbekommt, "An den Kopf fass"-würdiges Verhalten der Figuren, Quotenschwarze, Quotenhunde, Quotenkinder und natürlich ein dickes Happy End, welches bei einem "Die ganze verdammte Welt geht den fucking Bach runter"-Film einfach fehl am Platz wirkt.
Gerade die angesprochene Dramaturgie fand ich sehr enttäuschend. Es ist eben schwer mit einem Charakter mitzufühlen, der flacher ist als die Niederlande und nichtmal richtig eingeführt wurde. Von daher waren die ach so schrecklichen Ereignisse dann doch irgendwie nicht so schlimm, da einem die Figuren total egal sind oder vielleicht sogar nerven.
Auch die Zerstörung der Erde war... naja, nicht das, was ich erwartet habe. Zum einen lag das an der Tatsache, dass man im Trailer schon den kompletten Film gesehen hat - kein Scherz. Die Katastrophen laufen in der selben Reihenfolge ab, die wichtigsten Handlungsstränge und Charaktere wurden schon gezeigt und das Ende kann man sich eh denken. Zum zweiten überzeugt die Krach-Bumm-Action nur im ersten Moment. Denn so schön und imposant die Zerstörung auch ausfallen mag, mehr als beben oder überflutet werden kann die Erde nicht. Daher hat man nach einer Stunde im Prinzip schon alles gesehen und die "Ich entkomme der Katastrophe immerzu haarscharf mit einem Flugzeug"-Szenen verlieren ihren Reiz.
Immerhin sehen die Effekte grandios aus und sorgen für ausreichend Unterhaltung.
Auch die Darsteller wissen zu gefallen. Wirklich gefordert wurden diese zwar nicht, annehmbar geschauspielert haben sie aber trotzdem. Aus der Sicht eines Geowissenschaftsstudenten war es zudem schön zu sehen, dass Emmerich die Katastrophen an sich und ihre Ursachen überraschend glaubwürdig umgesetzt hat.
"2012" ist "gut". Nicht schlecht, aber eben auch nicht gerade herausragend. Im Gegensatz zum, meiner Meinung nach, außerordentlich lahmen "10.000 BC" hat Emmerich's neustes Werk deutlich zugelegt. An "The Day After Tomorrow" kommt er aber trotzdem nicht ran. Dafür gibt es zu viele Klischees, zu viele nervige Charaktere und zu wenig Spannung. Wenigstens nimmt sich der Film nicht hundertprozentig ernst und krachen tut es auch gewaltig.
6/10 Punkte