G.I. Joe
Transformers 2, Wolverine, Terminator 4 - im Vergleich zu "G.I. Joe" sind das alles Einschlafhilfen, die sich viel zu ernst nehmen. Sommers Spielzeugverfilmung ist genau das geworden, was ich erwartet habe: bunt, überzeichnet, rasant und vor allem laut!
Es vergeht kaum eine Sekunde, in der nichts in die Luft fliegt, was dafür sorgte, dass mir die 2 Stunden Laufzeit wie 80 Minuten vorgekommen sind. Dieser Film tritt in den ersten 5 Minuten das Gaspedal bis zum Anschlag durch und hält dieses Tempo tatsächlich bin zum Abspann.
Die Handlung kann man in einem einzigen Satz beschreiben: G.I. Joe, die wohl geheimste der geheimen Geheimorganisationen, versucht dem, nach einer neuen Weltordnung strebenden, Waffenfabrikanten "Destro" das Handwerk zu legen. Dazu kommen simpel gestrickte und schön übersichtlich in "Gut" und "Böse" aufgeteilte Charaktere. Aber sind wir mal ehrlich: wer hier mehr erwartet hat, der ist selber schuld. Trotzdem kommt es mir so vor, als ob Story und Charaktere hier, im Vergleich zu Bay's Roboter-Spektakel, die 10-fache Tiefe erreichen. Die Figuren im Joe-Universum haben nämlich deutlich mehr erlebt, als Transformers-Sam, der so rüberkommt, als hätte er gerade erst die Grundschule beendet. Ihre Vergangenheit wird zwischenzeitlich in Rückblenden erzählt und sorgt, zusammen mit einigen Zwischenmenschlichen Beziehungen und, mehr oder weniger, überraschenden Wendungen, für eine gesunde Portion Inhalt. Sicherlich reicht dieser bei weitem nicht aus, um "G.I. Joe" "inhaltsstark" nennen zu können, aber immerhin bietet er in dieser Beziehung mehr, als seine Sommerblockbusterkollegen. Wirkliche Liebes- und Dramaszenen gibts übrigens nur selten. Man braucht also keine Angst vor schnulzigen "Ich liebe dich so unglaublich!"-, oder "Neeeein, er ist anscheinend tot!"-Szenen haben. Damit ist "G.I. Joe" eindeutig leichter zu "ertragen", als "Wolverine" und "Transformers 2".
Ansonsten ist die Story, genauso wie die Optik des Films, einfach nur "unrealistisch". Da könnte man, nach den ersten Trailern, zwar schon selber drauf gekommen sein, aber ich erwähne es hier trotzdem nochmal. "G.I. Joe" ist eine Spielzeugverfilmung und genau so schrill und abgedreht kommt er auch rüber. Überall sind bunte, leuchtende Knöpfe, Waffen und Ausrüstung sehen aus wie im örtlichen Toys'R'us gekauft, alles explodiert, wenn man es nur anschaut, die Guten werden in Schießereien (fast) nie getroffen, Jeder hat immer einen guten Spruch auf Lager und die physikalischen Gesetzte scheinen ausgeschaltet zu sein. Da muss man drauf stehen. Wenn man das tut ist dieser Film ein wahres Fest. Vor allem in den, nicht gerade seltenen, Actionszenen kracht es ordentlich. "G.I. Joe" sind die auf Zelluloid gebannten Fantasien eines 10-jährigen, der gerade dabei ist seine LEGO Autos in ihre Einzelteile zu zerlegen, indem er sie mit voller Wucht auf den Boden haut. Ja, so lässt sich der Film wohl am besten beschreiben.
Was ein wenig negativ auffällt sind die CG-Effekte. Oft sind sie super und harmonieren gut mit handgemachten Explosionen und herumwirbelnden Objekten, stellenweise erkennt man aber zu deutlich, dass es sich um Computereffekte handelt. Ok, ich kann versuchen das ganze wieder schön zu reden, indem ich sage, dass diese "Videospieloptik" die Actionfigurherkunft des Films gekonnt unterstreicht, aber ich gebe zu: in Bezug auf die CGIs hat "Transformers 2" ganz klar die Nase vorn.
So schlimm, wie man nach manch einem YouTube Clip vermuten könnte, sehen die Effekte dann aber doch nicht aus.
Was gibt es sonst noch zu sagen? ...
Die Darsteller schauspielern ihren Rollen entsprechend. Das heißt nicht wirklich grandios, aber angenehm überzeichnet.
Der Humor ist bei weitem nicht so "dämlich" wie in Michael Bay's Genrekollege und sorgt für einige wohl platzierte Lacher. Überhaupt nehmen sich die Joes nicht wirklich ernst. Man hat manchmal das Gefühl, als ob die Charaktere wissen, dass sie eigentlich Actionfiguren sind, was "Transformers", "Wolverine", oder "Terminator 4" im Vergleich extrem ernst und trocken erscheinen lässt.
Auch in Sachen Brutalität lässt "G.I. Joe" die Konkurrenz hinter sich. Er ist nicht wirklich blutig, aber Kopfschüsse (mit explosiven Pfeilen!), brennende Menschen, Schnittwunden, ein hoher Body Count und sich blutig prügelnde Kinder rechtfertigen die "ab 16"-Freigabe.
Laut, lauter, "G.I. Joe"! Für mich ist er ganz klar der beste "No-Brainer" des Sommers.
Wenn man über riesige Logiklöcher, eine geradlinige Handlung und die bunte Spielzeugoptik hinwegsehen kann, bekommt man eine Spaßgranate, die einem Action, lockere Sprüche und abgedrehte Technikspielereien im Sekundentakt um die Ohren haut. Gelungene Effekte, hübsche Frauen und eine große Portion Selbstironie steigern das Unterhaltungsniveau zusätzlich. Ich persönlich bin begeistert und freue mich schon jetzt auf Teil 2. Bin mir sicher, dass nicht Jeder so positiv gestimmt sein wird, wie ich, wem aber schon "Transformers" gefallen hat wird auch von den Joes begeistert sein. Für mich eindeutig der Sieger im Kampf um die Sommerblockbusterkrone.
YO JOE!
Handlung: 7/10
Darsteller: 7/10
Inszenierung: 8/10
Unterhaltungswert: 10/10
Action (max. 3 Sterne)
: ***
Spannung: *
Humor: *
Gefühl: *
Anspruch: -
Gesamtwertung: 8.0/10 Punkte
Ach ja, fast vergessen: die deutsche Stimme von Duke ist ja mal ätzend! Die passt überhaupt nicht und hat mir tatsächlich die ein oder andere Szene vermiest.
