Tammy
Nicht wirklich gut, aber dennoch eine irgendwie sympathisch-verquere Komödie mit emotionalem Unterbau und besser als ich nach den teils vernichtenden Kritiken gedacht habe. Getragen wird dieses Road-Movie von Melissa McCarthy und Susan Sarandon, die hier, befreit von schwerem Storyballast, als grobschlächtige Enkelin und alkoholsüchtige Großmutter durch Amerika heizen, platte Zoten raushauen und manchmal ein wenig rührselig werden.
Also nichts neues an der Komödien-Front und weit davon entfernt eine ernstzunehmende Komödienempfehlung zu sein, aber doch erstaunlich "nett" und zuweilen (insbesondere in der ersten Filmhälfte) sogar recht witzig, was vor allem an McCarthys körperlicher Klamauk-Präsens liegt. Ja, sie ist sozusagen der weibliche Kevin James und spielt die immerzu selbe Rolle, aber dafür liebe ich das Pfundsweib. Auch hier wettert sie sich wieder unsympathisch-charmant und irgendwie mitleidserregend durch den Film. Susan Sarandon hingegen hat sicherlich schon bessere Charaktere gespielt und wird stellenweise echt unter der Gürtellinie verkauft, harmoniert aber immerhin gut mit ihrer Film-Enkelin. In Nebenrollen gibt es dann sogar noch große Namen wie Dan Aykroyd zu sehen.
Das größte Problem von
Tammy wird sein, dass der Film als Schenkelklopfer-Komödie vermarktet wird, es eigentlich aber gar nicht ist. Während McCarthy regelmäßig deftige Sprüche raushaut und gekonnt aufs Gesicht fällt, schleicht sich eben doch relativ häufig ein ernster Unterton ein, der Themen wie Familienprobleme, verschwundene Lebensfreude, Alkoholsucht und Versagen aufwirft. Jedoch nicht so ausgeprägt und gut umgesetzt wie in anderen Dramödien. Und an dieser Stelle hat
Tammy eben zu kämpfen. Der Film ist weder eine herausragende Komödie, noch eine ernstzunehmende Bereicherung der Indie-Tragödien-Szene, weder Fleisch noch Fisch. Dazu kommt noch McCarthy in ihrer gewohnten, fülligen Standard-Rolle, viele vorhersehbare, uralte Witze und eine nur hauchdünne Rahmenhandlung. Von daher kann ich die negativen Meinungen sehr gut nachvollziehen, muss den Film aber dennoch etwas in Schutz nehmen, weil die meisten wahrscheinlich eine Gag-Parade der Marke
Hangover & Co erwartet haben, was er aber nicht ist und auch gar nicht sein will. Habe die 90 Minuten jedenfalls mit einem herzlichen Grinsen im Gesicht gut überstanden und kann, gemessen an meinen Erwartungen, daher schon fast von einer positiven Überraschung sprechen. Auch wenn das Ganze wieder schnell vergessen sein wird.
5/10 Fruchttaschen