Mit "My name is Earl" kann ich ja überhaupt nichts anfangen. Diese Ansammlung von geistig behinderten Redneck-Klischees ist einfach nicht witzig, nur ermüdend. Noch problematischer ist ja, dass man die echten Rednecks kaum toppen/persiflieren kann und die dadurch oftmals sogar viel witziger sind als die Serie

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Ich schaue MNIE gerade zum vierten Mal, bisher nur auf Englisch, diesmal auf Deutsch und finde es immer wieder spitze. Ermüdend finde ich die Klischees auch nicht. Im Gegenteil, da Earl endlich nochmal richtig derben, politisch unkorrekten, dummen Humor bietet, der das Herz dennoch am rechten Fleck hat und sich damit positiv von den ganzen ausgelutschten Beziehungs- und RomCom-Sitcoms abhebt. Ich lache mich da jedenfalls regelmäßig schlapp. Ist, neben Scrubs, Friends, Futurama und Community, auch in meiner Genre Top 5 zu finden.
Carrie (2013)
Carrie ist wieder einer dieser Filme, welche die Remake-Hater und
"Früher war alles besser!"-Vertreter aus ihren altertümlichen Löchern kriechen lässt. Denen sei gleich gesagt, dass ich einen feuchten Furz auf literarische Vorlagen oder vergangene Verfilmungen lege, weil ich finde, dass jedes Produkt es verdient hat, alleinstehend betrachtet zu werden. Und dann ist mir auch egal, dass Brian De Palmas Verfilmung - die ich jedoch nie gesehen habe - vielleicht noch tiefgründiger ist und Stephen Kings Romanvorlage das gestörte Mutter-Tochter-Verhältnis, sowie die Hintergründe feiner zeichnet. So lange mich die neue Carrie unterhält, und das tut sie, ist doch alles tutti. Da braucht es meiner Meinung nach nicht immer eine zwanghafte Gegenüberstellung, wobei ich prinzipiell natürlich nichts gegen Vergleiche habe und sie zeitweise sogar angebracht sind. Man sollte gerade Remakes und (verspätete) Fortsetzungen aber nicht immer sofort (meistens noch bevor man das Endergebnis überhaupt gesehen hat) verurteilen, nur weil das Original angeblich ja sooo gut war und da sicherlich keine Neuverfilmung jemals herankommen wird. Das halte ich für überstürzt und den Neuinterpretationen/Fortsetzungen gegenüber einfach ungerecht. Aber genug gestänkert.
Im Grunde ist
Carrie '13 eine übernatürliche Coming-of-Age Story. In der Schule gemobbt und zu Hause von ihrer religiös wahnhaften Mutter unterjocht, entdeckt Carrie, die eigentlich nur versucht sich in die jugendliche Gesellschaft zu integrieren, dass sie telekinetische Fähigkeiten besitzt. Joa, eigentlich war das auch schon die ganze Handlung und das ist auch gut so. Reduziert auf die wichtigsten Leitmotive der literarischen Vorlage (gestörte Mutter, Erwachsenwerden, Telekinese, Hass/Rache), transportiert die Neuverfilmung die schrecklichen Ereignisse gekonnt in das neue Jahrtausend (Gemobbt wird diesmal z.B. auch über das Internet) ohne den Kern der Vorlage zu vernachlässigen. Simpel, aber effektiv, würde ich sagen. Die Geschichte ist spannend, besitzt den unverkennbaren King'schen Aufbau, wird getragen von herausragenden Hauptdarstellern, dezent eingesetzten, aber überzeugenden (Telekinese-)Effekten und einem intensiven Sounddesign. Wenn Carrie in einen Konflikt mit ihrer Mutter gerät, man durch ein tiefes Wummern aus dem Subwoofer förmlich ihre aufkeimenden Aggressionen spürt und sich selbige daraufhin explosionsartig entladen, indem das gerade noch schüchterne, junge Mädchen das gesamte Mobiliar des Wohnzimmers an die Decke schießen lässt, dann hat man durchaus einen gewissen Respekt vor dem fiktiven Charakter, den Schauspielern und zudem noch eine Gänsehaut.
Ja, ich finde
Carrie '13 gelungen. Der temporeiche, sich immer weiter zuspitzende Handlungsaufbau ist grandios, die (in ihrem Rahmen) glaubwürdig inszenierte und fachgerecht in das Jahr 2013 verfrachtete Szenerie stimmungsvoll und die Schauspielerei schlichtweg super. Dass man (anders als in der Buchvorlage) nur wenig über das Vorher und Nachher erfährt, einige Aspekte lediglich stiefmütterlich behandelt werden und die psychologischen Themen und familiären Konflikte nur das Fundament für eine verhältnismäßig oberflächliche Achterbahnfahrt der Gefühle eines übernatürlich begabten Mädchens legen, empfinde ich dabei gar nicht mal als besonders negativ, da sich dieser kurzweilige, aber intensive Ausschnitt aus Carries Leben insgesamt sehr rund anfühlt. Frischzellenkur geglückt, Carrie ist eindeutig im rasanten YouTube-Zeitalter angekommen, wenn auch auf Kosten einiger dramaturgischer Details.
7/10 Bibelstunden