Lost Girl - Staffel 1
Einleitend einige Worte zur Storythematik: Bo (sexy: Anna Silk) ist eine Fae, eins von vielen uralten, (meist) menschlich aussehenden, aber mit übernatürlichen Eigenschaften ausgestatteten Wesen. Genauer gesagt ein Sukkubus, welcher, um es auf den Punkt zu bringen, ein weiblicher, dauergeiler Wolverine ist. Heißt: Sie lebt von sexueller Energie, saugt selbige aus ihren Opfern heraus, kann mit ihrer eigenen andere Personen verführen und manipulieren und besitzt Selbstheilungskräfte, die jedoch nur beim Sex aktiviert werden. Als dämonische Verführerin mischt sie nun, zusammen mit Cop-Fae-Lover Dyson (lässig: Kris Holden-Ried) und menschlicher Sidekick-Freundin Kenzi (zuckersüß: Ksenia Solo) die zweigeteilte und rivalisierende Fae-Welt auf.
Am ehesten kann man
Lost Girl tatsächlich mit Genregrößen wie
Buffy oder
Angel vergleichen. Auch wenn die kanadische Produktion nie die Genialität der Joss Whedon-Serien erreicht, bedient sie sich doch einem recht ähnlichen Schema, das sich grob aus folgenden Bausteinen zusammensetzt: Gut geschriebene Charaktere, Romanzen, übernatürliche Detektivgeschichten, Humor und hier zusätzlich noch Sex. Ja, in
Lost Girl dreht sich, bedingt durch die sexuell überambitionierte Protagonistin, alles um Liebe, Lust und den Austausch von Körperflüssigkeiten bzw. Lebensenergie. Es wird also am laufenden Band geflirtet, gefummelt, fae-führt und in allen Variationen (Frau und Mann, Frau und Frau, drei und mehr, etc.) gesexelt. Trotzdem fae-kommt
Lost Girl nie zu einer platten Orgie, wie manch andere US-Produktion zur Zeit. So gibt sich
Lost Girl zwar immer sexy und erwachsen, wirkt glücklicherweise aber nie gezwungen anrüchig.
Das liegt zum einen an den guten Schauspielern, die ihre sexuell aufgeladenen Charaktere sympathisch und nachvollziehbar fae-körpern und zum anderen am häufig eingestreuten Humor, der die teils trashig anmutenden Geschichten und Figuren gekonnt "ironisiert" und ihnen ein wenig die verbitterte Ernsthaftigkeit nimmt. Das Ergebnis ist eine humorvolle, spritzige und erotische Fantasy-Serie, die sich selbst nie zu, aber doch so ernst nimmt, dass man sie als Zuschauer auch ernst nehmen kann. Trotz einiger comichafter Elemente, mäßiger TV-Effekte und steifer Action - nein, die Action ist wirklich nicht gut, glücklicherweise aber auch nicht der Kern dieser Serie.
Verhältnismäßig schwach ist auch die Rahmenhandlung. Jedenfalls in der ersten Staffel. Bis auf die übliche Selbstfindung, Aufklärung der Vergangenheit und einer etwas holprigen Dreiecksbeziehung, bietet
Lost Girl bisher noch nicht viel. Man erkennt zwar einen episodenübergreifenden Spannungsbogen und einzelne angedachte Höhepunkte in der Geschichte, wirklich packen will einen die rudimentäre Gute-gegen-böse-Faes-Story aber noch nicht. Wobei es zum Ende hin einige durchaus interessante Entwicklungen gibt, die einiges an Potential vermuten lassen. Bisher würde ich
Lost Girl aber eher als kurzweilige Fantasy-Detektivgeschichte ansehen, bei der ich vor allem die unterhaltsamen Einzelfälle schätze, in denen man auf allerlei mystische Wesen und Geschichten trifft. Zum fae-tastisches Storytelling fehlt einfach noch der obligatorische rote Faden (Die "Wo komme ich eigentlich her?"-Sache fand ich diesbezüglich ein wenig schwach).
Kurzum:
Lost Girl ist (noch) nicht perfekt. Die rahmende Handlung ist nur solide Genrekost, Effekte und Action bewegen sich auf durchschnittlichem TV-Niveau und die leicht überspitze Thematik mag nicht jedem gefallen. Dennoch erkenne ich hier unzählige spannende Ansätze, überaus sympathische und vielversprechende Charaktere (einen entzückenderen Sidekick als Kenzi habe ich schon lange nicht gesehen) und eine frische Storyidee. Sollten sich die Autoren in den kommenden Staffeln (in Kanada wurde gerade bereits die fünfte bestellt) mehr auf die guten Figuren konzentrieren und zudem einige mysteriöse Story-Zugpferde einsetzen, könnte das echt was richtig, richtig gutes werden. Heute geht's gleich mit Staffel 2 weiter.
7/10 fae-mose Wortwitze