Frozen Ground
Nach den stimmungsvollen Trailern habe ich hier etwas mehr erwartet. Dennoch ist
Frozen Ground ein kurzweiliger Spannungsfilm mit einer ambitionierten, auf wahren (und daher um so widerlicheren) Ereignissen basierenden, Serienmördergeschichte, einer unterkühlten Atmosphäre und einem erschreckend gut aufspielenden Cast.
Der größte Kritikpunkt ist sicherlich das überaus hohe Erzähltempo. Autoren- und Regie-Newcomer Scott Walker drückt nämlich von der ersten Minute an gehörig aufs Gas und beginnt dort, wo andere Thriller aufhören, nämlich in dem Moment, wo sich die Beweislage verdichtet und die Schlinge um den anscheinenden Mörder - der in Alaska der 80er Jahre über 30 Frauen entführt, vergewaltigt und danach im Wald ausgesetzt hat, um Jagd auf sie zu machen - bereits zuzieht. Das macht die Beweissuche zwar sehr kurzweilig, wirkt zeitweise aber stark gerafft und oberflächlich. Viel Raumzeit zur Entfaltung bleibt den Charakteren daher nicht, was schade ist, wenn man sich das hervorragende Schauspiel anschaut, welches nicht nur John Cusack als außergewöhnlichen Charakterdarsteller bestätigt, sondern auch Nicolas Cage zu alter Höchstform auflaufen lässt und Vanessa Hudgens endlich als ernstzunehmende Darstellerin etablieren oder wenigstens in die Erinnerung einiger Casting Agenturen rufen dürfte. Optisches Highlight ist hier aber nicht der sexy strippende
High School Musical-Star, sondern eindeutig 50 Cent als langhaariger Zuhälter im Blaxploitation-Gedächtnisoutfit.
Wer einen flott erzählten, spannenden Killer-Thriller vor beeindruckender, authentischer 80er-Alaska-Kulisse und mit talentierten Darstellern sehen möchte, ist mit
Frozen Ground gut beraten. Hätte man den interessanten Figuren und dramatischen Entwicklungen mehr Zeit gegeben, hätte der Zodiac-Killer wahrscheinlich das erste Mal Konkurrenz bekommen. So bleibt David Finchers
Zodiac jedoch weiterhin der meiner Meinung nach uneingeschränkte Genrekönig und der gefrorene Boden eher sein kleiner, oberflächlicher, aber trotzdem sehenswerter Thriller-Bruder.
6/10 (Frauen)Jagdtrophäen