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Trance
Danny Boyles (28 Days Later, Sunshine, Slumdog Millionär) neustes Werk ist ein famoses Verwirrspiel, ein treibender Thriller, bei dem der Zuschauer niemals so recht weiß, was nun Fakt und was Fiktion ist. Zu dieser Bewertung kommt diesmal aber nicht der anspruchslose Uwe Boll-Fan, sondern der Cineast und tatsächliche Filmliebhaber in mir. Trance ist nämlich einer dieser wenigen, wirklich besonderen Filme, die von ihrem Inhalt und hypnotisierender Umsetzung leben.
Die Story handelt dabei von... ähm, nein, diesmal werde ich bewusst nicht auf die Handlung eingehen und nur ein paar rahmende Stichworte nennen: Ein Kunstraub, ein verlorenes Gemälde, Amnesie und eine Hypnotherapie. Worum es im groben geht, sollte man sich damit zusammenreimen können. Näheres werde ich, der intelligenten und spannenden Erzählweise zu liebe, nicht ausführen. Ganz ähnlich wie bei Christopher Nolans Inception verschwimmen hier nämlich regelmäßig die Grenzen zwischen "Traum" und Realität. Über das, was nun wahr, was unwahr, was tatsächlich passiert und was nur eingespeiste Erinnerung ist, wird man als Zuschauer nur Schritt für Schritt aufgeklärt. Wobei sich Inception, im direkten Vergleich, eher wie die Michael Bay-Holzhammer-Version von Trance anfühlt. Krachende Action oder, im Nachhinein, nachvollziehbares Schubladendenken gibt es hier nämlich nicht. Stattdessen konstruieren die Drehbuchautoren ein wirres, zeitweise vielleicht sogar etwas zu zerfahrenes, Puzzle, das sich nur langsam zusammenfügt, einiges an Aufmerksamkeit erfordert und es trotzdem immer wieder schafft den mitdenkenden Rätselfreund an der Nase herumzuführen.
Eingefangen hat Danny Boyle diesen cleveren Plot in faszinierende Neon-Bilder, die mit Farben, Formen und anderen Effekten spielen und die Sein oder Schein-Thematik so gekonnt untermalen. Zusätzlich getragen von einem treibenden Score und dargeboten von talentierten Schauspielern (Wie kommt so ein ulkiger Kerl wie Boyle eigentlich zu einer dermaßen weiblichen Frau wie Rosario Dawson?) entfaltet sich eine intelligente Schnitzel- bzw. Erinnerungsjagd, die es sich zu schauen lohnt und sowohl inhaltlich als auch audiovisuell zu begeistern vermag. Die etwas zu dick aufgetragenen Storyverknotungen im späteren Verlauf und einige nicht immer hundertprozentig glaubwürdigen Entwicklungen sorgen für überschaubare Abzüge in der B-Note. Wer einfach nur clevere Blockbuster-Action will, schaut Inception, Freunde verwirrend-guter Kammerspiel-Thriller mit Musikvideoästhetik und alle, die Rosario Dawson komplett nackig sehen wollen (Verzeiht mir diese plumpe Werbemasche, aber irgendwie muss man die Skeptiker ja zum Schauen überreden - der Film hat es schließlich verdient.
), sollten diesen feinen Genrefilm am besten schon gestern in den Player hauen. Ich glaube, Mr. Boyle kann einfach keine schlechten Filme drehen und beherrscht zudem noch jedes Genre. Großartiger Regisseur und Geschichtenerzähler und großartiger Film.
9/10 Sitzungen
Deine Reviews sind wirklich toll geschrieben, musste ich eben mal so loswerden, top



