In Time
Bei Autor und Regisseur Andrew Niccol, der immerhin für Genreperlen wie Die Truman Show, Gattaca oder Lord of War verantwortlich ist, und dem brauchbaren Trailer, habe ich dann doch etwas mehr erwartet.
In Time ist ein seichter Sci-Fi-Film mit hochinteressanter Storidee (In naher Zukunft altern die Menschen ab 25 Jahre nicht mehr, müssen für ihre verbleibende Lebenszeit, die gleichzeitig die einzige Währung darstellt, jedoch arbeiten. Heißt: Zeigt deine digitale Unterarmuhr 0 an, bist du tot. Gehst du arbeiten, bekommst du 8 Stunden gutgeschrieben. Kaufst du einen Kaffee, verlierst du 30 Minuten, etc.), die jedoch kein bisschen zu Ende gedacht wurde. Vieles wirkt unüberlegt, manches dadurch gar comichaft überzeichnet. Fast schon albern. Es wird nichts erklärt, die Antagonisten sind eindimensional, das Ende ist unbefriedigend und Spannung nahezu nicht vorhanden. Was schon eine Leistung ist, da die Protagonisten doch eigentlich dauernd unter Lebenszeitbeschaffungsdruck stehen und dadurch für ein kontinuierlich hohes Spannungslevel sorgen müssten. Wie gesagt: Das Grundgerüst ist super und der Film beginnt verheißungsvoll, mit jeder weiteren Filmminute wird In Time jedoch vorhersehbarer und uninspirierter, bis er schlussendlich in einer bescheuerten, modernen Robin Hood-Interpretation gipfelt.
Dazu gibts eine unaufregende Inszenierung, einen quasi nicht vorhandenen 08/15-Soundtrack und mäßige Schauspieler. Ich kann nicht dafür, aber ich nehme Justin Timberlake seine Rollen einfach nicht ab. Er ist kein mieser Darsteller, wird aber regelmäßig von seinen Kollegen an die Wand gespielt. Hier auch. Naja, immerhin ist Olivia Wilde als 50 jährige Filmmutter von Timberlake hübsch anzusehen, Johnny Galecki (Leonard aus TBBT) darf endlich in einem Kinofilm mitspielen und Glubschauge Amanda Seyfried besticht durch ihren gewohnt glubschig-süßen Augenaufschlag. Ach ja, Cillian Murphy ist auch dabei, bleibt aber leider ebenfalls blass.
Insgesamt bin ich von In Time relativ enttäuscht. Es ist beileibe kein schlechter Film, lässt aber an allen Ecken und Enden Feinschliff vermissen und verschenkt Unmengen an Storypotential. Sonderlich spannend ist die dahinplätschernde Handlung, die gleichzeitig auf mehreren uninteressanten Hochzeiten tanzt (Flucht vor Zeitgangstern, Flucht vor Zeitpolizeit, Liebesbeziehung, bisschen Gesellschaftskritik, Vater-Tochter-Story, usw.), ebenfalls nicht und ansonsten wird auch nur durchschnittliche Kost geboten. Schade um das interessante Konzept und die wenigen gelungenen Momente.
5/10 Stunden