Spannender, sowie sehr unterhaltsamer Old-School-Thriller, der eine aufregende Verschwörungsstory ganz klassisch erzählt und sich dabei glücklicherweise nie zu ernst nimmt. Wobei ich ihn nun nicht unbedingt als selbstironisch oder gar parodistisch bezeichnen würde, sondern eher als bewusst überzeichnete Genrehommage. Das merkt man bereits am titelgebenden (Anti-)Helden Jack Reacher (Passt wie die Faust aufs Auge: Tom Cruise), der eigentlich den perfekten Klischeeactionhelden darstellt: Er hat immer einen obercoolen (und tatsächlich erstklassik geschriebenen) Spruch auf den Lippen, einen waghalsigen Notfallplan im Ärmel und immerzu den richtigen Einfall zur richtigen Zeit. Dazu beherrscht er nahezu jede Kampfsportart, trifft immer sein Ziel und die Frauen (Ich wusste gar nicht, dass sie so gut bestückt ist: Rosamund Pike) liegen ihm zu Füßen (
"Würden Sie sich bitte etwas anziehen?"). Ein Klischeecharakter wie er im Actionbuche steht, hier aber derart auf den Punkt gebracht und ganz gezielt überspitzt, dass es eine wahre Freude ist diesen altbekannten, aber auch heute noch tadellos funktionierenden Genreabläufen zuzuschauen.
Das gleiche gilt für die Handlung. Neu ist daran gar nichts, auch bleiben die Hintergründe und Antagonisten (Endlich noch mal vor der Kamera zu sehen: Werner Herzog) relativ unpräzise. Dafür verstehen es die Autoren einen ausgeprägten Spannungsbogen aufzubauen und dabei noch hervorragend zu unterhalten. Actionszenen gibt es übrigens verhältnismäßig selten zu sehen. Wenn, dann rummst es aber erstaunlich ehrlich, ohne doppelten Boden und Netz, sondern wie im guten alten 80er-Jahre-Actionkino. Da fliegen hauptsächlich Fäuste in toll choreographierten Schägereien (Die Badezimmerprügelei.

), Kugeln in kernigen Schießerien (inkl. einiger spitzenmäßiger Scharfschützenszenen) und Autoteile in rohen Verfolgungsjagden. Als angenehm anders empfand ich auch das Detail, dass nahezu komplett auf einen Soundtrack/Score verzichtet wurde. Während bei anderen Genrevertretern meist treibende Beats die Action untermalen, gibts hier nur den wummernden Motorensound des 1970er Chevelle SS oder durchdringende Sniperschüsse auf die Ohren. Das macht die explosionsarmen Auseinandersetzungen sogar noch authentischer.
Insgesamt hat mir
Jack Reacher extrem gut gefallen. Ein klassischer, handgemachter Thriller, mit tollen Schauspielern, wohldosierter Action und klasse Dialogen. Erinnert vom Old-School-Faktor her ein wenig an Filme wie
Shooter oder
Spartan. Von mir aus dürfen sie da gerne eine neue Filmfranchise draus zimmern. Ich würde mich jedenfalls sehr über zukünftige Actionexzesse mit dem, durch nichts aus der Ruhe zu bringenden, Ultramarine Jack Reacher freuen. Der Kerl könnte echt der Sohn von Chuck Norris sein.
