Savages
Hier ist der Name Programm: Savages ist ein wildes Potpourri aus allerlei Genrebausteinen. Ein hipper Drogenfilm, fieser Entführungsthriller, solides Drama und bitterböse Komödie zugleich. Verpackt in gegensätzliche, ästhetisch-schmutzige, zwischendurch sogar ein wenig psychedelische Aufnahmen. Weder Fleisch, noch Fisch, aber gerade deswegen interessanter als die meisten anderen Von-der-Stange-Drogenthriller.
Leider siegt aber auch hier schlussendlich der Stil über die Substanz. Jedenfalls zu Beginn, wo Savages eine überraschend geradlinige und unaufregende Dreiecksbeziehungsthrillergeschichte erzählt und nur langsam Fahrt aufnimmt. Um es kurz zu machen: Zwei kalifornische Neuzeit-Hippies und Pot-Produzenten (kalt wie Metall: Taylor Kitsch, warm wie Holz: Aaron Taylor-Johnson) legen sich mit einem mexikanischen Drogenkartell an, woraufhin ihre Freundin (Hübsch: Blake Lively) entführt wird. Originell ist sicherlich anders. Wäre da nicht Oliver Stones gelungene Erzählweise, die den Film eindeutig aus dem Genreeinheitsbrei heraushebt. Obwohl hier eigentlich nie außergewöhnlich viel passiert, können die geschliffenen Dialoge, die tollen Darsteller (u.a. Salma Hayek und ein grandioser John Travolta), von denen vor allem Benicio Del Toro als ekelhafter Auftragskillergärtner heraussticht, und nicht zuletzt das clevere Genrehopping unterhalten. Ja, sogar die Handlung zieht im letzten Moment noch an und entlässt den Zuschauer mit einer raffinierten Schlusspointe in den Abspann.
Savages ist beileibe kein neuer Natural Born Killers, dafür ist er viel zu verträglich und "mainstream", lässt aber dennoch Stones Handschrift erkennen (etwa der Wechsel zwischen Schwarz-Weiß und Farbe) und fühlt sich auch entsprechend ein wenig "anders" an. Es ist ein überzeichneter Blick in das skrupellose Drogengeschäft. Im Kern nicht wirklich neu und zeitweise etwas zu langatmig, aber insgesamt sehr gut geschrieben, fein bebildert und grandios gespielt. In diesem Sinne: Legt euch nicht mit Wal-Mart an!