The Greatest Movie Ever Sold
Morgan Spurlock ist zurück. Der Dokumentarfilmer, der uns vor einigen Jahren in Super Size Me über Fast Food aufklärte, thematisiert in The Greatest Movie Ever Sold nun das Product Placement. Seine Kritiker mögen nun behaupten, dass er wieder einen auf Captain Obvious macht - es weiß schließlich jedes Kind, dass Werbung erstunken und erlogen ist. Ich sehe in seiner neusten Doku aber nicht einfach nur den erhobenen Zeigefinger gegenüber manipulierender Werbung, sondern vielmehr einen interessanten Einblick hinter die Kulissen der Werbemaschinerie, immer mit der spannenden Frage im Hinterkopf, ab welchem Punkt diese Doku über Werbung eigentlich selber zur Werbung wird.
Als Aufzieher für diesen gelungenen Ausflug ins Product Placement-Gewerbe nimmt Spurlock den Film an sich. Mit der Idee einen Film über Werbung zu machen, der nur durch Werbung finanziert wird, tritt er an große und kleine Unternehmen heran und versucht sie als Sponsoren bzw. Werbepartner zu gewinnen. Was im kleinen Rahmen beginnt (ein relativ unbekannter Deohersteller ist der erste Partner), schlägt im Verlauf auf einmal große Wellen (plötzlich geht es um Millionenbeträge und seitenlange Werbeverträge) und überrascht sogar den erfahrenen Entertainment-Dokumentaristen. Kann er den Film am Ende eigentlich noch so auf den Markt bringen, wie er ursprünglich wollte oder wird schlussendlich alles von seinen Werbepartner diktiert? Wie kann er also objektiv bleiben, obwohl er von den Geldern der Unternehmen abhängig ist?
Was folgt ist ein ziemlich informativer und spannender Beitrag über die Werbewelt. Ich fand es jedenfalls hochinteressant zu erfahren, dass Hersteller teilweise die Drehbücher von Filmen beeinflussen, um ihre Produkte besser darstellen zu können; Konzernvorsitzende häufig gar keine Ahnung darüber haben, was genau sie da überhaupt anbieten; oder, dass der amerikanische Fernsehsender Channel One News 8000 Schulen im ganzen Land kostenlose Fernseher zur verfügung gestellt hat, unter der Bedingung, dass die Schüler täglich 12 Minuten ihren Sender sehen müssen (Wohlgemerkt während des Unterrichts!), wodurch sie über 6 Millionen Menschen erreichen und dementsprechende Preise für ihre Werbeblöcke verlangen können.
Zu Wort kommen dabei u.a. Werbeopfer (also wir), Werbemacher, Werbekäufer und sogar der ein oder andere Hollywood-Regisseur (etwa J.J. Abrams und Quentin Tarantino). Vorgetragen wird das Ganze, wie von Morgan Spurlock nicht anders gewohnt, locker-leicht, frech und unterhaltsam.
Ankreiten kann man The Greatest Movie Ever Sold höchstens, dass er, wie eingangs bereits erwähnt, in gewissermaßen kaum neue Perspektiven eröffnet. Dass die Werbebranche häufig skrupellos agiert und die Menschen doch nur hinterhältig beeinflussen will, ist schließlich allgemein bekannt. Auch wird nie richtig klar, ob die Doku in irgendeiner Form von den Partnern beschnitten wurde. Wobei gerade diese Tatsache meiner Meinung nach eben auch ihren Reiz ausmacht. Es ist schon spannend zu sehen welchen (Werbe)Weg diese Produktion hinter sich hat und, dass die Werbung im Endeffekt sogar funktioniert haben muss, da ich die DVD sonst nämlich nicht gekauft hätte. Daher würde ich sagen: Ein gelungener Einblick in die Werbewirtschaft, genauer gesagt in das Product Placement im Film, der stellenweise durchaus etwas tiefschürfender bzw. kritischer hätte sein dürfen, ansonsten aber hervorragend unterhält und informiert.
7/10 Pferdeshampoos
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