Nachdem Tim Burton mit
Alice im Wunderland einen merklichen Qualitätseinbruch erlitt, findet er mit
Dark Shadows - der filmischen Neuinterpretation der gleichnamigen 60er Jahre US-Serie - wieder zu alter Stärke zurück (jedenfalls fast) und liefert eine schräg-schöne Fantasy-Komödie ab.
Die Idee, dass ein blutjunger Vampir (herrlich verschroben: Johnny Depp), gegen seinen Willen, eingesargt wird, nur um 200 Jahre später, genauer gesagt in den 1970er Jahren, ausgegraben zu werden und dort nicht nur mit den fortschritten der Technik, sondern auch seiner alten Nemesis (verführerisch: Eva Green) konfrontiert zu werden, ist absolut erfrischend und bildet die Grundlage für allerlei verrückte Situationen.
Gelacht werden darf dabei daher überraschend oft, was ich im Vorfeld nicht erwartet hätte. Man sollte jedoch etwas mit dem typischen, bizarren Burton-Humor anfangen können, damit der Film richtig zündet. Genau so charakteristisch für Burton ist die fantasievolle, mit Liebe ausgearbeitete und überwiegend düstere Optik. Dabei erschaffen die Kostümkünstler ein wunderschönes, glaubhaftes 70er Jahre-Setting, das nur so vor zeitgenössischen Details strotzt und mit einigen ansehnlichen, computergenerierten Fantasyelementen aufgelockert wird. Besonders erwähnenswert ist noch der hervorragende Soundtrack, der nicht nur fetzige Pop- und Rock-Songs von damals, sondern auch einen gelungenen Score, made by Danny Elfman, vorzuweisen hat.
Begeistert hat mich weiter der absolut grandiose Cast. Gehen wir sie mal durch: Johnny Depp, wahrlich ein Meister seines Fachs, der auch in
Dark Shadows wieder mit gewohnt liebenswürdiger Schrulligkeit spielt. Michelle Pfeiffer, welche ebenfalls zu den bedeutsamen Größen Hollywood's gehört und auch heute immer noch eine hinreißende und schauspielstarke Frau ist. Jackie Earle Haley, ein Charakterkopf sondergleichen, der hier sein komödiantisches Talent beweist. Chloë Moretz, in meinen Augen eine DER Nachwuchsdarstellerin und ein wahres Ausnahmetalent, die diesmal ihre verruchte Seite zeigen darf (Pedobär, ich hör dich tapsen.

). Eva Green, betörend wie eh und je ... ach was, nennen wir das Kind beim Namen: Die Frau ist einfach nur rattenscharf und schafft es, mit nur einem einzigen Augenaufschlag, meine Hose zu sprengen!

Auch Frau Burton, Helena Bonham Carter darf natürlich nicht fehlen, genau so wie noch einige andere bekannte Gesichter und nette Cameos. Insgesamt eine traumhafte Besetzung, die in nahezu jeder Hinsicht überzeugen kann.
Kurz gesagt:
Dark Shadows ist eine wunderbare, spaßige Fantasy-Horror-Komödie. Humorvoll, schaurig-charmant, manchmal romantisch, dann wieder sehr sexy und überaus hübsch anzusehen (Und das nicht nur wegen Eva Green.) Etwas mehr Charakterzeichnung hätte den interessanten Figuren jedoch gut getan und das Finale überdreht dann doch ein wenig bzw. wirkt verhältnismäßig austauschbar, oder passender: blutleer. Ansonsten aber rundum gelungene, sehenswerte Burton-Depp-Kost und eine willkommene Abwechslung zum Hollywood'schen Komödien-Einheitsbrei.