Gestern mit Freunden eine Kino-Tour unternommen, wobei wir uns für zwei Filme entschieden haben. Sie haben mich in Transformers 3 geschleppt und ich sie dafür in "Wer ist Hanna?".
Transformers 3 (3D)
Eieiei...ganz harte Tobak. Ich kenne ja die beiden Vorgänger und weiß, dass Bay wenig von inhaltlichen Stärken hält, aber was hier abgefeuert wurde, ist schon sehr grenzwertig. Bay muss sein Publikum ja wirklich für unglaubliche Idioten halten und ich würde hier von einer Beleidigung für jeden denkenden Menschen sprechen. Man ist von sinn- und belanglos, aber immerhin erträglich, zu absolut lächerlich übergangen.
Ich verstehe ja, dass Bay auf brachiale Action setzt und seine Filme rein davon getragen werden, aber wieso zum Teufel foltert er einen rund 90 Minuten lang mit diesem geistigen Dünnschiss, den man einfach nicht Handlung nennen kann und der sich noch dazu selbst viel zu wichtig nimmt, bevor er dann endlich zu dem überleitet, was er wirklich gut drauf hat?
Ebenso die Schauspieler...LaBeouf schreit sich einfach nur durch den Film, Rosie Huntington-Whiteley ist furchtbar überflüssig und halt nach Fox das nächste Sex-Element der Bay-Maschinerie. Vom restlichen Cast will ich gar nicht sprechen, aber im Grunde sind sämtliche Darsteller eh nur reine Statisten fürs Protokoll. Ein Optimus Prime hatte mehr zu bieten als der gesamte, menschliche Cast zusammen.
Was auch absolut unerträglich war, ist dieser EXTREME Patriotismus, der einem hier ständig unter die Nase gerieben wird und bis zum Himmel stinkt. Die amerikanische Flagge, die traurig im Wind weht, die untermalenden, patriotischen Hymnen,...absolutes No-go.
...auch wenn ich alles drumherum einfach nur unterirdisch schlecht finde, aber die Action, diese unvergleichliche Zerstörungsorgie, lässt sich einfach nur als awesome bezeichnen und ist technisch nahezu perfekt inszeniert. Ja, es ist dumm und hirnverbrannt, aber ich habe nach mehr von diesen den Film alleine schulternden Elementen gelechzt.
Sie waren der Grund, wieso mich Transformers 3 trotz dem restlichen Totalabsturz halbwegs unterhalten konnte, zumindest soweit, dass ich nicht vorzeitig die Flucht aus dem Saal ergriffen habe.
Ah ja, den 3D Effekt fand ich übrigens klasse.
4/10 rein von Effekten und BOOM! getragene Punkte
Wer ist Hanna?
Gibt ja zu dem Film sehr viel durchwachsene Kritik und auch hier im Forum (was mich ehrlich gesagt überhaupt nicht wundert) kam er nicht gerade besonders gut weg.
Mich hat er aber völlig überrascht, da ich mit allem gerechnet habe, aber nicht mit einem derart fantastischen Film.
Audiovisuell absolut famos und durchgestylt, vor allem der Soundtrack der Chemical Brothers wirkt schon fast hypnotisierend und pumpt ordentlich Blut durch die Venen des Films.
Da wird nicht mit Effekthascherei gearbeitet, sondern mit perfekten Raum- und Licht-Arrangement und gewagten Kamerafahrten/schnitten, die eine beinahe surreale Stimmung erzeugen. Es wird zwischen Anmut und Aggression, Grazie und Gewalt hin und her gewechselt, mit interessanten Dialogen, allerhand skuriller und teilweise psychotischer Charaktere, so wie einem kräftigen Schuss Story...auch wenn diese in ihren Grundzügen recht simpel gestrickt ist, aber das Drumherum und Zusammenwirken aller Storyboard Elemente heben den Film deutlich aus der Genre-Masse heraus und geben ihm Tiefe und Substanz.
Allgemein sind es die ruhigen und "zwischemenschlichen" Passagen, die den Film scheinen lassen, auch wenn ich die temporeichen Szenen ebenso ansprechend fand, mit ihrer tollen Choreografie und der Tatsache, dass die Action zu keinem Zeitpunkt zum Selbstzweck verkam, sondern sich nahtlos in den Plot eingegliederte. Zwischen den ruhigen Phasen, die klar den Großteil ausmachen und den Action-Szenen, gibt es im Grunde kein Zwischending - 0 oder 100.
An der Besetzung kann man auch nicht klagen, wie zum Beispiel Cate Blanchett, die ich aber allgemein mag. Sie trägt zwar stellenweise etwas dick auf und neigt zum Over-Acting, aber das störte hier überhaupt nicht, ganz im Gegenteile sogar, passte sehr gut zu diesem manischen, eiskalten und perfektionistischem Kontrollfreak.
Star des Films ist aber ganz klar die junge Saoirse Ronan, die einfach eine ganz eigene Ausstrahlung und Charme besitzt. Hat wirklich perfekt in diese Rolle gepasst.
Gestört haben mich nur so manche Logik-Fehler, die ich aber im Kontext des Films nicht als allzu Schlimm empfand. Alles in allem ein sehr ungewöhnlicher Film, der zurecht die Meinungen spaltet. Etwas mehr Spielzeit hätte auch nicht geschadet, um so manche Szenen noch etwas mehr auszubauen.
Wer einen typischen Hollywood-Agenten-Thriller erwartet, ist hier definitiv an der falschen Adresse, da es sich hier um keinen banalen Action-Streifen handelt, wie es der Trailer vermuten ließ. Stattdessen erwartet einen eine poetisch-bizarre Reise, eine Selbstfindungsgeschichte (oder auch Coming of age), die zwischen brachialer Härte und gefühlvoller Zärtlichkeit wandert.
Sehe "Wer ist Hanna?"mehr in der Arthouse Richtung und würde ihn auch ganz salopp als den Bourne des Arthouse Kinos betiteln.
Ah ja, ich war übrigens der einzige aus der Runde, der den Film wirklich großartig fand. Der Rest hatte wohl falsche Erwartungen und gehören halt einfach mehr zur Gattung der Hollywood-Cineasten. D:
9/10