Tatsächlich erweisen sich die USA in der Studie eindeutig als beliebteste Destination unternehmerischer Entfaltung. Bei mehr als der Hälfte der Firmen, die im Ausland investieren wollen, rangieren sie unter den ersten drei Zielländern, ein gutes Viertel setzt sie auf Platz eins.
Wie groß die Unterschiede sind, kann
Holger Loclair gerade in einer Art Parallelverfahren verfolgen. Im US-Bundesstaat Massachusetts errichtet das von ihm geführte Unternehmen Orafol, ein weltweit tätiger Hersteller von Folien und Industrieklebebändern, ein neues Chemiewerk. Die Investitionssumme liegt deutlich über hundert Millionen Euro, die Anforderungen sind komplex. „Aber die erforderliche Baugenehmigung hatten wir nach vier Wochen“, sagt Loclair. Fördergeld gebe es „keinen Cent“. Man fühle sich jedoch auch als energieintensives Unternehmen „vorbehaltlos willkommen“, sagt er.
Am Stammsitz im brandenburgischen Oranienburg sieht das anders aus. Hier will Loclair 160 Millionen Euro investieren, wichtigstes Projekt ist ein 15.000 Quadratmeter großer Produktionskomplex „nach dem neuesten Stand der Technik“, wie er sagt. Leicht gemacht wird ihm das nicht. „Dass wir seit fast drei Jahren auf eine vollständige Baugenehmigung warten, ist für den deutschen Standort mehr als beschämend – und für uns ein Wettbewerbsrisiko“, erläutert Loclair. Wegen immer neuer behördlicher Nachforderungen fehle es „vollkommen an Verbindlichkeit“. Er frage sich „ernsthaft, ob man Orafol hier überhaupt noch haben will“.