Solche radikalen Umverteilungsfantasien sind nie ohne drastische Eingriffe in die Freiheit der betroffenen Gruppen durchführbar.
Für mich geht es in erster Linie gar nicht mal um "Umverteilung" zur Finanzierung staatlicher Ziele oder die Beschneidung irgendwelcher "Freiheiten" - das ist für mich eher nachrangig, wenn vielleicht auch im zweiten Schritt wichtig.
Der größte Nutzen dieser "Umverteilung" ist primär der Kampf gegen die Macht des Geldes (auch Lobbies etc). Eine dramatische Umverteilung nach "oben" ist in vollem Gange, kaum noch aufzuhalten und zeigt uns jetzt schon die böse Fratze aller Nachteile unserer derzeitigen Demokratieform, durch mittlerweile extreme Beeinflussung (auch Korruption) der Repräsentanten und natürlich auch der Medien. Die Situation wird nicht besser, wenn die Schere weiter auseinander klafft. Gemeinnützigkeit im Zusammenhang mit Stiftungen, Erbschaften an die nächste Generation etc. - alles das muss drastisch neu aufgestellt werden. Dazu zähle ich auch eine wieder einzuführende Vermögensteuer und die Zerschlagung von (Immobilien)vermögen im Erbfall für das Gemeinwohl. Die Differenzierung hinsichtlich Unternehmensvermögen ist mir als Steuerberater durchaus bewusst, aber auch das kann man lösen.
Wir sollten langsam alle begreifen, dass wir nicht mehr über irgendwelche "Freiheiten" diskutieren sollten, sondern vor allem über (auch unbequeme) Pflichten, um den nachfolgenden Generationen nicht vollends einen Trümmerhaufen zu hinterlassen. "Freiheiten" sind in Zukunft wohl anders zu definieren als heute. Wirtschaftliche Diskussionen sollten ohne die Einbeziehung einer "Gemeinwohlökonomie" gar nicht mehr stattfinden, denn der Kapitalismus, wie wir ihn bisher kannten, ist am Ende, und zwar genau so wie unser derzeitiges Demokratiemodell. Wir brauchen radikalpolitische Veränderungen, wenn wir noch irgendetwas erreichen wollen.
Was sich vielleicht wie eine ultralinke Betrachtung anhört, ist für mich lediglich ein Plädoyer
gegen den Neoliberalismus. Eine Kehrtwende muss m. E. zunächst drastisch aussehen, weil wir schon weit über das Ziel hinausgeschossen sind bzw. entgegen gearbeitet haben.