Inzwischen sind die Kredite an das Finanzministerium zurückgezahlt. Und CEO
Carsten Spohr kümmert sein Geschwätz von gestern offenbar kaum noch. Alles rechtens, heißt es beim Unternehmen. Es handle sich ja um langfristige monetäre Anreize, die erst ab 2025 ausgezahlt würden. Zudem habe der Vorstand in der Krise massiv auf Gehalt verzichtet. Der Bund habe mit seinen Anteilen an dem Konzern obendrein gutes Geld verdient. Und überhaupt, heißt es, werde im Management der Airline nicht überragend verdient.
Mag alles sein. Die Argumente gehen nur an der Sache vorbei. Wenn die Lufthansa mit ihren Bonuszahlungen durchkommt, ist das ein verheerendes Signal. Nach innen, weil in der Pandemie Zehntausende Mitarbeiter entlassen oder in Kurzarbeit geschickt wurden, um die Airline zu retten. Und nach außen, weil da ein gerade eben noch hilfsbedürftiges, weil sonst bankrottes Unternehmen die erstbeste Gelegenheit nutzt, um auszuscheren. Die Bundesregierung – und damit die Steuerzahler – sind düpiert. Der Bund kann seine eigenen Regeln kaum mehr durchsetzen, weil er inzwischen ja nicht mehr an dem Konzern beteiligt ist.
Was, wenn das Schule macht? Firmen mit einer ähnlichen Ausgangslage gibt es genug: TUI, Uniper,
Galeria Karstadt Kaufhof. Sie alle könnten argumentieren, dass es mit den angeblich ach so strengen Bedingungen für die Staatshilfe ja nicht so weit her sein kann. Wen kümmern schon Regeln, wenn sich keiner für deren Einhaltung interessiert. Siehe Lufthansa. Und es besteht kein Zweifel, dass viele schlitzohrige Manager und Milliardeneigner nur allzu gern durch diese von Spohr geöffnete Tür gehen würden.
Wer aber einmal so vorgeführt wird – und das auch noch vor aller Wähler Augen – der dürfte eigentlich keine große Lust verspüren, in der nächsten Krise wieder ohne zu zögern einzugreifen. Die reine Lehre müsste also lauten: Sucht euch dann doch bitte jemand anders.
Leider wissen alle Beteiligten, dass es kaum so kommen wird. Zu viel steht auf dem Spiel. Das Kind ohne geputzte Zähne aus dem Haus zu schicken, ist eben auch keine Option. Nur dass Dax-Vorstände eigentlich vorausschauender denken können sollten als Fünfjährige.