Krieg und die dazugehörige Kriegsberichtserstattung ist leider immer grausam, aber man darf im Krieg auch nicht jeden Bericht für bare Münze nehmen.
Im Krieg ist den Kriegsparteien jedes Mittel recht um sich selber in die für sie beste Position zu rücken. Von Russland weiß man, dass sie ganz bewusst mit ihrer Propaganda die Wahrheit verdrehen. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass die Ukraine da auch mal das eine oder andere anders darstellt, um ihre eigenen Ziele besser zu erreichen. Außenstehende können so etwas nie wirklich beurteilen, da die nur über das Berichten können, was sie selber sehen oder was ihnen von anderen berichtet wird.
Keiner weiß aktuell, was z.B. hinter diesen Gräueltaten in Butscha steckt.
Waren das tatsächlich wehrlose Zivilisten, die hingerichtet wurden oder aber urkrainische Wiederstandskämpfer, die die russischen Truppen angegriffen haben (die Regierung hat ja jedem Freiwilligen eine Waffe zur Verteidigung des Landes gegeben)?
Oder ganz perfide, könnten das auch durch ukrainische Truppen selber dort platzierte Opfer sein. Das will man sich nicht vorstellen, aber auszuschließen ist es aktuell auch nicht. Denn die Ukraine weiß ja, dass sie mehr Unterstützung durch den Westen bekommt, je größer Russlands Fehlverhalten ausfällt.
Ja, es ist sehr schlimm, was dort passiert und die Welt wäre definitiv besser dran, wenn Putin keinen Furz quer sitzen gehabt hätte.
Aber es ist nun mal so, dass dieser Krieg aktuell ausschließlich die Ukraine und Russland unmittelbar betrifft. Der Rest der Welt kämpft mit den weitreichenden Auswirkungen dieser Auseinandersetzungen.
In unserer Berichterstattung ist die Ukraine das Opfer und Russland der Aggressor. Daran gibt es auch nichts zu rütteln. Aber die ganzen Feinheiten dazwischen sind und bleiben vorerst für uns undurchsichtig.
Auch die Rufe von Selenskyj, dass der Westen kriegerisch eingreifen soll, sind am Ziel vorbei. Sie sind verständlich und an seiner Stelle würde ich sehr wahrscheinlich das gleiche fordern. Aber dazu darf es nicht kommen. Allein Selenskyj und Putin haben es in der Hand, dem ganzen ein Ende zu setzen.
Wenn einen die Medien zu dem Thema zu stark mitnehmen und im aktuellen Leben beeinträchtigen, dann bleibt nur der Verzicht darauf. Das ist auch keinesfalls verächtlich gemeint oder wird als Kopf in den Sand stecken gewertet. Aber Fakt ist, dass in der aktuellen Situation niemand von uns an der Lage der Ukraine etwas ändern kann. Wir als Einzelpersonen können lediglich für uns entscheiden, die negativen Auswirkungen stillschweigend zu ertragen, humanitäre Hilfe zu leisten, Flüchtlinge aufzunehmen, etc.
Der Stadtteil in dem ich wohne hat vor zwei Wochen zu einer großen Spendenaktion aufgerufen. Die Resonanz war überwältigend. Mein Nachbar ist in einem Konvoi aus 12 LKW und Reisebussen letztes Wochenende dann mit in die Ukraine gefahren und hat die Hilfsgüter rüber gebracht. Auf dem Rückweghaben sie dann Flüchtlinge mitgenommen, die jetzt in städtischen und teilweise sogar privaten Unterkünften untergekommen sind. Mehr können wir aktuell leider nicht tun.