Ich bin auch überaus gespannt auf Sonntag.
Aber ich weiß wirklich nicht, ob die alten "Gesetzmäßigkeiten", die Cale zitiert, heute noch gültig sind.
Die Situation hat sich einfach geändert - sowohl von der Spaltung der politischen Landschaft und Gesellschaft als auch im Parlament, das erstmals (afaik) klar keine Zweiterkoalition und keine "Volkspartei" mehr haben wird.
Der Anspruch der Partei mit dem größten Stimmanteil auf die Kanzlerschaft kommt ja daher, dass das eigentlich immer weit über 30% bedeutete. Da ist der logische Schluss, dass man eine Mehrheit der Bevölkerung vertritt, nicht fern. Aber wenn die Union jetzt mit 26% stärkste Partei wird heißt das immer noch nur, dass man ein Viertel der Bevölkerung hinter sich hat - nimmt man die FDP für das "büregerliche" Lager dazu ist man halt bei 35-40%.
Gleichzeitig heißt es aber auch, dass ca. 45% der Wähler ihre Stimme für eine linkere Politik (SPD, Grüne, Linke) abgegeben haben - das ist mindestens ein genauso starker Führungsanspruch auf dieser Seite.
Ebenso würde ich nicht drauf wetten, dass die Grünen unter schwarzer Führung koalieren. Die Gräben sind groß. In den Parteien, in deren Basis und v.a. bei der wählenden Bevölkerung. Ich kann mir nur schwerlich einen Koalitionsvertrag vorstellen, bei denen entweder die Grünen nicht komplett ihr Gesicht und ihre Substanz verlieren oder die Union ihre Kernpunkte aufgeben muss - was dann wieder den CSU-Faktor ins Spiel bringt, die dann drohen nciht mitzuspielen, wenn es z.B. um "Kleinigkeiten" wie dem Tempolimit geht.
Man kann als Grün nicht den Kern der Wahlkampfaussage machen, dass es kein "weiter so" geben wird und dann zwischen Schwarz und Gelb quasi für ein "weiter so" garantieren.
Auch Habeck kann da nicht unbedingt etwas dran ändern, auch wenn er sicher der Union näher steht als viele andere der Partei und Wählerschaft.
Ich glaube, wir können sicher sagen, dass das am Sonntag Neuland für uns wird - in vielerlei Hinsicht.