Oft hört man ja, dass gute Bildung nur durch ein starkes/wohlhabendes Elternhaus ermöglicht wird.
Ich konnte lange Jahre nicht viel damit anfangen, denn Schule ist Schule, und die ist ja kostenlos.
Mein Sohn (10) ist heute seit anderthalb Wochen auf dem Gymnasium, und so langsam bekomme ich eine Ahnung, woher die Aussage kommt.
Die Schulbücher für das 5. Schuljahr haben uns rund 360 Euro gekostet. Eine kostenpflichtige Ausleihe wäre möglich. Das zusätzliche Material kann ich spontan nicht beziffern, aber es kam nochmals ein nicht kleiner Betrag dazu.
Am ersten Schultag dann die Info, dass die Kinder fast zwangsweise alle wichtigen Bücher und Arbeitshefte doppelt benötigen! Der Vertretungsplan wird morgens um 7:15 Uhr online gestellt (also für den jeweils gleichen Tag), da sitzen die Kinder aber schon seit einiger Zeit im Bus. Und da fast jeden Tag irgendeine Stunde umgelegt wird und die Lehrer keine Gnade für vergessene Bücher/Hefte zeigen, kauft man eben doppelt. Der doppelte Satz kann auch nicht geliehen werden.
Alternativ könnten die Kinder natürlich auch jeden Tag alle Bücher und Hefte mitschleppen...
Ein Tablet ist zwingend erforderlich, wird sowohl in der Schule, als auch zu Hause benötigt.
Ein PC zu Hause wird zwingend benötigt.
Mein Sohn kommt kurz vor 14 Uhr nach Hause, isst etwas und dann geht es mit den Hausaufgaben los. Was die Kinder da leisten müssen, finde ich abnormal. In Deutsch hatte er gestern (nach anderthalb Wochen!!!) sein Heft schon zur Hälfte voll. Und die haben nichtmals jeden Tag Deutsch.
Bis 18 Uhr sitzt er eigentlich immer an den Hausaufgaben, gestern war es halb neun. Wir (überwiegend meine Frau) müssen ihm bei den Hausaufgaben helfen, denn wirklich gut erklärt bekommen sie das nicht. In seiner ersten Mathe-Stunde hatte er als Hausaufgabe ein skalierbares Diagramm auf. Alleine das Wort hatte er bisher noch nie gehört. Selbst meine Frau musste sich da erst reinlesen.
Wenn beide Elternteile voll arbeiten gehen, klappt das nicht. Alleine zeitlich wird das nicht funktionieren, es sei denn, man lässt sein Kind alleine.
Er meistert das bisher ganz gut, aber man merkt auch, dass die neue Schule eine mentale Belastung ist. Kind sein, mit 10 Jahren, ist nun in vielen Aspekten vorbei. Als Familie muss man da sehr stark sein und sein Kind auffangen können. Und selbst starke Nerven haben!
In Familien, wo es am finanziellen Background oder gutem Willen, Wissen und Bereitschaft fehlt, wird so ein Kind untergehen.
Ich kann natürlich jetzt nur für unsere Schule sprechen. Aber wenn das heutiger "Standard" an Gymnasien ist, dann sollte unser Bildungssystem sich wirklich überlegen, ob das so Sinn macht.