Habe von 20 Uhr bis jetzt gespielt und bin absolut gefesselt. Kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal alleine so lange an einem Spiel gehockt habe.
Das Zitat von Dr. Para passt genau. Deadly Premonition ist ein Spiel, bei dem man die Begeisterung der Macher in jedem kleinen Detail spürt. Ein Spiel, dass einen daran erinnert, wie man sich vor 10-15 Jahren die Zukunft des Mediums vorgestellt hat, bevor Action-Blockbuster am Fließband produziert wurden. Sicherlich nicht im Ansatz ein A-Titel und technisch auf dem Stand der letzten Konsolengeneration (Grafik, altmodische Steuerung umständliche Menüs), aber durch und durch ambitioniert. Und unterm Strich gut spielbar, der IGN-Verriss ist total daneben.
Aber worum geht es in Deadly Premonition?
Man spielt FBI-Agent York (oder auch nicht) und es verschlägt einen in ein Hinterwäldler-Kaff, in dem ein junges Mädchen brutal ermordet wurde. Ziemlich schnell wird klar, dass irgendwas in dem Dorf nicht stimmt. Zusammen mit den örtlichen Ermittlern beginnt nun die Arbeit am Fall. Der Großteil des Spiels läuft bisher als Ermittlerarbeit ab, wobei der Interaktionsanteil relativ gering ist und aus Dialogen, Suchspielchen und wenigen, simplen Rätseln besteht. Angereichert wird das ganze mit (schlechten) Horror-Actionsequenzen, die vom Tempo eher langsam und oldschoolig ablaufen. Das Spiel driftet auch öfters in traumartige Sequenzen ab.
Überhaupt ist die Story sehr abgefahren und Agent York benimmt sich sehr komisch. Es gibt oft was zu lachen. Die Atmosphäre macht eigentlich das Spiel aus und ich bin gespannt, wo das ganze hin führt. Will an dieser Stelle auch nicht allzu viel verraten, aber das Spiel ist gewollt humorvoll und verwirrend. Deadly Premonition ist kein Fall von "so schlecht, dass es wieder gut ist". Das Spiel ist gut! Hin und wieder gibt es auch Momente, in denen das Videospielen an sich aufgegriffen oder parodiert wird, wie man es von Suda-Spielen kennt.
Eine der Stärken des Spiels ist in meinen Augen die offene Spielwelt. Die hätte es nicht zwingend gebraucht, aber sie macht so ungemein viel von der Atmosphäre aus. Ein Beispiel: Im Verlauf des Spiels findet eine Versammlung statt. In der Zeit davor kann man beobachten wie die einzelnen Bürger sich auf den Weg zum Gemeindezentrum machen und dort eintrudeln. Es gibt viele solcher Details. Zum Beispiel muss man auch Yorks Alltag gestalten: Schlafen, essen, sich rasieren (Bartwuchs wird simuliert), Kleidung wechseln etc. Das Auto hat einen Scheibenwischer und Blinker. Man muss darauf achten, dass der Tank voll ist. Man kann Angeln gehen, Geschäfte und Bars besuchen und und und. Wie gesagt, das alles hätte es nicht zwingend gebraucht, aber dadurch wird das Spiel so faszinierend wie es ist.
Wer sich für einen aufgeschlossenen Spieler hält, sollte in jedem Fall zugreifen!