...Der wieder gewonnene Acht-Punkte-Vorsprung auf den letzten vermeintlichen Widersacher, auf Bayer 04 Leverkusen, schien für diese Zeit des rituellen Hüpfens und Tanzens auf seltsame Art nicht mehr im Mittelpunkt zu stehen. Die Botschaft an Sahin schwebte über dem Jubel.
Schließlich hatte die Bild-Zeitung kurz zuvor berichtet, der Wechsel des 22-Jährigen zu Real Madrid im Sommer sei beschlossene Sache. Viele andere Medien, inklusive Fernsehen, waren auf die Wechsel-Behauptung eingestiegen. Die Dementis von Sahin und aus der BVB-Chefetage fielen so kraftlos aus, dass sich die Zeitungs-Spekulation schnell zur handfesten Nachricht auswuchs.
Eine halbe Stunde nach dem Spiel allerdings gab Sahin, auf den Südtribünen-Slogan angesprochen, vor einer ZDF-Kamera trocken zu Protokoll: "Unsere Fans wissen schon, wie ich mich entschieden habe." Schon Ende der Woche war durchgesickert, dass sich der Spielmacher gar nicht ernsthaft mit einem Wechsel beschäftige. Vielmehr würden Spieler und Management von einer Verlängerung gleich nach Saisonende ausgehen.
Und Mitspieler Kevin Großkreutz, als Hardcore-Dortmunder bekannt, hatte in einem Interview schon mal angedeutet, Sahin sei "charakterlich überragend", und man könne sich sicher sein, "dass Nuri die richtige Entscheidung trifft". Man habe sich, so Großkreutz, im Prinzip ja gegenseitig versprochen, als Mannschaft zusammen zu bleiben.
Sahin besitzt in Dortmund bisher einen Vertrag bis 2013. Allerdings mit komplizierten Details, mit denen sein Berater Reza Fazeli seit Wochen virtuos jongliert. Selbst Fazeli hatte in der vergangenen Woche aber eingeräumt, dass der bisherige Vertrag keine Klausel enthält, die Sahin einen vorzeitigen Ausstieg zur festgeschrieben Ablöse von sechs Millionen Euro zu ausländischen Topklubs ermögliche.
Aus seinem jetzigen Kontrakt könnte Sahin zu einem Verein wie Madrid zwar vorzeitig wechseln, aber nur für eine marktübliche Transfersumme. Ob es tatsächlich ein Interesse von Madrid gab, bleibt wohl Fazelis Geheimnis. Dortmund strebt schon länger eine Verlängerung mit Sahin an - zu erhöhtem Gehalt, aber diesmal ohne Ausstiegsklauseln. Mit der Madrid-Drohung im Rücken traut Fazeli sich womöglich ein besseres Verhandlungsergebnis zu.
Nach Sahins Äußerungen am Wochenende dürfte es bei den Verhandlungen mit Dortmunds Manager Michael Zorc wohl nur noch um die neue Laufzeit und um eine Gehaltsaufstockung gehen. Dann hätte sich der türkische Nationalspieler ebenso gegen die Tendenz seines Beraters Fazeli (der auch Mesut Özil betreut) durchgesetzt, wie zuvor offenbar die DFB-Nationalspieler Marcel Schmelzer und Mats Hummels gegen ihre Berater.
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