Foren Aktuelles Erstellen Mitglieder Anmelden

Bradley Manning - Schuldig oder Nicht Schuldig?

Ist Bradley Manning schuldig?

  • Schuldig!

    Stimmen: 21 52,5%
  • Nicht Schuldig!

    Stimmen: 13 32,5%
  • Ichbin mir nicht sicher.........

    Stimmen: 6 15,0%

  • Umfrageteilnehmer
    40

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Osa-chan schrieb:

Auch bei den Amis gibt es eine generelle Regelung für den Einsatz von Gewalt und ich gehe mal nicht davon aus, dass sich deren Rules of Engagement so sehr von denen der EU Streitkräfte unterscheiden. Hätte ich damals in Afghanistan in gleicher Situation so gehandelt und trotz keiner akuten Gefahrenlage für mich und meine Kameraden im Heli die unbekannten Personen mal eben umgenietet, dann hätte es anschließend aber ordentlich Rabatz gegeben. Die Aufklärung und Gefahrenabschätzung des US-Teams war unter aller Sau und hat hier Unschuldigen das Leben gekostet. Die Bezeichnung "Collateral Murder" ist hier schon sehr treffend. Das diese Sachen an die Öffentlichkeit gelangen ist meiner Meinung nach daher auch wirklich zu begrüßen, zeigen diese doch wenigstens ab und an mal die bittere Realität

Die Guántanamo Files sollen wie die Depeschen sowie die noch nicht veröffentlichten Aufnahmen des Luftangriffes bei Garani von der gleichen Quelle (Manning) stammen...
 
medion schrieb:
Osa-chan schrieb:

Auch bei den Amis gibt es eine generelle Regelung für den Einsatz von Gewalt und ich gehe mal nicht davon aus, dass sich deren Rules of Engagement so sehr von denen der EU Streitkräfte unterscheiden. Hätte ich damals in Afghanistan in gleicher Situation so gehandelt und trotz keiner akuten Gefahrenlage für mich und meine Kameraden im Heli die unbekannten Personen mal eben umgenietet, dann hätte es anschließend aber ordentlich Rabatz gegeben. Die Aufklärung und Gefahrenabschätzung des US-Teams war unter aller Sau und hat hier Unschuldigen das Leben gekostet. Die Bezeichnung "Collateral Murder" ist hier schon sehr treffend. Das diese Sachen an die Öffentlichkeit gelangen ist meiner Meinung nach daher auch wirklich zu begrüßen, zeigen diese doch wenigstens ab und an mal die bittere Realität

Das mag alles so sein (dass die Rules of Engagement ziemlich streng sind) und dass das Video an die Öffentlichkeit gekommen ist, ja, finde ich auch gut.

Aber das ändert alles nichts an der Tatsache, dass es sich eben nicht um ein Kriegsverbrechen handelt. Ich finde die Öffentlichkeit sollte aus solchen Videos lernen, dass ein bewaffneter Konflikt eben kein Kindergeburtstag ist und das Kollateralschäden zwar eine sehr tragische Sache sind, aber von Zeit zu Zeit vorkommen.

Das würde dann dazu führen, dass die NATO (und Einzelstaaten) vielleicht eher bereit ist, sich um die Folgen ihrer Angriffe zu scheren, sie zu untersuchen, daraus zu lernen und den Betroffenen Hilfe anzubieten.

Ein gutes Beispiel habe ich gerade eben gelesen:

Berichte über NATO-Kriegsverbrechen in Libyen


Schwere Kriegsverbrechen der NATO in Libyen belegen jüngste Recherchen der US-Presse. Wie die „New York Times“ („NYT“) am Wochenende berichtete, kann sie nachweisen, dass bei diversen Angriffen westlicher Luftwaffen Dutzende von libyschen Zivilisten ums Leben kamen.

Man müsse schon jetzt von „mindestens 40, vielleicht mehr als 70“ Unbeteiligten sprechen, die bei den Bombardements umgekommen seien. Dabei sei diese Zahl wohl zu niedrig, weil nur ausgewählte Zielgebiete des NATO-Beschusses überhaupt hätten untersucht werden können.

Von der NATO wurde stets behauptet, sie habe beim Beschuss libyscher Ortschaften keine Zivilisten getötet. Das stößt bei internationalen Menschenrechtsorganisationen auf scharfe Kritik. Die „ganze Kampagne“ sei „in eine Atmosphäre der Straflosigkeit gehüllt“, urteilte Human Rights Watch (HRW).

Wer kontrolliert das Land?
Der international anerkannte Nationale Übergangsrat hat laut einer Analyse der International Crisis Group keineswegs die Kontrolle über das kriegszerstörte Land. Tatsächlich habe die NATO voneinander unabhängig operierende Milizen als Bodentruppen eingesetzt. Diese Milizen wurden laut der Analyse zum Teil vom Westen, zum Teil von anderen Staaten ausgerüstet und geführt, in hohem Maße von Katar. Mehr als 125.000 Libyer sollen unter Waffen stehen.

http://orf.at/#/stories/2095568/

Ok, der ORF redet also von "Kriegsverbrechen" durch die NATO, sogar von "schweren Kriegsverbrechen". Dann wird von einer Zahl Zivilisten berichtet, die durch NATO Luftangriffe getötet wurde und auf einen NY Times Bericht verwiesen.

Wie wir aber wissen, ist die Tötung von Zivilisten noch kein Kriegsverbrechen, dazu müsste sie schon vorsätzlich erfolgt sein.
Sieht man sich aber den NYT-Bericht an, so fällt auf, dass dort davon keine Rede ist:

http://www.nytimes.com/2011/12/18/w...wanted=1&_r=1&sq=libya civilians&st=cse&scp=1

Im Gegenteil, berichtet wird, dass die Todesfälle unter Zivilisten aus verschiedenen bedauerlichen Fehlern resultierten und dass die Zahl der Toten Zivilisten im Gegensatz zu früheren Einsätzen äußerst gering ist.

Außerdem wird gezeigt, was die NATO alles getan hat, um die Zahl der Zivilisten welche zu Schaden kommen, möglichst gering zu halten.


Der ORF Journalist hat also entweder den NYT Artikel auf den er sich bezieht nicht gelesen, oder er weiß einfach nicht, was alles ein Kriegsverbrechen ist und was nicht. Wahrscheinlicher ist die zweite Variante.

Und das bringt mich zum Kernpunkt: Der NYT Artikel bekrittelt, dass die NATO zu wenig bezüglich dieser Kollateralschäden ermittelt, sich nicht darum kümmert oder dazu steht.

Aber irgendwie ist das logisch, wenn jedes Mal wenn sie zugeben, dass Zivilisten gestorben sind, sogar seriöse Medien "KRIEGSVERBRECHEN" schreien, obwohl dieser Vorwurf nicht haltbar ist.

Würde die Öffentlichkeit zwischen wirklichen Kriegsverbrechen und Kollateralschäden besser unterscheiden, dann könnten Staaten oder die NATO auch leichter zu diesen Ereignissen stehen. Sie hätten mehr Anreize für Transparenz, für eine Untersuchung der Vorfälle und vielleicht sogar für die eine oder andere finanzielle Hilfe an die Opfer.

Ich denke, dass man keiner Seite damit einen Gefallen tut wenn man, aus Unwissenheit oder aus böser Absicht, bei jedem toten Zivilisten gleich "Kriegsverbrechen" ruft.


medion schrieb:
Die Guántanamo Files sollen wie die Depeschen sowie die noch nicht veröffentlichten Aufnahmen des Luftangriffes bei Garani von der gleichen Quelle (Manning) stammen...

Ah, ok. Danke. :)
 

Ähnliche Themen

Zurück
Oben