Die wundersamen politischen Vorgänge gelten Kritikern in Belgien als Beleg dafür, dass im Hintergrund mächtige Kräfte am Werk sind, darunter wohl auch der landesweite Energie-Riese Electrabel, Betreiber von Doel und Tihange. Der Verdacht, dass auch die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC sich dem ökonomischen wie politischen Druck beugt, wird seit langem diskutiert. „Die Atomaufseher bringen uns in Gefahr“, orakelte die Zeitung „Le Soir“ im April dieses Jahres.
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Tatsächlich tritt die innerbelgische Diskussion seit Jahren auf der Stelle. Forderungen nach einem Ausstieg aus der Kernkraft sowie dem Abschalten der anfälligen Atommeiler werden mit Hinweis auf einen möglichen Blackout vom Tisch gewischt. Alternative Energien wachsen zu langsam (derzeitiger Anteil rund acht Prozent), um eine eventuelle Lücke zu schließen, und der Zukauf von Strom scheint nur als Zukunftsperspektive zu taugen.
Immerhin bemüht sich inzwischen auch die EU-Kommission, wenigstens diesen Punkt zu entkräften – mit deutlicher Hilfe der Bundesregierung. Vermutlich 2019, spätestens aber 2020, sollen neue Leitungen stehen, sodass Belgien auch mit deutscher Energie beliefert werden könnte.
Denn der Nachbar hat Strom im Überfluss, was wiederum ein besonders pikanter Beleg für den Unsinn der in Belgien häufig vertretenen These ist, die lautet: Regenerative Energieträger seien keine sichere Alternative zur Kernkraft. Sind sie offenbar doch, denn immerhin hat Deutschland trotz Atomausstiegs so viel Energie, dass sie auch für den Benelux-Nachbarn reichen würde.