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MOVIE Bart Wux' Filmkritiken: Heute: Shrek 4... wie immer der heißt

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Zum Glück ist es der letzte Film, denn wenn ich die Wörter „true love“ oder „happily ever after“ noch einmal höre, raste ich aus.

Shrek hat es nicht leicht, das muss man festhalten, verbringt er doch ganze vier Filme damit, ein- und dieselbe Frau für sich zu gewinnen. Am Anfang von Teil 4 stellt er fest, wie sehr ihn doch alles an ödet. Familie, Kinder, Alltag, Menschen, die ihn mögen. Fürchterlich. Wie schön waren die guten alten Zeiten, als er gefürchtet war und allein im Schlamm baden konnte.

Jetzt erkennt der erfahrene Filmkenner natürlich die beabsichtigte Endstation: Shrek muss lernen, wie toll Familie und öder Alltag doch wirklich sind und, oh Junge, hämmert Shrek 4 diese Message dem Zuschauer ein. Keine Szene vergeht ohne nachdenkliche, fast weinerliche Charaktere, die wieder und wieder auf diesem Thema herumreiten. Die finale Botschaft ist die, dass Männer gefälligst glücklich über ihre einnehmende Familie sein sollen und kein Recht auf Privatsphäre oder eigene Wünsche haben. Der Film ist damit so dermaßen plakativ-depressiv, dass sie im Kino glatt Rasierklingen zum Popcorn geben sollten. Aber der Reihe nach.

Als eine Geburtstagsfeier allzu niedlich wird, dreht Shrek durch und macht das, was er tun muss: Eine riesige, offensichtliche Dummheit, dessen katastrophale Folgen eine frisch geborene Seidenraupe zehn Meilen im Voraus sehen würde. Namentlich schließt er einen Deal mit Rumpelstilzchen (in jedem anderen Film wär es der Teufel gewesen, aber hier kommt Rumpel dem halt am nächsten), in dem er einen Tag seines Lebens gegen ein bisschen Freiheit eintauscht. Zu dumm nur, dass es ausgerechnet der Tag von Shreks Geburt ist, was zur Folge hat, dass Shrek nie geboren wurde. Das wiederum löst eine Kettenreaktion von Ereignissen aus, die Rumpelstilzchen zum Alleinherrscher machen. Lange Geschichte, hat was mit der Dummheit von zwei Menschen zu tun, die eine Armee beherrschen, aber nicht auf die Idee kommen, mit dieser im Turm einzumarschieren, den Drachen zu massakrieren, ihre Tochter da raus zu holen und sie den besten Medizinern/Zauberern im Königreicht zu übergeben, sondern statt dessen lieber Hinterhofdeals mit dem kleinen Neffen des Teufels abschließen.

Wisst ihr, die ganze Sache mit Shreks Naivität wär ja nicht mal halb so tragisch, WENN RUMPELSTILZCHEN WÄHREND DES GESPRÄCHS NICHT AUSDRÜCKLICH GESAGT HÄTTE, DASS ER SHREKS GEBURTSTAG NEHMEN WIRD!!!! Der Kerl sagt ihm ins Gesicht: „Ich würde gerne dein Leben zerstören und das jedes Ogers und Menschen in diesem Königreich, kannste mir helfen?“ Und nachdem Shrek dem bereitwillig und fröhlich zugestimmt hat. sagt Rumpelstilzchen auch noch sinngemäß: „Ich kann nicht glauben, dass du so dumm warst.“

Nun ist es sicherlich müßig, über Sinn und Logik in bestimmten Medien zu debattieren. Sehr viele Geschichten kämen niemals in Gang, wenn Menschen nicht dumme Entscheidungen treffen würden. Darum ist das wahre Leben manchmal so langweilig, weil kein Mensch tatsächlich so dumm ist wie Hollywoodautoren es immer wieder niederschreiben. Aber wenn die gesamte Geschichte eines Films darin besteht, einer Figur zuzusehen, wie sie händeringend versucht, ein Problem zu lösen, das sie selbst durch eine fast schon vorsätzliche Idiotie überhaupt erst geschaffen hat, hält sich meine Sympathie in Grenzen. Zumal, wie schon gesagt, Shrek mal wieder nichts anderes zu tun hat, als seine Ehefrau rum zu kriegen.

Die Lösung ist... true love's kiss. Weil Knutschen alle Probleme löst. Es verursacht auch Herpes, aber man kann nicht alles haben. Wenn das Leben mal nur so einfach wäre, dass man alle Probleme mit einem Kuss lösen könnte... okay, in meinem Fall wäre das Leben dann wohl eher noch schwerer. Nebenbei war der Krempel schon in „Arielle - Die kleine Meerjungfrau“ thematisiert worden und die hatte mit Ursula wenigstens einen Bösewicht mit Stil.

Shrek 4 hat Rumpelstilzchen und der ist nur bedingt tauglich als Bösewicht. Zu sehr erinnert er mit seiner kurzen Statur und seinem Machtgehabe an Lord Farquaad aus Teil 1 und der war schon eine billige Napoleon-Parodie.

Alle Shrek Filme hatten ihre ehrenhafte Botschaft (ein- und dieselbe, aber gut), aber mehr und mehr wirken die Shrek Filme wie überlange Simpsons-Folgen. Homer baut Mist, Marge ist sauer, Homer ist traurig, Homer macht was Cooles und am Ende ist der Status Quo wieder hergestellt. Hey, selbst der Simpsons-Kinofilm verlief haargenau nach diesem Muster.

Es muss natürlich nicht immer eine Geschichte sein wie bei Lost (Sie sind auf der Insel, sie sind runter von der Insel, sie sind auf der Insel, sie sind heute, sie sind gestern, Jack will Kate, Sawyer will Kate, Kate will Sawyer, Jack will Juliette, Kate will Aaron, Kate will Jack, Sawyer will Juliette, Sawyer will Kate, Charlie will Claire, ich will Claire, Faraday will eine 10jährige Version von Charlotte und Ben lügt... manchmal glaub ich, Lost ist die erste Fernsehshow, die geschrieben wird während sie ausgestrahlt wird.). Aber dieselben Charakters vier Mal den gleichen Tanz aufführen zu lassen, ist schon arm. Und komme mir keiner mit dem Argument, es sei ein Kinderfilm. Erstens sind Kinder nicht dumm und sehen sowas auch. Und zweitens interessieren sich Kinder nicht für die wahre Liebe, Heirat und Sesshaftigkeit.

Die drei Vorgängerfilme mögen Story-mäßig nicht viel besser gewesen sein, allerdings waren die zwischendurch mal witzig. Hier gibt Shrek 4 die Bankrotterklärung ab. Es ist nicht mehr witzig. Die Gags sind aufgebraucht. Der gestiefelte Kater ist fett und macht große Augen, Esel redet schnell und viel, Shrek hat einen schottischen Akzent und ist ein Idiot. Ja, wir kennen es. Hier und da ein klein wenig Slapstick und eine eklige Stinkewindel, aber keine Witze, keine Punchlines, keine Pointen, keine Situationskomik. Die beste Szene ist, wenn Puss Gingy auffrisst, ein Gag so gut, dass er glatt wenige Minuten später wiederholt wird, wenn Esel von seinem Drachen gefressen wird.

Dem Rest des Films fehlt es komplett an Witz und Humor. Was bleibt, ist eine uralte, über 90minütige Moralpredigt, die komplett über die Köpfe der Kinder hinweg und an der Realität der Erwachsenen vorbei geht. Ein Vierfach-Fail, wenn ihr so wollt.

Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, sagt man. Über diesen Punkt ist man mit Shrek hinaus geschossen... und hat dann noch Shrek 4 gemacht. Und doch lässt sich eine Parrallelle (nur echt mit drei Doppelbuchstaben) zwischen Charakter und Film ziehen. Shrek, die Figur, ist kein Familienmensch, kein Spießbürger, kein Haus-Frau-zwei Kinder-Baum Typ. Deswegen versucht er immer wieder, aus dieser Rolle zu entfliehen. Shrek, die Filme, taugen nicht als Moralpredigten. Sie wollen kurzweilig, actionreich und witzig sein. In kurzen Momenten merkt man auch Shrek 4 an, dass er mehr sein will als er ist. Aber genau wie Shrek, die Figur, gezwungen ist, sich auf ein Leben als verweichlichter Vorstadt-Ehemann einzustellen, so wird auch der Film zurück gezwungen auf das brave, harmlose Ganze-Familie-Filmchen. Beide, Figur und Film, bleiben als Schatten ihrer selbst zurück, als weniger als sie sein können und wollen. Beide verlieren dadurch ihren Biss, ihre Eigenständigkeit, ja, ihre Persönlichkeit.

Das Gute daran ist, dass uns ein Shrek 1.5 erspart bleiben wird. Ich als Fan wünschte nur, sie hätten mit dem zweiten Teil aufgehört.
 
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