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Aktien & andere Anlagen

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Hier mal ein Beispiel, warum es Sinn machen kann, Aktien auch an den Heimatbörsen zu halten. Die ganze Aktion ist der absolute Oberhammer. Ich selbst halte keine, aber viele Kunden haben von ihrer Bank am 09.04. (!!) so ein Schreiben erhalten:

Während das soziale Leben fast vollständig ruht, geht es an den Börsen und Märkten turbulent zu. Sie verwahren in Ihrem Direkt-Depot sogenannte U.S. limited partnership shares (LPS). Dazu haben wir heute wichtige Informationen für Sie. Clearstream Banking, unser Zentralverwahrer, stellt die Verwahrung von U.S. limited partnership shares zum 20.04.2020 ein. Diese Informationen haben uns auch erst jetzt erreicht. Was bedeutet das für Sie? Käufe sind ab sofort nicht mehr möglich. Verkaufen können Sie Ihre LPS bis einschließlich Dienstag, den 14.04.2020 Ab dem 15.04.2020 ist kein Verkauf und Stand jetzt auch kein Übertrag mehr möglich. Kein optimaler Zeitpunkt für einen Verkauf - das können wir durchaus nachvollziehen. Allerdings haben wir auf die Entscheidung von Clearstream Banking keinen Einfluss. Uns sind die Hände gebunden. Weitere Informationen liegen uns aktuell nicht vor. Sollte sich etwas Neues ergeben, werden wir Sie darüber informieren.

Zum Hintergrund, Clearstream hat in Deutschland quasi das Monopol zur Verwahrung von Wertpapieren. Das heißt als Anleger hat man hier absolut keine andere Wahl als Anfang nächster Woche alles zu verkaufen.

US Limited Partnerships sind ne spezielle Werpapierform, die ähnlich einer Kommanditgesellschaft fungiert. Da die in den USA steuerlich besonders behandelt werden waren sie für Ausländer auch vorher schon sehr unattraktiv zu halten. Das galt allerdings nicht für die z. B. bei Anlegern sehr beliebten kanadischen Titel von Brookfield. Die sind von diesem Clearstream Bann aber jetzt auch betroffen... Gott sei Dank habe ich da noch keine, aber sowas wie Brookfield Renewable Partners hatte ich auch auf der Watchlist...

Sowas habe ich auch noch nicht erlebt. Und das in der jetzigen Situation, vor dem Osterwochenende. Das ist eigentlich ein Skandal und zeigt nur wieder, dass Europa für Wertpapiere kein sicherer Standort ist.

Hier die Liste der betroffenen Titel:

https://www.clearstream.com/clearstream-en/products-and-services/settlement/a20049-1900198
 
Zuletzt bearbeitet:
@Mondknallschlumpf Ich bin total verwirrt. Wer ist dieser Zentralverwahrer und warum darf der die Verwahrung einfach so einstellen und inwiefern ist das die Schuld von Europa ("Das ist eigentlich ein Skandal und zeigt nur wieder, dass Europa für Wertpapiere kein sicherer Standort ist.")? Was ist überhaupt ein Zentralverwahrer? :ugly:
 
@Mondknallschlumpf Ich bin total verwirrt. Wer ist dieser Zentralverwahrer und warum darf der die Verwahrung einfach so einstellen und inwiefern ist das die Schuld von Europa ("Das ist eigentlich ein Skandal und zeigt nur wieder, dass Europa für Wertpapiere kein sicherer Standort ist.")? Was ist überhaupt ein Zentralverwahrer? :ugly:

Clearstream gehört zu Deutschen Börse und verwahrt für Anleger in Deutschland (und glaube auch Luxemburg und anderen Ländern) alle Aktien. Und zwar wirklich alle. Sie sind afaik auch europaweit Marktführer was das angeht. Das heißt wenn du bei deiner deutschen Bank Aktien kaufst - egal bei welcher - werden die nicht von der Bank verwahrt, sondern im Hintergrund von Clearstream. Wenn also Clearstream wie in diesem Fall sagt "machen wir nicht mehr", dann bist du am Arsch.

Und Europa weil es sich nur in eine Reihe weiterer Gängelungen für Anleger einreiht. Schau dir mal die Mifid 2 Regelung an. Fast schon ein Paradebeispiel europäischer Bevormundung. Man darf als Anleger keine ausländischen Aktien und Fonds kaufen, wenn diese kein deutschsprachiges Informationsblatt anbieten. Statt den Anleger also selbst entscheiden zu lassen, ob er das Wertpapier auch mit englischen Info-Texten kaufen möchte, blockieren die Banken aufgrund der Mifid 2 Regelung den Kauf einfach komplett. Und selbst viele Auslandsbroker, die eigentlich nicht der Regelung unterliegen würden, sind gezwungen, diese umzusetzen, weil sie sonst hier nicht operieren dürfen. Ein paar wenige u. a. in der Schweiz gibt es wohl noch, mit denen man das umgehen kann. Und vielleicht ja bald auch wieder UK, das wäre angenehmer als die Schweiz.
 
Irgendwie verwirrt es mich, dass das so erlaubt ist :? Wenn die morgen sagen, dass sie alles einstellen, was denn dann? Kann doch nicht halb Deutschland alle Aktien, ETFs usw. in wenigen Tagen auf den Markt werfen :ugly:
 
Irgendwie verwirrt es mich, dass das so erlaubt ist :? Wenn die morgen sagen, dass sie alles einstellen, was denn dann? Kann doch nicht halb Deutschland alle Aktien, ETFs usw. in wenigen Tagen auf den Markt werfen :ugly:

Ich denke hier kommen zwei Dinge zusammen. Zum einen gibt es ja eh sehr wenig Aktionäre hier. Und von diesen wiederum halten vermutlich weniger als 5% solche speziellen Wertpapiere. Da gibt's einfach keine große Lobby, die sich darüber beschweren könnte. Wobei ich mir schon vorstellen kann, dass das zumindest noch vor Gericht landet.
 
Also das ein zentrales Organ alle Wertpapiere hält wusste ich auch nicht. Ich dachte die "liegen" dann beim Broker oder bei der bank. Wieso ist das ausgelagert? Hat das finanzielle Gründe oder rechtliche?
 
Denke rechtliche. Aktien und andere Wertpapiere sind ja Sondervermögen, weshalb es auch "egal" ist wenn ne Bank pleite geht. Die Wertpapiere gehören als Sondervermögen einem selbst und gehören weder zur Insolvenzmasse noch unterliegen sie der Einlagensicherung. Auch ist es heutzutage ja möglich, über Sparpläne Bruchstücke von Aktien und ETFs zu kaufen. Die Bruchstücke existieren ja in der Realität gar nicht, sondern müssen zentral abgerechnet und zusammengewürfelt werden. Und vermutlich wäre das Handelsvolumen bei vielen Banken auch viel zu gering als dass sie selbst die Wertpapiere halten könnten. Und da die Deutsche Börse zwar formal ne private Aktiengesellschaft ist, defacto aber staatlicher Kontrolle unterliegt, war es der Politik wohl auch egal, wenn es wie in diesem Fall tatsächlich ein Monopol gibt...
 
Ich spiele mit dem Gedanken, alle positiven Werte aus meinem Depot zu veräußern und den Gewinn mitzunehmen. Habe die Befürchtung, das dicke Ende kommt noch an den Märkten. Allerdings bin ich gerade nicht sicher ob ich die Situation noch rational erfasse oder mir das Eingesperrt sein zu Hause doch sehr an die Nieren geht...
 
Ich bleibe komplett drinnen. Wenn man das Geld nicht braucht, war das noch immer die beste Entscheidung. Der Markt wird sich wieder erholen, wird er immer und jedesmal haben die Leute draufgezahlt, wenn sie nicht die perfekten Momente zum Aus- und Einstieg erwischt haben. Sowas sitzt man aus.

Bevor es einem um den Schlaf bringt oder Magengeschwüre verursacht, würde ich aber auch verkaufen. Wenn man sich damit besser fühlt, ist es die richtige Entscheidung. Nur nicht unbedingt die Günstigste :)
 
Bin bisher eigentlich immer cool geblieben und brauche das Geld auch nicht. Mir geht nur die ganze Situation derzeit etwas nah. Ich glaube wie gesagt da spricht eher das aus mir als Rationalität.
 
Wenn Du Dich besser fühlst, dann geh raus. Sage ich meinen Mandanten auch immer, das ist letztlich mehr wert, als ein paar Euro auf dem Konto. Nützt ja nichts, wenn man was gespart hat, aber dafür die ganze Zeit mit Bauchschmerzen durch die Gegend läufst. Und vielleicht ist es sogar genau die richtige Entscheidung, wer weiß :)
 
Danke dir. Aber es geht überhaupt nicht ums Geld oder das ich was verlieren könnte. Wir sind recht wohlhabend, wir müssen uns da keine großen Gedanken machen. Es geht darum, dass mir die Decke auf den Kopf fällt und ich irgendwie so einen inneren Drang entwickle, irgendetwas dagegen zu tun.
 
Echte Gewinnwarnungen sind immer Ad-Hoc-Meldungen, d.h. die müssen sofort kommuniziert werden. Wenn sich die Verschlechterungen innerhalb des bisher prognostizierten Bereichs bewegen, bleibt es bei den üblichen Veröffentlichungsterminen. Meistens die Quartalsberichte.
 
In was würdet ihr denn jetzt gerade 100.000€ anlegen?
Frage für ne Bekannte, kein Scherz :ugly:

Die hat offenbar so viel auf ihrem Girokonto, und weil sie zur Verschwörungstheorien neigt, ist sie der Meinung, dass "das Geld kaputt geht", sprich es zu ner drastischen Inflation kommt. Offenbar wollte sie Gold kaufen, aber anscheinend gibts momentan keines zu kaufen. Das hat die jetzt völlig aufgeschreckt.

Meine spontane Antwort war Aktien, aber da ist sie eher skeptisch. Es geht ihr um Sicherheit, nicht um Rendite. Sie ist Mitte 50, hat also nen gewissen Zeitraum zur Verfügung.

Fand das Gespräch gerade etwas strange, aber ich dachte, ich trage die Frage mal weiter. Hier gibts ja einige, die sich besser damit auskennen. War noch nie in der Verlegenheit mir über solche Anlagesummen Gedanken machen zu müssen :D
 
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