So, die Truppe ist komplett, ich habe die ersten Begleiter-Questlines gestartet und schon ist die BioWare Magie wieder da. Jetzt öffnet sich das Spiel, es gibt überall Sidequests, die Begleiter interagieren miteinander und alles greift ineinander, während es bisher vielmehr eine vorgegebene Abfolge von Quests war.
Denn wie so oft finde ich die Mainstory eher so semi interessant, halt irgendein Fantasy-Geschwurbel. In der Gruppe hingegen finde ich die persönlichen und spannenden Geschichten und eine abermals gelungene Dynamik.
Am liebsten sind mir momentan:
Darvin, von dem ich es am wenigsten erwartet hätte, da er eigentlich so ein random Krieger-Dude ist. Aber er hat ein Haustier und außerdem ist er gefühlt der einzige Charakter, der eher bodenständig und pragmatisch auftritt.
Bellara, die im Grunde genau das Gegenteil von Darvin ist: naiv, verspielt, an allem kindlich interessiert, aber daher auch unheimlich sympathisch. Nach den ersten Companion-Quests wird sie auch gleich viel tiefgründiger, weil sie überraschende Selbstzweifel hegt, und ich liebe ihre Interaktionen mit etwa Neve.
Und Taash, die mit Abstand jüngste Begleiterin, die auch so auftritt: ungestüm, spaßig, aber auch in einem Alter der Selbstfindung. Sie erzählt keine klassische Heldengeschichte, sondern vielmehr eine Coming-of-age Story. Finde ich außergewöhnlich und gut.
Neve taut auch langsam etwas auf und Emmerich ist ebenfalls ein echt cooler, weil super charmanter Nekromant. Nur mit Lucanis und Harding bin ich noch nicht auf einer Wellenlänge.
Ist insgesamt aber definitiv eher "PG13". Und zwar nicht nur von der Brutalität her, sondern auch in Bezug auf Dialoge und Erzählweise. Hat was von der geschnittenen Kinofassung eines Films, der dann erst auf Blu-ray den ursprünglich angedachten "ab 18" Director's Cut erhält, in dem mehr Blut, erweiterte Szenen usw. zu finden sind.
Vielleicht liegt das auch an den GaaS Ursprüngen des Spiels. Ich finde, die kann man hier und da doch noch erkennen. Beispielsweise am Loot, der halt "Looter Shooter" schreit. Oder auch am allgemeinen Aufbau, der auch das einzige ist, was ich tatsächlich ernsthaft kritisieren würde: der Leuchtturm als Ausgangspunkt gefällt mir nicht. Ein Hauptquartier, in dem man quatschen, seine Ausrüstung verbessern und was weiß ich machen kann, ist spielmechanisch super. Aber mir gefällt nicht, dass das so losgelöst vom Rest der Spielwelt stattfindet. Ich habe nicht das Gefühl, ein zusammenhängendes Abenteuer zu erleben, wenn ich vom Leuchtturm aus durch die Spiegel einfach von Location zu Location zappe. Hat so mehr was von Raids in einem GaaS. Im HQ ausrüsten, via Menü zum Raid beamen, Gegner legen, Loot sammeln, zurück ins HQ. So kommt mir das momentan vor. Ich meine, ich bin froh, dass es mal keine riesige Open-World ist, aber man hätte sie für meinen Geschmack narrativ irgendwie besser/anders verbinden müssen.
So sind auch manche Ereignisse sprunghaft erzählt. Gerade bin ich noch hier, dann plötzlich schon wieder da, dort wollen sie zuerst nichts mit mir zu tun haben, nur um mir dann zwei Minuten später um den Hals zu fallen, obwohl ich zwischenzeitlich eigentlich gar nichts geleistet hab. Als würde da irgendwas fehlen.
Aber, trotz alledem habe ich mordsmäßig Spaß mit dem Spiel. Vielleicht auch, weil es gerade so zugänglich und kurzweilig ist. Keine melancholische Story, die einem die Lebensfreude raubt. Keine derart tiefen Spielmechaniken, dass man dafür studiert haben muss. Keine ausgelatschte Open-World, die vielleicht realistischer zu bereisen, dafür aber wahrscheinlich auch super langweilig wäre.
The Veilguard fühlt sich einfach sehr "gamey" an. Und das mag ich. Fortbewegung und Kämpfe sind spitze, ich liebe die Begleiter mehr als ich es nach den ersten Trailer vermutet hätte und mittlerweile hat sich das Spiel auch angenehm geöffnet. Nun ist es der BioWare Spielablauf, den man aus Mass Effect kennt. Sie haben, genau so wie ein Bethesda oder Larian, einfach ihren eigenen Stil, den ich sehr schätze. Auch wenn sich im (Action-)RPG Genre, speziell auch im Fantasy-Bereich, natürlich unheimlich viel getan hat, seit sie 2014 Inquisition veröffentlicht haben. Da gab es so was wie The Witcher 3, Pillars of Eternity oder zuletzt Baldurs Gate 3. Das sind natürlich neue Messlatten in ihrem jeweiligen Sub-Genre und daran gemessen wird es ein Dragon Age schwer haben.
Für mich ist aber am wichtigsten, dass ich hier endlich wieder das alte, unverkennbare BioWare Gefühl habe und am liebsten den ganzen Tag mit meiner Truppe abhängen würde. Vielleicht ist das Drumherum nicht mehr genau so wie früher, aber ganz unabhängig davon beschert mir das Spiel gerade eine ziemlich gute Zeit. Mehr kann ich eigentlich nicht verlangen.
... mhm, Screenshots sind heute aus unerfindlichen Gründen größer als gestern, weshalb ich sie außerhalb des Forums hochladen musste.
@Snapdog Ja, wird am HDR liegen. Ist bei mir auch ähnlich. Mache die Screens immer via Xbox Game Bar, die speichert dann gleich zwei Varianten (HDR und SDR), wobei das SDR Bild auch immer noch etwas verfälscht aussieht (mehr Kontrast und Sättigung als im Spiel).
Taashs Design finde ich so cool - irgendwo zwischen Snu-Snu Amazone, Red Sonja und Pirat.
