Ich möchte mal ein bisschen Wasser in den Wein der gerechten Ukraine gegen die grausame Kriegsführung der Russen schütten:
Der russische Angriffskrieg ist schrecklich und die russische Kriegsführung traditionell mittelalterlich, aber ganz schwarz-weiß ist auch der derzeitige Kampf um die Städte nicht. Jeder Zivilist, der einen Molotowcocktail in die Hand nimmt, wird automatisch zu einem Kombattanten und damit zu einem legitimen Ziel. Gleichzeitig wird jedes Gebäude, dass ein Kombattant betritt, zu einem militärischen Objekt. Wenn also Kiewer Bürger mit Molotowcocktails in einem Wohnblock sitzen, wird dieser Wohnblock zu einem legitimen Angriffsziel. Zudem hat die Ukraine die Städte quasi zu Festungen erklärt, die Zivilbevölkerung zum Kampf aufgerufen und die Verteidigung von Kiew zum Schwerpunkt ihrer Strategie gemacht - aus militärischer Sicht verständlich, da es die vielleicht einzige Möglichkeit ist, den russischen Ansturm abzuwehren. Allerdings macht man damit im Grunde die gesamte Stadt zu einem legitimen militärischen Ziel.
Ich will damit das Zerbomben der Städte überhaupt nicht gutheißen. Ich will nur sagen, dass auch Kiews Strategie hier durchaus zweischneidig ist.