Für viele ist
@Mingo hier offensichtlich "weltfremd" und "utopisch", aber was er hier versucht zu erklären, ist ein absolut realer und mittlerweile sehr bewusster Konflikt der Geschlechter. In einer Stadt wie Berlin (ich kann nur von hier sprechen) gibt es immer weniger junge Frauen, die sich nicht als Feministin sehen. Und während hier im konservativen Dunkelinternet "Feminismus" Bilder auslöst, die tatsächlich realitätsfern sind und nur eigene Vorurteile bestätigen sollen, ist unsere Gesellschaft längst von einem absolut bewussten und selbstbewussten Feminismus stark geprägt.
Und dieser Feminismus ist eine Konsequenz aus einem dominierenden Sexismus in der Gesellschaft. Es geht nicht darum, dass man eine Frau "geil" findet oder "lol, häßlich". Ich kenne eine sehr erfolgreiche Techno-Musikerin, die wurde von einem Produzenten in einer Männergruppe aufgefordert, ihre Brüste zu zeigen. Eine Ärztin wurde mehrfach von Ober- und Chefärzten in die eigene Wohnung eingeladen. Jede Frau, die zu uns ins Büro kommt hat einen "geilen Arsch", einen "fetten Arsch", hat sich hochgeschlafen oder wurde nicht genug gefickt. Es ist absolute Norm, dass wir in allen Gesellschaftskreisen Frauen als Sexobjekt sehen und auch dementsprechend behandeln. Und das ist kein rein individuelles Problem. In der Geschichte der Menschheit waren Frauen überwiegend Sexobjekte. Das hat sich einfach über die Zeit etabliert und erst seit Kurzem haben in der "westlichen Welt" die Frauen überhaupt das Recht das in Frage zu stellen.
Und das tun sie. Und insbesondere in der jüngeren Gesellschaft bis ~30 Jahre wird man von Frauen mit dieser Problematik konfrontiert. Denn sie nehmen diese Probleme sehr bewusst wahr. Und das hat relativ wenig damit zu tun, dass Frauen auch Männer sexualisieren oder dass Frauen sich untereinander in einem Wettkampf sehen. Das spielt den tief verankerten Sexismus in unserer Gesellschaft extrem herunter.
Ich bin sehr weit davon entfernt mich korrekt zu verhalten. Jeder, der mich besser kennt, weiß, ich bin vermutlich das größte Arschloch und das obwohl ich viele Dinge besser weiß. Ich bin auch nicht in großen intellektuellen Kreisen und habe von der ganzen Theorie absolut keine Ahnung. Ich kenne nicht viel mehr fachbezogene Begriffe als der nächste ignorante KT'ler. Ich setze keine Sternchen, ich weiß oft nicht wie ich PoC ansprechen soll, ich latsche auch mal in ein Fettnäpfchen und mein Humor ist eine angriffslustige Katastrophe gegen jede Minderheit oder Gruppe. Und trotzdem habe ich gerade in dem Zusammenhang die schönsten Komplimente bekommen, von Frauen, von schwarzen Menschen, von einer Freundin, die als Junge geboren ist von Muslimen und vielen anderen, weil ein Minimum an Aufmerksamkeit, Interesse, Empathie und Respekt mehr ist als die meisten Menschen in unserer Gesellschaft bieten können und wollen. Weil sofort - wie eben auch hier - panisch und empört der Kopf geschüttelt wird, wenn man auf dieser Ebene kritisiert wird. Und Menschen, die sich mit dieser Thematik professionell und wissenschaftlich auseinandersetzen, werden mit Worten wie "weltfremd" und "realitätsfern" weggescheucht. Weil man es besser weiß und das Problem nicht sieht und man anfängt mit irgendwelchen abstrusen Konstrukten und Vergleichen die Schuld von sich zu weisen.