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Die große Sexismus-Debatte

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Lass es mich so ausdrücken:

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Da kann ich nicht mitgehen. Und ich finde, das geht einfach zu weit. Ich bin nicht bereit, auf sämtliche Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen, aber genau in diese Richtung bewegt sich die Debatte über Political Correctness ... und genau auf diesem Weg verliert der richtige Kampf für eine bessere Gesellschaft sehr viele Menschen, die grundsätzlich die Einstellung mitbringen, gegebene Strukturen zu hinterfragen, aber sich dann doch genervt abwenden, wenn am Ende jeder Witz und jeder lockere Spruch oder Blick zum Schlachtfeld der Gendergerechtigkeit hochstilisiert wird.
 
Wer es noch nicht kennt, auf der Harvard Seite kann man (englisch) ein paar sehr gute Bias/Vorurteil und "Schubladen" Tests machen um zu sehen wie stark bestimmte Denkweisen in einem selbst verankert sind.

Der Test wirk weird aber am Ende wird man erkennen warum der Test gelaufen ist wie er gelaufen ist :)

https://www.glaxdiversitycouncil.com/resources/harvard-implicit-association-test-iat/ (Gender-Career-IAT)

Hier mal eine Verteilung der Testergenisse von 2003-2015
Anhang anzeigen 124237

Finde das sollte man als Anlass dazu nehmen die unterschätzten Liberal Arts viel höher zu bewerten.
(sprach der Philosophie Student in mir... ;_; )


Und ich kenne es selbst von meiner Freundin, die regelmäßig einen Zumba-Kurs im Fitnessstudio besucht. Dort nehmen nur Frauen teil, alles easy und entspannt und alle fühlen sich pudelwohl und bekommen immer Zuspruch.
Der Weg dorthin ist aber oft ein Spießrutenlauf. Blicke, Pfiffe, dumme Sprüche und wenn man was sagt, soll man sich doch nicht so haben, ist doch nur Spaß und voll nett gemeint. Von anderen Männern kommt keine Verteidigung oder ein Eingreifen.

Würde es diesen Kurs auch in einem Frauen-Fitnessstudio geben, alle Teilnehmerinnen würden sofort wechseln.

Ohne den Rest schmälern zu wollen aber auch das ist eine ähnliche Verallgemeinerung/Schubladisierung (das meine ich jetzt nicht abwertend, denn Kategorien sind imo die Grundbegriffe unseres Denkens und unerlässlich, auch wenn sie sehr tückisch sind und einen oft in eine verfahrene Lage bringen) wie jene von @Zimtzicke, nur halt aus unterschiedlichen Erfahrungswelten heraus.



Sprechende Gegenüberstellung von Recht, Moral und Ethik.
 
Da kann ich nicht mitgehen. Und ich finde, das geht einfach zu weit. Ich bin nicht bereit, auf sämtliche Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen, aber genau in diese Richtung bewegt sich die Debatte über Political Correctness ... und genau auf diesem Weg verliert der richtige Kampf für eine bessere Gesellschaft sehr viele Menschen, die grundsätzlich die Einstellung mitbringen, gegebene Strukturen zu hinterfragen, aber sich dann doch genervt abwenden, wenn am Ende jeder Witz und jeder lockere Spruch oder Blick zum Schlachtfeld der Gendergerechtigkeit hochstilisiert wird.
Das wird man ja wohl noch sagen dürfen?!
Sprechende Gegenüberstellung von Recht, Moral und Ethik.
Was soll das bedeuten.
 
Ich finde es sehr schade, dass du anscheinend kein Interesse mehr an einem vernünftigen Diskurs hast und stattdessen mit so einem abgedroschenen Gossenspruch mich abzuwaschten versuchst.
Also sorry, aber du hast mit deinem Beitrag die komplette Klaviatur bedient von "PC" über "Befindlichkeiten" bis hin zu "Nicht mal mehr einen harmlosen Witz darf man machen", da hat halt echt nur noch die "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen"-Platitüde gefehlt.

Ich weiß auch nicht, was das auch nur im entferntesten mit PC zu tun haben soll. Ungefragt den Körper eines fremden Menschen zu kommentieren, da muss ich ja nicht mal mit so einem Konzept wie body shaming ankommen, das ist einfach respekt- und anstandslos.
Das kann ich noch so elaboriert ausdrücken oder als vergiftetes Kompliment in Watte verpacken, das ändert daran herzlich wenig.

Wenn ich zu einer wildfremden Frau sage "Gnädige Frau, entschuldigen sie dass ich sie so unvermittelt anspreche, aber ich würde nur zu gerne mit ihnen den Beischlaf vollziehen" dann ist das trotzdem sexuelle Belästigung, auch wenn ich dabei klinge wie Justus Jonas.
 
Also sorry, aber du hast mit deinem Beitrag die komplette Klaviatur bedient von "PC" über "Befindlichkeiten" bis hin zu "Nicht mal mehr einen harmlosen Witz darf man machen", da hat halt echt nur noch die "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen"-Platitüde gefehlt.

Ich weiß auch nicht, was das auch nur im entferntesten mit PC zu tun haben soll. Ungefragt den Körper eines fremden Menschen zu kommentieren, da muss ich ja nicht mal mit so einem Konzept wie body shaming ankommen, das ist einfach respekt- und anstandslos.
Das kann ich noch so elaboriert ausdrücken oder als vergiftetes Kompliment in Watte verpacken, das ändert daran herzlich wenig.

Wenn ich zu einer wildfremden Frau sage "Gnädige Frau, entschuldigen sie dass ich sie so unvermittelt anspreche, aber ich würde nur zu gerne mit ihnen den Beischlaf vollziehen" dann ist das trotzdem sexuelle Belästigung, auch wenn ich dabei klinge wie Justus Jonas.

Dann hast du meinen Beitrag aber auch nicht richtig verstanden. PC mag als Begriff unglücklich sein, und je mehr ich darüber nachdenke wird mir doch bewusst dass es ein Kampfbegriff aus dem rechten Spektrum sein könnte. Sorry, da wollte ich keinen falschen Eindruck erwecken. Ich weiß ehrlich gesagt aber auch nicht, was der richtige Begriff an dieser Stelle ist. Das zeigt mir auf erschreckende Weise, dass AfD und Co mich mit diesem Begriff schon erfolgreich geframed haben.

Und ich habe nicht geschrieben, man dürfe keine harmlosen Sprüche bringen. Das darf man (rechtlich), man muss eben mit dem möglichen Gegenecho klar kommen. Ich habe geschrieben, dass ich nicht bereit bin, auf jegliche Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Das ist etwas, dass Teile der Gesellschaft von mir verlangen, zu dem ich aber einfach nicht bereit bin. Diesen Standpunkt möchte ich klar machen. Und da spanne ich den Bogen zu @Zimtzicke Beitrag. Ich lasse mir nicht verbieten, dass Aussehen anderer zu bewerten und diese Bewertung auch zu äußern. Genauso wie ich selbst damit klarkommen muss, das es bei mir getan wird.

Ich verstehe glaube ich schon, wo du hin willst, nämlich in eine Gesellschaft, wo das Äußere keine Rolle mehr spielt und man daher gar nicht mehr darüber sprechen braucht. Ich folgte deinen Beiträgen hier schon lange mit großem Interesse und finde deine Vorstellungen von einer besseren Gesellschaft wirklich großartig. Kein Geld, keine Klassen, etc. Wäre ich sofort dabei. Aber es sind eben Träumereien, die so weit weg sind von der Realität wie nur irgendmöglich. Dennoch versuchst du die Regeln aus deiner Utopie auf unsere jetzige Gesellschaft anzuwenden ... eine Gesellschaft, die auf Kampf, Konkurrenz, Leistungsdruck und Oberflächlichkeiten aufgebaut ist. Und das ist in meinem Augen zum Scheitern verurteilt. Statt einen Kompromiss zwischen der Wirklichkeit und deinem Weltbild zu suchen, gibt es für dich nur die absolute Anwendung deines Weltbildes, und jeder der ein Jota davon abweicht, ist moralisch minderwertig. Das ist jedenfalls der Eindruck, den du bei mir erweckst.

Und da sage ich dir: mit dieser Versteifung auf deine Maximalforderung an die Gesellschaft verlierst du sehe viele, die bereit gewesen wären, ein Stück deines Weges mitzugehen. Und so löst du eher Gegenreaktionen aus, statt die Dinge wenigstens ein bisschen besser zu machen.

Sorry ich bin kein Journalist und habe Probleme schriftlich auszudrücken was ich sagen möchte. Ich hoffe du verstehst einigermaßen was ich meine.
 
Ungefragt den Körper eines fremden Menschen zu kommentieren, da muss ich ja nicht mal mit so einem Konzept wie body shaming ankommen, das ist einfach respekt- und anstandslos.
Nur für's Protokoll.

Ich sprach nicht davon, den Körper eines anderen Menschen zu "kommentieren". Es ging um die Leggins, die einem nicht zuträglich sind.

Anstand und Benehmen ist, wenn jeder sich seinen Teil denkt, es aber keiner mehr ausspricht. Da haben wir was gewonnen, wenn es hintenrum besprochen wird... aber die Gedanken sind die gleichen.

Und ich kann dir nur eins sagen. 35 Jahre (!) meines Lebens war ich damit konfrontiert dünn zu sein (56kg bei 1,80m). Zu dünn für die meisten Menschen. Ich konnte kaum normale Hosen kaufen, weil sie an meinen Hüften nicht gehalten haben. T-Shirts und Hemden haben motivationslos an meinem Oberkörper gehangen. Ich war der, der mal was essen soll, damit ein "richtiger" Mann aus mir wird. Dabei habe ich gefressen ohne Sinn und Verstand. Das halbe Hemdchen. Oder was es sonst noch gab an Ausdrücken.

Ich habe die Blicke gesehen, ich habe die Sprüche gehört. Ich war selbst betroffen von Body Shaming, wie man es heute nennt. Aber mir ist es noch heute lieber, jemand ist ehrlich zu mir und sagt mir was Sache ist, als dass ich hintenrum erfahre, dass Leute über mich das erzählt haben, was ich eh wusste. Anstand und Respekt bedeutet auch Ehrlichkeit.

Also sei so gut und versuche mir nicht zu erklären was Menschen empfinden, wenn sie nicht einem Ideal entsprechen.

Auch wenn du das für dich verneinst, so ist es belegt, dass wir unser Gegenüber in einer Zehntelsekunde bewerten und beurteilen. Wir bewerten und beurteilen unser gesamtes Umfeld, oft nur visuell. Das ist überlebenswichtig, wenn Gefahr droht. Und es sagt uns auch (!), wenn die Leggins am Arsch einfach scheisse aussieht.

Du kannst das abwertend beurteilen, aber es steckt im Menschen drin, völlig egal, ob weiss oder schwarz, arm oder reich, intelligent oder dumm. Das war schon vor tausenden Jahren so und es wird auch immer so sein. Die perfekte und gleiche Welt wird es diesbezüglich nie geben. Die Ideale mögen sich über die Zeit ändern, aber mit den Idealen haben wir uns auch immer verändert.
 
Zuletzt bearbeitet:
Da kann ich nicht mitgehen. Und ich finde, das geht einfach zu weit. Ich bin nicht bereit, auf sämtliche Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen, aber genau in diese Richtung bewegt sich die Debatte über Political Correctness ... und genau auf diesem Weg verliert der richtige Kampf für eine bessere Gesellschaft sehr viele Menschen, die grundsätzlich die Einstellung mitbringen, gegebene Strukturen zu hinterfragen, aber sich dann doch genervt abwenden, wenn am Ende jeder Witz und jeder lockere Spruch oder Blick zum Schlachtfeld der Gendergerechtigkeit hochstilisiert wird.

Wie wärs wenn man einfach mal die Fresse hält und seine Meinung bei sich lässt.
Man kann auch gerne zu einem Kumpel sagen guck dir mal an wie der Typ da angezogen ist und dann auch noch der behaarte Bauch. Ich bin aber kein kompletter untermensch, geh zu dem hin, verletze seine Gefühle und sag dann "ich hab ja nur meine Meinung gesagt, wenn der damit leben kann soll er nicht vor die Tür gehen".

Bei Freunden kann man problemlos ansprechen wenn sie mal scheiße aussehen, die wissen wie es gemeint ist. Denen kann man auch mal sagen "jung ich glaub eine Diät wäre langsam echt nicht schlecht. Lass doch mal zusammen zum Sport gehen und ich zeig dir daheim wie man geile Sachen kocht".

Bei fremden ist es einfach unangebracht, respektlos, dämlich und du hast absolut nichts davon. Dir sollte es scheißegal sein.
 
Ich lasse mir nicht verbieten, dass Aussehen anderer zu bewerten und diese Bewertung auch zu äußern.
Das ist doch wieder genau dieselbe Plattitüde wie vorhin: niemand hat vor dir das zu verbieten, warum also immer wieder dieser Strohmann?
Aber es sind eben Träumereien, die so weit weg sind von der Realität wie nur irgendmöglich. Dennoch versuchst du die Regeln aus deiner Utopie auf unsere jetzige Gesellschaft anzuwenden
Meine "Träumerei", dass man nicht über die Körper fremder Menschen urteilt ist also eine abwegige Utopie. Ich frage mich, wie es eine Utopie sein kann, wenn sie von ganz vielen Menschen bereits jetzt ganz selbstverständlich gelebt wird; von mir, von @kingpin68, von @eape, von @CandleWaltz und von vielen vielen mehr. Wie kann das denn utopisch sein? Warum ist das realitätsfern? Das ergibt überhaupt keinen Sinn.
Statt einen Kompromiss zwischen der Wirklichkeit und deinem Weltbild zu suchen, gibt es für dich nur die absolute Anwendung deines Weltbildes, und jeder der ein Jota davon abweicht, ist moralisch minderwertig.
Nochmal: ich verstehe nicht, warum du krampfhaft einen Gegensatz zwischen einer vermeintlichen Wirklichkeit und einem irgendwie obskur erscheinenden 'Weltbild' konstruieren musst? Mein Weltbild und meine Wirklichkeit sind keine gegensätzlichen Sphären sondern harmonieren bereits ganz gut; warum also sollte ich einen Kompromiss machen und worin sollte dieser bestehen? Und warum ist deine Wirklichkeit 'realistischer' als meine?

Auch wenn du das für dich verneinst, so ist es belegt, dass wir unser Gegenüber in einer Zehntelsekunde bewerten und beurteilen. Wir bewerten und beurteilen unser gesamtes Umfeld, oft nur visuell. Das ist überlebenswichtig, wenn Gefahr droht. Und es sagt uns auch (!), wenn die Leggins am Arsch einfach scheisse aussieht.
Ich finde es ein bisschen anmaßend, was da bei dir im Subtext mitschwingt (auch und gerade über das oben zitierte hinaus): dass ich (und andere) 'instiktiv' dann doch nur die selben Schubladen wie du bedienen. Nur du machst es halt 'offen und ehrlich' und ich und andere würden es 'hinten rum' und damit irgendwie 'verlogen' machen.
Und ich verneine doch überhaupt nicht, dass ich in Schubladen denke und ich behaupte auch nicht, dass ich vorurteilsfrei durch die Welt laufe. Ganz im Gegenteil.
Aber es ist nun mal so, dass die Schubladen nicht naturgegeben sind, sondern wie alles (!) Soziale gesellschaftliche Konstruktionen sind. Und die sind form- und wandelbar (deshalb ja auch: Konstruktionen). Das bedarf natürlich einer kritischen Auseinandersetzung mit sich selbst und seinen Vorurteilen und ein Verständnis dafür, wie diese zustande kommen. Und es ist ein Prozess, den man durchlaufen muss, der in gewisser weise der vorangegangenen Sozialisation entgegen gerichtet ist. Aber so funktioniert gesellschaftliche Progression. Und na klar, der erste Schritt ist natürlich erst mal: weiterhin A denken, aber A nicht aussprechen. Aber das ist eben nicht der letzte Schritt.

Im Übrigen bedeutet das nicht, dass ich Schönheitsnormen überwunden hätte. Im Gegenteil, auch ich finde 'normschöne' Menschen in besonderem Maße attraktiv. Aber nichtsdestoweniger will ich gerne daran mitwirken, dass Schönheitsnormen in unserer Gesellschaft mehr und mehr an Wirksamkeit verlieren.
 
Ähem doch, freie Meinungsäußerung und so. Was ist los bei dir?
Wat? Denke dir halt einen Teil, aber sagen dass der andere Scheiße aussieht?
Ihm ins Gesicht ist nie richtig.
Das heißt nicht, dass ich das noch nie gemacht habe. In dem Moment stellst du dich halt über die andere Person. Ganz einfach, du entscheidest für euch beide, was für euch richtig ist.
Klar ist es nicht einfach zu verstehen.
Gleiches gilt für Sätze zum Beispiel für den Satz: "Du bist aber hübsch!"
Geht genauso wenig..
Natürlich wird hier vom dem Fremden ausgegangen...gute Bekannte, Freunde ist natürlich was komplett anderes.
Aber das kriegen viele einfach nicht unter einem Hut - was zum größenteils Männer sind.

Da kann ich nicht mitgehen. Und ich finde, das geht einfach zu weit. Ich bin nicht bereit, auf sämtliche Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen, aber genau in diese Richtung bewegt sich die Debatte über Political Correctness ... und genau auf diesem Weg verliert der richtige Kampf für eine bessere Gesellschaft sehr viele Menschen, die grundsätzlich die Einstellung mitbringen, gegebene Strukturen zu hinterfragen, aber sich dann doch genervt abwenden, wenn am Ende jeder Witz und jeder lockere Spruch oder Blick zum Schlachtfeld der Gendergerechtigkeit hochstilisiert wird.

Die Sache ist gleichzeitig recht einfach und doch kompliziert, da viele einfach nur undifferenziert alles in einen Topf schmeißen und gleich losbrüllen wie ein Gorilla, weil Sie sich eingeschränkt fühlen.
Gleichzeitig aber andere durch ihre Taten und Äußerungen einschränken und keine Sekunde darüber nachdenken "und sich nicht so anstellen sollen" - was schon wieder sowas ist.
Es geht hier mehr um ein Bewusst werden und weiter entwickeln. Nur weil ich "das schon immer so gemacht habe", heißt es nicht, dass die so richtig ist.
 
@Mingo
Dass dein Weltbild bereits implementiert wäre, weil hier zweieinhalb User*innen behaupten, sie würden es leben, halte ich für Quatsch. Ehrlich, wer nie über andere urteilt und das artikuliert, wer nie lästert, der werfe den ersten Stein!
Aber wenn du davon überzeugt bist, deine Utopie wäre längst Realität, lade ich dich herzlich ein, morgen im Clownskostüm zur Arbeit zu gehen. Oder in Reizwäsche. Oder im Rock und mit fett Kayal im Gesicht. Da würde natürlich niemand komisch gucken und da wärst du auch sicherlich nicht Gesprächsthena Nummer 1 unter den Kolleg*innen ... oder?
 
@Mingo
Dass dein Weltbild bereits implementiert wäre, weil hier zweieinhalb User*innen behaupten, sie würden es leben, halte ich für Quatsch. Ehrlich, wer nie über andere urteilt und das artikuliert, wer nie lästert, der werfe den ersten Stein!
Aber wenn du davon überzeugt bist, deine Utopie wäre längst Realität, lade ich dich herzlich ein, morgen im Clownskostüm zur Arbeit zu gehen. Oder in Reizwäsche. Oder im Rock und mit fett Kayal im Gesicht. Da würde natürlich niemand komisch gucken und da wärst du auch sicherlich nicht Gesprächsthena Nummer 1 unter den Kolleg*innen ... oder?
Ok, rewind selecta!

Ich glaube wir verfransen uns hier etwas und müssen mal ein, zwei Schritte zurückgehen um wieder eine gemeinsame Basis zu haben.

Selbstverständlich ist es eine Utopie wenn ich sagen würde, wir leben in einer Gesellschaft die body shaming überwunden hat. Das ist ja alleine logisch nicht möglich, da wir sonst diese Diskussion gar nicht hätten.
Was aber nicht utopisch ist, ist als Individuum an einen Punkt zu kommen, an dem man selbst kein body shaming betreibt.
Wenn du mich also fragst, ob ich gerne in einer Gesellschaft leben würde, die frei von body shaming ist, dann ja: das würde ich sehr gerne. Und das ist utopisch. In so fern gebe ich dir recht.
Aber ich muss mich wiederholen: die Veränderung muss ja bei einem selbst anfangen und darf aber wiederum nicht bei einem selbst aufhören.

Und zur vermeintlichen moralischen Überlegenheit von mir vielleicht auch das noch: ich bin mit Sicherheit nicht perfekt und es gab bestimmt und gibt immer wieder Situationen, wo auch ich mich falsch verhalte. Und bestimmt ist es auch so, dass ich das selbst gar nicht im ersten Moment registriere und ich - würde man mich auf mein Verhalten hinweisen - erst mal eine defensive Haltung einnehmen würde und mein Fehlverhalten abstreiten würde.
Aber grundsätzlich bin ich bereit an mir zu arbeiten und mein Verhalten zu ändern, wenn ich selbst der Überzeugung bin dass es das Richtige wäre.

Und kehren wir doch nochmal zum ursprünglichen Beispiel zurück, statt absurdeste Szenarien zu spinnen. Es ging um funktionale Sportkleidung in einem Fitnessstudio. Und da bleibe ich dabei und weiche auch kein Jota von meiner Position ab: die soll jede*r tragen können, egal was andere davon halten und das hat man einfach zu akzeptieren. Und wenn man sich bemüßigt fühlt das ungefragt zu kommentieren oder sonst irgendwie unverhohlen zu kommunizieren, dann ist das einfach scheiße.

Zwei Sachen vielleicht noch zu Schluss, die meine Position vielleicht noch etwas kontextualisieren.
All bodies are beautiful ist ein bekannter Slogan der body positivity Bewegung. Das ist ein Slogan, den ich jederzeit unterschreiben würde. Bedeutet das aber nun, dass ich jeden Körper gleich schön finde? Nein, natürlich nicht. Auch ich habe ein spezifisches Empfinden von Schönheit, und das orientiert sich in hohem Maße an gesellschaftlich gewachsenen Schönheitsidealen und -normen.
Aber nichtsdestotrotz stimmt es eben, dass jeder Körper erst mal schön ist - und alles weitere nur mein eigenes Empfinden ist.

Das zweite womit ich abschließen möchte knüpft vielleicht ein wenig an dein oben gewähltes Beispiel an.
Ich persönlich bin alles andere als frei von Komplexen in Bezug auf meinen Körper und mein Erscheinungsbild. Ich empfinde wertende und urteilende Blicke als äußerst unangenehm. Ich kleide mich oftmals genau so, wie wir es hier quasi diskutieren: nämlich so, dass ich die körperlichen Merkmale, die ich selbst an mir nicht mag, so kaschiere, dass sie anderen nicht auffallen mögen.
Aber sowas kommt eben von sowas.
Und deshalb (aber nicht nur deshalb) finde ich es ungeheuer wichtig, dass man als Gesellschaft daran arbeitet die Zustände zu ändern, die zu solchen und ähnlichen Komplexen führen.

Und da sind wir dann wieder am Ausgang der Diskussion. Weil der einfachste Schritt in diese Richtung ist es fremde Körper nicht urteilend zu kommentieren (oder sonst irgendwie wahrnehmbar zu urteilen, durch gaffen, glotzen etc.).
 
Vor allem "freie Meinungsäußerung" plädieren, aber anderen durch den eingriff des Kommentierens und durch das shaming verbieten wollen tragen zu wollen was sie wollen. Dürfen die Frauen in Leggins jetzt auch nicht mehr öffentlich an den Strand?
 
Jetzt wird für mich einiges etwas deutlicher, danke für diesen ausführlichen Beitrag. Da liegen wir sehr sehr viel näher beieinander als anfänglich gedacht. Grundsätzlich kann ich deine Forderungen so unterschreiben, allerdings bleibe ich auf meinem Standpunkt, dass ich keine Rücksicht auf Befindlichkeiten nehmen möchte. Das reicht für mich vor allem in den Bereich Religion, Satire etc. Und da mag ich es nicht, dass Teile unserer Gesellschaft mittlerweile dazu neigen, Verbote zu fordern, wenn einzelne sich angegriffen fühlen. Ich halte das für den falschen Weg, und möchte dafür mal vom Fitnessstudio wegkommen, denn auch ich laufe nicht durch die Fitnessstudios dieser Republik und verteile Noten für die Optik an alle Anwesenden.

Beispiel Family Guy, das sich billigster Klischees bedient, um Witze zu produzieren. Daran entzündet sich mittlerweile ja auch viel Kritik. Ich kann diese Sendung abfeiern, ohne Vorurteile gegen diejenigen zu entwickeln, die da durch den Kakao gezogen werden. Ich möchte nicht, dass so etwas in Zukunft nicht mehr möglich ist, weil sich einzelne oder Gruppen davon angegriffen fühlen. Das löst nämlich eine Kettenreaktion aus, und irgendwann muss jedes Wort vorab durch eine Ethikpolizei freigegeben werden.

Die freie Rede steht für mich über allem, ist eines der zentralen Güter der Menschenrechte für mich. Und wenn dann in Posts von dir und anderen zumindest unterschwellig der Eindruck erweckt wird (und so kommt es beizeiten bei mir an), es gehöre verboten, sich so oder so zu äußern, dann kann ich das nicht akzeptieren. Und da spanne ich den Bogen zu den Fitnessstudios:

Sollte man dort über andere urteilen und ihnen das auch mitteilen? Du sagst: nein. Ich sage: keine Ahnung. Ist es nicht auch ein Stück weit unehrlich, alles für sich zu behalten, das unangenehm sein könnte? Keine Ahnung, ehrlich! Aber wogegen ich mich auf jeden Fall wehre ist der Versuch jemandem die Kompetenz oder das Recht absprechen zu wollen, bestimmte Dinge kommentieren zu dürfen. Damit müssen wir alle leben.
 
Ungefragt den Körper eines fremden Menschen zu kommentieren, da muss ich ja nicht mal mit so einem Konzept wie body shaming ankommen, das ist einfach respekt- und anstandslos.
Das kann ich noch so elaboriert ausdrücken oder als vergiftetes Kompliment in Watte verpacken, das ändert daran herzlich wenig.
Ich bin gerade wirklich schockiert, dass das nicht zu 100% Konsens ist...
Man kann doch nicht einfach so das Aussehen, die Statur, Figur, Kleidungsstil oder ähnliches von fremden Personen kommentieren??
Geb Mingo da absolut recht, das ist auch abseits des weiter gefassten Konzepts des Body Shamings einfach nur elementarer Anstand, dass ich mir meinen Teil denken kann, aber ich das gleichzeitig als meine singuläre Meinung wahrnehme, die keinerlei Anspruch auf Neutralität oder Allgemeingültigkeit hat.

Um mal beim Beispiel einer etwas dickeren Person mit enger oder zu eurer Ansicht nach zu wenig Kleidung zu bleiben: Ihr denkt eventuell "igitt, wie eklig", der nächste denkt aber "boah geil". Denn auch Vorlieben für bestimmte Körpertypen sind genausowenig vorgegeben wir Vorlieben für Haarfarbe, Kleidungsstil oder Verhaltensweisen.

Geht ihr wirklich auf fremde Leute zu, die sich eurer Meinung nach nicht angemessen kleiden - an welchem Maßstab auch immer gemessen - und teilt denen das mit? Das ist in meinen Augen höchst asozial und verwerflich. Ihr habt Null Ahnung, was das in diesem Menschen auslösen kann. Wisst ihr, ob die betreffende Person sowieso Selbstwertprobleme hat und ihr sie mit einem Kommentar, eventuell nur einem richtendem Blick in ein Loch stoßen könnt?

Es wurde ja schon erwähnt: jeder hat sein Ästhetikempfinden und das ist imo auch erst mal OK so. Ich sehe auch auf der Straße oder im Freibad Leute, bei denen ich mir denke "das hätte mir anders besser gefallen". Aber ich behalte es als MEINE Meinung und behalte sie auch bei mir. Wenn ich merke, dass mein Hirn anfängt, daraus Vorurteile zu stricken, reflektiere ich meine Gedanken, weil ich das vor mir selbst unangenehm finde.
Aber um mit meiner Ansicht nicht auf die Leutet zuzugehen, brauch ich auch keine innere Reflektion. Das haben mir meine Eltern schon als Anstand und Respekt vor anderen mit auf den Weg gegeben.
 
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