Das sind so Punkte, die man unbedingt nochmals hervorheben muss! Und wo ich eigentlich gedacht habe, dass man ja irgendwann hier mal begreifen muss, worum es geht.
Grössere Lohnsteigerungen im unteren Level werden sich immer nach oben hin fortführen. Als Konsequenz werden die Preise steigen und am Ende des Tages hast du zwar mehr Geld in der Tasche, kannst dir aber trotzdem nicht mehr leisten.
Was Jobverluste angeht ist das ein reales Szenario. Viele Unternehmen entlassen teils hunderte, tausende Arbeitnehmer, weil sie entweder a) den Profit schmälern, oder b) nicht mehr leistbar sind. Szenario B ist wohl eher im Mittelstand zu finden. Deswegen kann man auch beim von mir bevorzugten Mittel, dem Mindestlohn, nicht unendlich in die Höhe gehen, ohne nicht auch Jobs zu verlieren. Was bei 8Euroirgendwas damals noch nicht der Fall war. Aber bei 12 Euro? 15 Euro?
Aber auch soziale Aspekte. Wenn du beim Niedriglohn ansetzt, das Lohnniveau ohne "Gegenleistung" anhebst, dann werden sich andere Mitarbeiter ungerecht behandelt fühlen. Denn im Verhältnis haben die sich dann verschlechtert, obwohl sie immernoch die gleiche Arbeitsleistung erbringen, die davor ja noch mehr "wert" war.
Insofern absolut richtig, dass jede Stellschraube im Hintergrund mehr bewirkt, als einem manchmal lieb wäre.
Eine kluge Politik würde natürlich stärker handeln. Flexible, aber verpflichtende Regeln je nach Firmengrösse oder Umsatz Summe X. Mindestlohn oder bedingungsloses Grundeinkommen. Tarifpflicht. Betrieblich geregelte und verpflichtende zusätzliche Rentenvorsorge.
Und trotzdem würde es auch dann noch Menschen geben, die letztlich hinten runter fallen...
Das widerspricht der Praxis. Mindestlöhne lassen die Preise im jeweiligen Sektor steigen, aber zum einen nicht in der Höhe des Anstiegs und zum anderen bleibt das allgemeine Preisniveau im Großen quasi unberührt. Wenn also Kellner und Köche besser entlohnt werden, wie es in Deutschland ja auch der Fall ist (von oftmals 5€ auf jetzt eben 9€/h), dann zahlen wir nicht plötzlich 20€ für eine Pizza und 6€ für ein Bier, sondern erleben etwas höhere Preise in Restaurants, zahlen aber nicht mehr in Sektoren, die bereits fair entlohnt haben. Auch geht es der Gastronomie durch Mindestlöhne jetzt nicht schlechter, sondern besser, weil sich mehr Menschen leisten können, auswärts essen zu gehen. Es werden also Jobs geschaffen und nicht abgebaut.
Ganz aktuell haben wir bei uns die Lagergehälter um 30% angehoben. Das hat nicht zur Folge, dass die Gehälter in den höheren Gehaltsstufen auch um 30% angehoben wurden oder dass jetzt andere Mitarbeiter auf die Barrikaden gehen. Es gab Kollegen, die sich unfair behandelt gefühlt haben, weil neue Mitarbeiter jetzt mit derselben Summe nach Hause gehen wie Mitarbeiter, die seit 15 Jahren im Unternehmen sind. Aber ganz ehrlich, das ist eine andere Situation und hier besteht kaum Handlungsbedarf. Das fühlt sich von mir aus unfair an, aber das ist schnell abgeebbt, weil es kein tatsächliches Problem ist.
Ansonsten stimme ich natürlich
@Cale auch zu, dass die Ökonomie vorsichtig behandelt werden muss. Die konsequenten, aber sanften Steigerungen des Mindestlohns sind ein angemessener Schritt. Übrigens auch einer gegen den sich überzeugte Kapitalisten gerne gewehrt haben, aus den Gründen, die wir hier jetzt auch lesen müssen. Kapitalismus funktioniert besser als andere Marktsysteme. Aber Kapitalismus muss reguliert werden. Und die Regulierung umfasst in erster Linie Mechanismen, die das Geld, das den Reichen nach kapitalistischen Grundsätzen zusteht, umverteilen. Und diese Wahrheit wird hier gerne geleugnet und eine strengere Regulierung, also eine größere Umverteilung, die letztendlich auch nur eine Anpassung an die immer größer werdende Schlucht zwischen Reich und Arm darstellt, wird hier fälschlicherweise mit Enteignung und Kommunismus gleichgesetzt.
Und das ist wirklich ein dummer Reflex, der hier eine interessante Diskussion, die ich auch auf der Gegenseite wertschätzen kann, weil es hier auf beiden Seiten nachvollziehbare und fruchtbare Argumente gibt, vergiftet und zerstört.