seh ich anders, die Mädels machen es ja freiwillig. Warum sollen sie dann nicht weitermachen dürfen?
Ich habe junge Frauen (und Männer) in meinem Bekanntenkreis, die Cheerleading als Sport betreiben und sehr gerne im Vorfeld oder in den Pausen von Sportveranstaltungen ihre Fähigkeiten präsentieren, für die sie auch hart trainiert haben. Die finden es nicht gut, wenn sie keine Plattform mehr für ihre Auftritte bekommen. Aber sie werden auch nicht gefragt, obwohl sie die betroffenen sind. Das zeigt in meinen Augen, dass hier ganz schön was schiefläuft.
Man entzieht einem Teil der Frauen, die diesen Sport ausüben, die Plattform ihren Sport einem größeren Publikum zu präsentieren. Aber das scheint bei den Verantwortlichen ja keine Schnappatmung auszulösen, sollen sich diese Sportlerinnen halt eine andere Plattform suchen oder die Sportart wechseln, Hauptsache sie sind vor Sexismus geschützt (egal ob sie wollen oder nicht).
By the way, um speziell auf das Beispiel Alba Berlin einzugehen:
Ich habe dort ein paar Jahre gearbeitet und die Cheerleader waren durch die Bank weg äußerst selbstbewusst und haben sich definitiv nicht wie bei einer Fleischbeschau gefühlt, ganz im Gegenteil.
Bin hier absolut bei
@Fuchs und
@Zimtzicke, denn solche Entscheidungen werden nicht von denen getroffen, die davon betroffen sind. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Cheerleader in dieser Entscheidung mit einbezogen wurden. DAS ist wesentlich schlimmer.
Es gibt zwei Ebenen, auf denen hier Frauen betroffen sind, direkt und indirekt.
Auf der ersten Ebene sind die Cheerleaderinnen selbst direkt betroffen indem sie ihren Sport nicht mehr im bisherigen Rahmen ausüben können.
Auf der zweiten Ebene sind indirekt jedoch alle Frauen von Sexismus betroffen. Daher werden auf dieser Ebene nicht die unmittelbar involvierten Cheerleaderinnen vor Sexismus "geschützt" sondern eben im Sinne der Gesamtheit der Gesellschaft gehandelt.
Anderenfalls würde ich nämlich zustimmen: wenn es einzig darum ginge die Sportlerinnen als solche "vor sich selbst zu schützen" wäre das in der Tat ziemlich bevormundend und anmaßend.
In diesem Sinne muss man die individuelle Freiwilligkeit (von der ohnehin ausgegangen werden kann, dass sie gegeben ist) einmal ausklammern. Sie ist weitestgehend unerheblich dafür, ob etwas als sexistisch gelesen werden kann oder nicht.
Wir hatten in diesem Forum auch mal eine H&M-Werbung ("Coolest monkey in the jungle!") diskutiert, die auch dann als rassistisch zu bezeichnen war, selbst wenn der Junge bzw. seine Eltern dem Shooting und der anschließenden Freigabe zugestimmt haben.
Um noch ein anderes Beispiel heranzuziehen: es wäre doch absurd anzunehmen, ein Film könne nicht antisemitisch sein, solange der im Drehbuch eindeutig so gezeichnete "böse Jude" nur von einem jüdischen Schauspieler verkörpert würde.
@eape
Du kannst das jetzt sehen, wie du willst. Fremdbestimmung ist es in jedem Fall.
Vor allem hat man es nach langer Zeit geschafft, das Cheerleading aus seiner ehemaligen Schmuddelecke rauszubekommen, hat es als Sportart etabliert, die bei den Frauen beliebt ist und vom Publikum auch anerkannt wird. Wie gesagt, es gibt Meisterschaften, die auch besucht werden.
Diesbezüglich kann man Cheerleading z.B. garnicht mit Grid Girls vergleichen.
Du widersprichst dir hier doch selbst in deiner Argumentation: die Sportart wird ja eben nicht in dem Maße von einem breiten Publikum anerkannt, als dass sie außerhalb von Halbzeitshows bei Sportveranstaltungen groß zur Kenntnis genommen würde?
Oder sind Cheerleading-Meisterschaften in Deutschland besonders gut besucht? Mich würde das zumindest wundern.
Zu deinem zweiten Punkt: natürlich lassen sich die beiden Sachen vergleichen und es lassen sich dann auch durchaus Gemeinsamkeiten erkennen; unbestritten ist jedoch, dass beim Cheerleading eine anerkennungswürdige sportliche Leistung erbracht wird, die sogenannte Grid-Girls nicht erbringen.
Ich komme grad aus Kuwait. Keine schöne Welt kann ich dir sagen. Aber immerhin kaum Sexismus.
Ich nehme zwar fast an, dass du das nicht wirklich ernst meinst, aber nichtsdestotrotz will ich an der Stelle darauf hinweisen: Sexismus ist nicht gleichbedeutend mit
Sexualisierung. Die übermäßige und kontextunabhängige Sexualisierung von Frauen ist aber wiederum ein Teilaspekt von Sexismus bzw. Sexismus äußert sich unter anderem anhand unangebrachter Sexualisierung.
Ich verstehe den Unterschied auch nicht, bei ner Games Convention sind die Cosplays auch nur Beiwerk. Sind die dann sexistisch und auch einer reinen Cosplay-Veranstaltung nicht? Und Cheerleader beim Spiel sind sexistisch und bei einem reinen Cheerleading-Wettbewerb nicht?
Ist Cheerleading per se schon Sexismus
Nichts ist per se sexistisch, Sexismus entsteht erst durch die entsprechende Kontextualisierung.
Selbstverständlich kann man nicht sagen, dass Cheerleading als solches sexistisch ist. Es wurde daher ja auch mehrfach darauf hingewiesen, was im konkreten Fall als sexistisch verstanden werden kann: nämlich der Auftritt als sexy Halbzeitunterhaltung im Rahmen eines Herrenbasketballspiels.