Und du meinst dann aber ein Malergeselle hätte eine 08/15 Ausbildung wo er sich nicht mit beschäftigen muss und den ganzen lieben langen Tag nur Wände anmalt ? Aha....
Wie meinen? Natürlich habe ich plakative Beispiele gewählt, aber das sollte nicht so rüberkommen als würde ich diese oder ähnliche Berufe geringschätzen. Im Gegenteil habe ich maximalen Respekt vor handwerklichen, körperlichen und nicht-akademischen Berufen.
Ich finde die Akademisierung der Arbeitswelt und die damit einhergehende Abwertung von körperlich-praktischer Arbeit eine grundfalsche Entwicklung.
Es geht nicht darum, ob es einem leicht fällt oder einem Spaß macht. Es gibt auch genug Themen und Sachverhalte, die mir weder leicht fallen , noch mir Spaß machen, aber ich muß mich auch damit befassen, weil mir nicht Jeder alles hinterher trägt.
Sie machen dir möglicherweise keinen Spaß, aber du hast immerhin ein
Bewusstsein und einen
Zugang dazu, und den haben schlicht nicht alle in dieser Gesellschaft. Und das hat wenig mit Faulheit und Unlust zu tun, sondern mit je unterschiedlichen Sozialisationen.
Was ja keineswegs ausschließt, dass es nicht auch Menschen gibt, die diesen Zugang theoretisch hätten, aber einfach zu faul sind sich damit zu beschäftigen.
Daher greifen auch diese Einwände zu kurz:
Wenn einen die Infos, die man im Netz bekommt, nicht weiter bringen, würde ich immer zuerst mal ein VHS-Kurs empfehlen.
Oder einen freien Berater (nicht Bank, nicht MLP oder DVAG) für die Beratung bezahlen.
Auch hier wird ein soziales Problem auf eine individuelle Ebene verlagert und damit in eine neoliberale Logik eingespannt.
Und in sofern muss ich
@Fanatic da beipflichten der ja angemerkt hat, dass es einem doch zu denken geben müsste, warum es nicht viel mehr Leute gibt, die nach euren Vorstellungen ihre privaten Finanzen aangehen - wenn es doch theoretisch jedem und jeder möglich ist?
Das ist also dein Argument? Na dann.
Wenn es kein Zeichen dafür ist, dass der Zugang zur privaten Altersvorsorge tatsächlich so niedrigschwellig und universal ist, wie ihr proklamiert, ja dann kann man tatsächlich nur zu dem Schluss kommen, dass ein erheblicher Teil unserer Gesellschaft einfach "faul" und "dumm" ist.
Oder aber - und dafür würde ich aus einer soziologischen Perspektive dringend plädieren - man erkennt darin den praktisch erbrachten Beweis, dass der Zugang eben nicht so niedrigschwellig und universal ist, wie er möglicherweise sein sollte.
Und so oder so: ich finde einer Gesellschaft, verstanden als Solidargemeinschaft, sollte daran gelegen sein, dass niemand in Altersarmut endet, ganz gleich ob "dumm" oder "faul".
Ich finde es nahezu befremdlich, dass der Bereich der Altersvorsorge zu einem Wettbewerb der Bemühungen gemacht werden soll, an dessen Ende man als Gewinner*in oder Verlierer*in hervorgehen kann.
Ich möchte gar nichts dagegen sagen, dass man im Alter nicht auch belohnt werden darf, wenn man als junger Mensch Rücklagen gebildet hat. Aber der Rahmen sollte halt dergestalt sein, dass dies
wirklich niedrigschwellig möglich ist und man in jedem Falle bis zu seinem Lebensende in Würde existieren kann und darf.
Hier sollte nur aufgezeigt werden, dass Menschen, die etwas übrig haben, aber bisher nichts anlegen, sich mit überschaubarem Aufwand daran herantasten können.
ich glaube schon, dass jeder sich hin und wieder 1-2 stunden zeit nehmen kann um sich mit derlei themen zu befassen. jeder sollte sich über seine zukunft gedanken machen, wer sich dafür die zeit nicht nimmt und ist imo immer noch selber schuld. dann brauche ich mich 30 jahre später nicht zu wundern. das muss ich mir ja auch nicht von heute auf morgen aneignen.
nochmal: niemand behauptet, dass man das von heute auf morgen aus dem FF beherrscht oder dass das jedem spaß macht.
Naja, im Prinzip war genau das der Ausgang der Diskussion:
Mondknallschlumpf schrieb:
Um sinnvoll anzulegen, reicht eigentlich ein Nachmittag, um sich in ETFs einzulesen.
Und genau darin spiegelt sich die massive Überschätzung der Zugänglichkeit privaten Finanzmanagements.
Lies Dich selbst ein und probier es aus oder geh zur Bank und lass Dich beraten.
Dafür ist die (unter anderem) ja schließlich auch da. Wo ist das Problem?
Wollen die dich wirklich abzocken oder wollen die evtl einen berechtigten Teil für Ihre Hilfe/Expertise haben?
Wenn das ne Abzockbank ist und Du bist mit denen nicht zufrieden ... warum wechselst du die dann nicht?
Es wird hier argumentiert, dass alle gleichermaßen durch privates Finanzmanagement in ihre Altersvorsorge investieren können.
Erst hieß es, das könne man sich selbst beibringen.
Dann habe ich gelesen, man könne sich ja zumindest weiterbilden und es sich
dann selbst beibringen.
Als nächstes hieß es, wenn man es sich nicht selbst beibringen kann dann könne man sich ja aber extern beraten lassen.
Jetzt heißt es, man sollte dann aber selbst erkennen, wenn man falsch beraten wird.
Hier beißt sich doch die Katze endgültig in den Schwanz?
Im Übrigen kann ich es sehr gut nachvollziehen, dass eine Grundskepsis gegenüber Banken besteht. Es wurde hier ja auch schon eingebracht: es wird weniger
beraten als vielmehr ein Anlageprodukt
verkauft.
Wie kann man denn nach den Erfahrungen der Finanzkrise 2008 - gerade als private*r Sparer*in - da nicht maximal misstrauisch sein?