Äh, wenn den Satz jemand so gebracht hätte nur mit "Migranten", "Muslimen", "Juden" oder sonst was anstelle von "Deutschen" würdest du ihn wohl zurecht schief angucken, oder?
Ich bitte dich, das kannst du besser. Das ist der Kontext und nur in diesem ergibt meine Aussage Sinn:
Der Islam, so wie er von vielen gelebt wird, ist allerdings auch schon mal ein Integrationshemmnis an sich.
Das Leben, das von vielen Deutschen gelebt wird, ist auch ein Integrationshemmnis an sich.
Aber da beißt sich nunmal die Katze in den Schwanz wenn man die Debatte auf dieser Ebene führt.
Es geht mir ja gerade um die Nicht-Aussagekraft einer solchen Pauschalaussage plus der Kritik daran, dass Integration als etwas verstanden wird was eine Seite aktiv zu erbringen hat während die andere Seite nur passiv auf das Gelingen hofft.
Ist vermutlich einfach schwerer freundlich zu sein, sich an die Gesetze zu halten (die sich möglicherweise sogar mit bisher eigenen Bräuchen beißen können), von Trotteln schlecht behandelt/ausgegrenzt zu werden UND die Sprache zu lernen als nur freundlich zu sein und sich an die Gesetze zu halten. Doof dass es so ist, aber wohl einfach schwerer.
Darum geht es doch gar nicht; das die Situation für die eine Seite massive Veränderung mitbringt steht doch gar nicht zur Disposition.
Es geht darum ob die eine oder die andere Seite eine (höhere) Bringschuld hat, während man dies der anderen Seite nicht attestiert. Unter Bringschuld versteht man u.a. die "Aufgabe des aktiven Partners in einer Interaktion, sich um den Erfolg zu bemühen" (
wiktionary.de).
Wenn man also nur Neubürger*innen dieses Landes eine Bringschuld zuschreibt, dann bedeutet das, dass die Integration einzig und alleine ihre Aufgabe ist. Aber haben wir als aufnehmende Gesellschaft nicht auch ein ebenso (!) großes Interesse an einer gelingenden Integration?
Wenn ja (und da sind wir uns ja eigentlich alle einig), dann haben wir eben auch eine Bringschuld. Und zwar die, Integration gelingen zu lassen. Dass die Anstrengungen bei der einen Seite umso größer sind heißt aber eben nicht, dass sie die größere Bringschuld hat, sondern eben nur das: sie hat die größeren Anstrengungen.
Und ne, ich muss nicht jedem Essenszubereiter in seiner Landessprache danken können, um ihm ne schöne Integration zu ermöglichen.
Den Vorbehalt des Überspitzens setze ich vorsorglich auch mal lieber.
Schön, dass du dir die Hintertür der Überspitzung ebenso offen hältst wie ich es getan habe, aber ich habe das Gefühl du verstehst mich mit Absicht falsch.
Ich habe sehr bewusst von der "Bereitschaft" (sic!) gesprochen "auch mal" einige Wörter der Landessprache von Menschen zu lernen, die wir in unsere Gesellschaft aufnehmen wollen und mit denen man im Alltag eben Umgang hat.
Das sind nicht mehr als kleine Gesten, dass man sich eben auch für die andere Kultur interessiert und bereit ist, sich ein Stück weit zu öffnen und zu signalisieren: hey, du musst nicht den ganzen Weg auf mich zukommen, ich mache dir auch einige Schritte entgegen. So etwas kann ein echter Türöffner sein.
Aber man kann dazu auch strikt nicht bereit (!) sein und einen solchen Umgang mit seinen "Essenszubereitern" ablehnen.